Lade Inhalte...

Darmstadt Netzwerker im Namen der Kirche

Oberkirchenrat Franz Grubauer leitet die Evangelische Stadtakademie in Darmstadt.

Franz Grubauer
In der Landeskirchenverwaltung am Paulusplatz arbeitet Franz Grubauer als Referent für Statistik und Sozialforschung. Foto: Rolf Oeser

Zwei zentrale zivilgesellschaftliche Themen sind es, die Franz Grubauer umtreiben: zum einen der demografische Wandel und zum anderen, wie soziale Gruppen miteinander ins Gespräch kommen können. Für beide Themen hat der 63-jährige Soziologe jeweils ein Betätigungsfeld in Darmstadt gefunden.

Als Referent für Statistik und Sozialforschung beschäftigt sich der Oberkirchenrat hauptberuflich in der Verwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) damit, wie sich die Gemeinden der Landeskirche aus statistischer Sicht entwickeln und verändern. Wenn es um dieses auf den ersten Blick recht spröde anmutende Thema geht, ist Grubauer ein gefragter Mann. So wurde er vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in den wissenschaftlichen Beirat der fünften Kirchenmitgliedschaftserhebung berufen.

Das Ergebnis dieser Untersuchung liegt auch auf Grubauers Besuchertisch in seinem Büro im Altbaus der Kirchenverwaltung am Paulusplatz aus. Der mehr als 540 Seiten umfassende Wälzer, den der EKD-Vorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung vor zwei Jahren herausgegeben haben, trägt den Titel „Vernetzte Vielfalt – Kirche angesichts von Individualisierung und Säkularisierung“. Grubauer hat als Autor die Kapitel zu den Themen „Religion und Kirche in personaler Kommunikation“, „Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung in regionaler und sozial-räumlicher Perspektive“ sowie zum Thema „Gemeinde in netzwerkanalytischer Perspektive“ beigesteuert.

Aber auch als Leiter der Evangelischen Stadtakademie Darmstadt ist der hoch aufgewachsene Oberkirchenrat als engagierter Netzwerker im Namen der Kirche im Einsatz. Im Oktober 2015 übernahm Grubauer von Pfarrer Wolfgang Lück die Verantwortung für die Programmgestaltung der Stadtakademie, die 1946 als „Arbeitskreis der Evangelischen Akademie“ von Rudolf Wintermann, dem früheren Pfarrer der Pauluskirchengemeinde, gegründet worden war. Als ehemaliger langjähriger Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland war Grubauer für den ehrenamtlichen Posten geradezu prädestiniert.

Grubauer, der auch Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie der Technischen Universität Darmstadt war, hat in den vergangenen anderthalb Jahren an Lücks thematisches Verständnis der Akademiearbeit angeknüpft und inzwischen auch eigene Akzente gesetzt. Er versteht die Akadamiearbeit als „Ort des offenen Dialogs und des Diskurses“. Seine Intention ist es, noch mehr gesellschaftliche Gruppen und Akteure anzusprechen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Die Vorträge und Referate sind nicht elitär, sollen aber eine Zumutung zum Mit- und Weiterdenken sein“, sagt Grubauer.

Bis Mitte März wird sich, wie angekündigt, der zweite „Philosophisch-theologische Salon“ den „Zukunftsaussichten und existenziellen Fragen an unser Wirtschaftssystem“ widmen. So wird sich der Tübinger Soziologieprofessor Christoph Deutschmann am Dienstag, 28. Februar, von 18.30 Uhr an im „Offenen Haus“, Rheinstraße 31, mit dem „Geist des Kapitalismus“ und „Szenarien zwischen Fortschrittsglauben und Wachstumszwang“ beschäftigen.

Gerne würde Grubauer auch die Idee eines deutsch-russischen Dialogforums voranbringen. „Nur wenige andere Städte in Deutschland sind symbolisch bis heute mit der alten russischen Geschichte ähnlich stark verbunden wie Darmstadt“, sagt er. Die russische Kapelle auf der Mathildenhöhe sei dafür „ein besonders markantes Symbol in der Stadt, aber nicht das einzige“, sagt der Kirchenmann. Die aktuelle Konfliktlage mit Russland kann aus seiner Sicht „ein motivierender Anlass sein, Dialoge aufzunehmen, die weitere Verfeindungen zumindest vermindern helfen“. Auf die Frage, ob ein solches gemeinsames Projekt zwischen verschiedenen Akteuren in der Stadt und nicht zuletzt von Kirchen und Religionsgemeinschaften gelingen könne, antwortet Grubauer: „Es ist einen Versuch wert.“

Infos zur Stadtakademie Darmstadt: www.evangelisches-darmstadt.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum