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Darmstadt Schrille Truppe, ernste Botschaft

Christopher Street Day prangert Diskriminierung Homosexueller an.

17.08.2014 18:11
Rund 250 Teilnehmer waren beim Christopher Street Day in Darmstadt dabei. Foto: andré hirtz

Zum vierten Mal hat der Verein Vielbunt einen Christopher Street Day in Darmstadt veranstaltet. Seine Vorgeschichte: Am 28. Juni 1969 setzten sich Schwule und Lesben im Stadtteil Greenwich Village in New York gegen rabiate Razzien der Polizei zur Wehr. Daraus wurde eine weltweite Bewegung.

Eskortiert von der Polizei zogen am Samstag Abordnungen aus Darmstadt, Aschaffenburg, Frankfurt, Karlsruhe, Mainz und Wiesbaden mit lauter Musik durch die Innenstadt. Verstärkt wurde die Parade von den Studierendenvertretungen der Darmstädter Hochschulen, Radio Darmstadt, Theater Transit sowie Wagen der Linkspartei und Jusos. Vorneweg trippelten die „Frontrunners“, junge Athleten, die seit 2010 beim „queeren Lauftreff“ ihren „Schweinehund besiegen“ und dies auch auf ihren T-Shirts kundtun. Das Tempo der Parade war diesen topfitten Joggern sichtlich zu langsam.

Öffnung des Hochzeitsturms gefordert

Viele Passanten hielten die Parade für einen Fastnachtszug, der sich in der Saison geirrt hat. Allerdings erstarrten auch manche Gesichter angesichts der offenen Bekenntnisse zur Homosexualität. Andere schmunzelten, winkten Bekannten in Umzug zu oder tanzten im Rhythmus der Musik am Straßenrand.

Das Motto dieses vierten Christopher Street Days in Darmstadt lautete „Ich habe nichts gegen die, aber ...“. Diesen Halbsatz sollte jeder Zuschauer für sich selbst beenden. Ein schwuler Vater outete sich mit einem Schild, eine Gruppe forderte die Öffnung des Hochzeitsturms für schwule Ehewillige. Eine Doppelgängerin von Conchita Wurst verteilte bärtige Küsschen. „Toleranz ist kein Märchen aus 1001 Nacht“, behauptete ein Turbanträger, dem Männer und Frauen in Kostümen arabischer Märchenfiguren folgten.

Die etwa 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten nach ihrer Innenstadt-Runde vor dem Regierungspräsidium Halt. Dort prangerte Jan Rothermel bei einer kurzen Kundgebung die versteckte oder offene Diskriminierung von Schwulen, Lesben und Transsexuellen an. „Wir sind sichtbar und laut“, sagte er unter Beifall. Konstantin aus Russland erzählte, dass Homosexualität in seiner Heimat totgeschwiegen werde. Dies ließen sich aber immer mehr Schwule nicht mehr gefallen. Verfolgt von Staat und Gesellschaft, suchten sie Asyl. Einige müssten in unwürdigen Verhältnissen in Wohnheimen leben.

Wie das zu ändern ist, wusste die nächste Rednerin, das „schwule Fräulein“ Rosa Opossum: Wer Single sei, solle einen Asylbewerber heiraten, schlug die Drag Queen vor. Ihr Wunschtraum ist eine Welt ohne Diskriminierung, in der Familien nicht ihre homosexuellen Kinder verstoßen, Schwule und Lesben nicht am Arbeitsplatz schlecht behandelt werden und es den Behörden egal ist, ob Adoptionseltern Hetero- oder Homo-Paare sind. (pyp)

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