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Darmstadt Studenten hausten auf sechs Quadratmetern

An der Stelle des heutigen Neubaus des Studierendenwerks befand sich einst ein Gefängnis der Gestapo.

17.04.2018 11:44
Studentenwohnheim damals
Anfang der 1950er Jahre wurde das ehemalige Gefängnis zum Studentenwohnheim umgebaut. Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Dass in der Riedeselstraße 64 früher ein Gefängnis der Gestapo stand, daran erinnert jetzt nur noch eine Stele des Darmstädter Künstlers Fritz Schwarzbeck. Das Studierendenwerk hatte sich auf Anregung der Deutschen Friedensgesellschaft kürzlich um die neue Platzierung der 1974 erstellten Gedenktafel und Einbettung am neuen Standort gekümmert. Früher erinnerte die Tafel an der Ostseite des alten Gebäudes an die Opfer des Nazi-Regimes. „Damit wollen wir drei Jahre vor unserem hundertjährigen Jubiläum die Bemühungen intensivieren, die Rolle des Studentenwerks zu Zeiten des Nationalsozialismus aufzuarbeiten“, sagte Geschäftsführerin Ulrike Laux.

Ursprünglich befand sich an selber Stelle ein Garnisonsgefängnis. „Ab 1934 brauchte die Geheime Staatspolizei schnell ein Gefängnis für politische Häftlinge“, sagte der Leiter des Stadtarchivs Peter Engels. Deshalb übernahm sie das leerstehende Gebäude als Außenstelle. Wie viele Insassen in den zwei Jahren des Betriebs von 1933 bis 1935 hier inhaftiert waren, sei heute nicht mehr nachvollziehbar. Alle Dokumente seien zu Kriegsende vernichtet worden. „Sicher ist, dass dort politische Gefangene inhaftiert waren und gefoltert wurden“, so Engels. Regimegegner wie Carlo Mierendorff, Wilhelm Leuschner oder Georg Fröba seien im Hessischen Landgerichtsgefängnis in der Rundeturmstraße interniert gewesen. 

Das Gefängnis in der Riedesel wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, 1950 von der Wiederaufbau GmbH an gleicher Stelle neu errichtet und dem damaligen Studentenwerk als Wohnheim übergeben. In den ehemaligen Zellen lebten die Studierenden auf nur sechs Quadratmetern. Deshalb konnten nur Betten von 1,80 Meter Länge aufgestellt werden, wie im Darmstädter Stadtlexikon nachzulesen ist. 1979 wurde ein neues Gebäude errichtet, dieses 2016 abgerissen, um dem aktuellen Neubau Platz zu machen.

Barbara Greve, die Tochter des 1989 verstorbenen Bildhauers Schwarzbeck, der mit zahlreichen Werken im öffentlichen Raum der Stadt vertreten ist, betonte, dass ihr Vater mit seinen Werken stets seine humanistische Botschaft vermitteln wollte. Die Inschrift auf der Tafel lautet: „Gedenkt der Opfer und wacht über Recht und Freiheit.“ Im öffentlichen Raum der Stadt gibt es zahlreiche Kunstwerke von Schwarzbeck. Eines seiner bekanntesten – die tonnenschwere Bronze-Figurengruppe „Opfer“ auf dem Waldfriedhof – wurde vergangenes Jahr entwendet.

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