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Darmstadt Schwer anziehend

GSI Helmholtzzentrum erhält einen 60 Tonnen schweren Spezialmagneten. Dieser wird Teil des sogenannten R3B-Experiments, mit dem die Prozesse erforscht werden sollen, die für die Entstehung von Elementen in Sternenexplosionen verantwortlich sind.

06.11.2015 19:48
Seine Anziehungskraft erhält der Koloss durch Strom.

Rund 5,7 Meter lang, 8,6 Meter breit und 4,3 Meter hoch, dazu ein Gewicht von 60 Tonnen – ein Magnet diesen Ausmaßes passt auch beim GSI Helmholtzzentrum nicht mal eben so durch die Tür. Entsprechend aufwendig gestaltete sich die Anlieferung des wissenschaftlichen Geräts, das in der Beschleunigeranlage „Fair“ (Facility for Antiproton and Ion Research) zum Einsatz kommen soll.

Eine Woche hatte die Reise des Magneten von Frankreich nach Darmstadt gedauert, wie die Gesellschaft für Schwerionenforschung mitteilt. Im Nuklaer-Forschungszentrum CEA bei Paris war der Magnet in jahrelanger Arbeit von rund 50 Ingenieuren und Wissenschaftlern als Gemeinschaftsprojekt mit der GSI entwickelt und gebaut worden. Die Kosten: rund 13 Millionen Euro. „Schon der Transport per Schwerlastwagen war eine Herausforderung“, sagt GSI-Pressesprecher Ingo Peter.

Einsatzfähig ist der Magnet aber noch lange nicht. Zunächst wird er für erste Untersuchungen in der großen Halle der GSI „geparkt“, so Peters. Platz gebe es da genug, auch wenn es natürlich Ziel sei, das Gerät so schnell wie möglich in die Experimentierhalle zu bringen. Bis er dort aber vollständig angeschlossen und in den Experimentaufbau eingebaut sei, in dem er zunächst zum Einsatz kommen soll, würden wohl einige Monate vergehen.

Später wird der Magnet dann noch einmal umziehen müssen. Denn der eigentliche Bestimmungsort ist der Teilchenbeschleuniger „Fair“. Der extrem leitfähige Magnet mit Namen „Glad“ (GSI Large Acceptance Dipole) wird dort Teil des sogenannten R3B-Experiments, mit dem die Prozesse erforscht werden sollen, die für die Entstehung von Elementen in Sternenexplosionen verantwortlich sind.

Der Magnet wird dafür sorgen, dass der Strahl der Teilchen, die bei den in der Anlage produzierten Reaktionen entsteht, aufgefächert wird. So können die unterschiedlichen Teilchen voneinander getrennt und einzeln vermessen werden.

Wichtig für diese Aufgabe ist, dass „Glad“ keine Eisenspule enthält. „Daran würden die Teilchen abprallen“, erklärt Peters. Stattdessen fließen große Mengen Strom durch den Elektromagneten und geben ihm seine Funktion. Der Verzicht auf Eisen hatte beim Transport aber auch einen praktischen Vorteil: „Für uns klingen 60 Tonnen unglaublich schwer. Mit einem Eisenkern würde der Magnet aber gut 800 Tonnen auf die Waage bringen.“ (ers)

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