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Darmstadt Rätselhaft, aber schön

Ungewöhnliche Gärten in Darmstadt: Henry Nold lädt Besucher in seine geheimnisvolle Wildnis ein.

14.07.2010 12:17

Ermutigt vom Schild "Today, welcome in our Garden", trauen sich Mathildenhöhe-Touristen in die geheimnisvolle Wildnis von Henry Nolds Garten im Prinz-Christians-Weg 13. Kaum hat das Architektenehepaar aus Paderborn den Eierweg betreten, läuft ihnen der gertenschlanke Hausherr über den Weg, barfuß übrigens, und hat gerade Lust, ihnen seine Villa zu zeigen.

"Sind Sie Künstler?" versucht sich der von so viel überwältigender Gastfreundschaft irritierte Ehemann im Beruferaten. Denn Henry Nold (44), Erbe des 1995 verstorbenen Darmstädter Kohlenhändlers und Großaktionärs Erich Nold, hat die Attitüde eines Menschen, der sich in einem eigenen Kosmos bewegt. Nein, antwortet dieser mit philosophischer Gelassenheit.

Frühstück am Nachmittag

Es ist bereits Nachmittag, als Nold sein Frühstück einnimmt: Feldsalat mit Apfel, zu Mus püriert. Er sucht sich eine der vielen Lese- und Ausruh-Ecken seines unüberschaubaren, zum Versteckspielen verlockenden Gartens und lässt sich überraschen. Nähert sich jemand über den mit Rindenmulch ausgelegten Dschungelpfad? Oder über den Eierweg mit den 108 eierförmigen Trittsteinen? In Asien ist die 108 eine heilige Zahl, aber das hat Nold erst viel später herausgefunden.

Seit er seinen 1600 Quadratmeter großen Privatgarten, genannt "The Vortex Garden" (Synonym für Wirbel in der Strömungslehre), vor einem Jahr für Besucher öffnete, erlebte er viele inspirierende Begegnungen. Kinder dürfen auf seinen Trampolinen Luftsprünge machen.

Henry Nold fühlt sich dem Geist der Mathildenhöhe, der Lebensreform, der "Schule der Weisheit", der Permakultur und den Idealen von Großherzog Ernst Ludwig verbunden.

Als er den Garten vor zehn Jahren das erste Mal sah, wirkte der auf ihn wie ein Friedhof: dunkle Eiben, ein Ungetüm von Garage, keine Tiere. Er aber wollte Leben um sich haben: Vögel, Igel, Insekten, Fledermäuse, Libellen, Frösche. "Ich habe einen Pflanztrieb", erklärt der unverheiratete, kinderlose Erbe. Vielleicht sind die Pflanzen eine Art Ersatz für die ihm fehlende Familie. Seine 1921 erbaute eckige, männliche Villa sollte durch weibliche runde Gartenformen in Balance gebracht werden.

Es plätschert allüberall

Zudem plätschert es allüberall: Wasser wird verwirbelt, verquirlt, dynamisiert. Am Wasserspiel "Sevenfold" , made in England, erfreue sich auch Prinz Charles, erzählt Nold. Inmitten einer "Etepetete-Nachbarschaft" lässt er die Natur davongaloppieren, bietet Brennnesseln, Disteln und Wildkräutern Freiraum und kombiniert diese halbgeordnete Wildnis mit Kunst voller Chiffren. Auf Schritt und Tritt begegnet man Kornkreiszeichen.

Auch die Ei-Form wiederholt sich in Variationen. Die von Uschi Weygandt gestalteten Keramik-Hühner haben nur den Zweck, Spaß zu machen. Es gibt keine Sichtachsen, keine Buchsbaumbubiköpfe. Dafür aber Obstbäume, Teiche, ein Bienenhaus und ein Insektenhotel. "Rätselhaft, aber schön", so wünscht es sich der Hausherr, sollen Besucher seinen Garten empfinden. (pyp) <b>Fotos und Informationen über "The Vortex Garden" sind im Internet zu finden unter www.mathildenhoehe.org. </b>

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