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Darmstadt Natur mitten in der Stadt

Der „Garten der Vielfalt“ ist ein grünes Kleinod: In der Klause am Hauptbahnhof wird Ökologie gelebt.

Küchenkräuterwand
Küchenkräuterwand: Hier wird klar, warum der Garten der Vielfalt so heißt, rechts Adrian Jost. Foto: Michael Schick

Zwischen Hauptbahnhofgewimmel, ratternden Straßenbahnen und dem Autoverkehr auf der nahen Rheinstraße liegt hinter Mauern und Säulen ein grünes Kleinod versteckt. Gestreifte Pflaume, Blaue Wildtomate oder Old German gehören zu den 30 verschiedene Tomatensorten, die hier wachsen. Daneben gedeihen Feigen, Basilikum und andere Kräuter in Töpfen, Kübeln und Hochbeeten; an einem Spalier wuchert Hopfen. „Pflück mich“, steht auf einem Schild. Im „Garten der Vielfalt“, den die Initiative Essbares Darmstadt vor zwei Jahren in der Klause am Hauptbahnhof angelegt hat, kann und darf jeder alles essen.

In den Biergarten (geöffnet Montag bis Samstag ab 17 Uhr), darf man Essen mitbringen oder es auch vor Ort zubereiten. Nur die Getränke kosten etwas. An einer Wand wachsen in Blumentöpfen verschiedene Salate, die man sich pflücken und probieren darf. Essig, Öl und Gewürze stehen kostenlos bereit, in einem Schrank gibt es Geschirr. Davor steht ein Grill, an dem sieben Personen gleichzeitig grillen können. „Hier treffen sich die unterschiedlichsten Leute“, sagt Adrian Jost von der Initiative. „Kürzlich hat jemand Kaktus gegrillt.“

Sind die rund 80 Sitzplätze an den Tischen besetzt, liegen Picknickdecken bereit, die man auf der Grasfläche ausbreiten kann. „Wir versuchen, Menschen für Ökologie zu begeistern“, sagt Jost. Die Klause, die gleichzeitig Standort der Initiative ist, macht ihre Idee erlebbar. Hier werden auch Pflanzen angezogen, getauscht und geteilt – und dies kostenfrei. In der Mitte befindet sich die Pflanzentauschstation, an der ausgemusterte Pflänzchen aus Supermärkten aufgepäppelt und verschenkt werden. Auch am Saatgutschrank darf sich jeder bedienen oder selbst Körner hinterlassen. Einzige Einschränkungen: Die Samen dürfen keine Gentechnik enthalten und nur privat genutzt werden.

Ziel der Initiative ist es, möglichst viele grüne Inseln in der Stadt zu schaffen und die biologische Artenvielfalt zu fördern. Essbare Gärten könnten auch auf Fensterbänke entstehen, sagt Mitstreiterin Anna Arnold.

Ein neues Projekt der Initiative sieht vor, die Gärten über Lernpfade zu vernetzen. Auf diesen sollen QR-Codes über die Pflanzen und deren Bedeutung, etwa für das Stadtklima, informieren. „Essbar bedeutet nicht nur essbar für Menschen“, sagt Arnold, „sondern auch für Tiere.“ Die ersten Wege sollen um die Klause herum entstehen und bis zu den von der Stadt veranstalteten Klima- und Umweltaktionstagen vom 6. bis 9. September nutzbar sein. Weitere sollen zunächst in Kranichstein – „einem Hotspot essbarer Gärten“ – entstehen, kündigt Arnold an. Man stehe mit der Stadt im Dialog und versuche derzeit auch, mit der Technischen Universität in Kontakt zu kommen, um intelligente Beete zu bauen, die automatisch bewässert werden. Denn jede Anpflanzung muss gepflegt und gegossen werden. Das machen die Aktiven der Gruppe ehrenamtlich. Auf Facebook habe die Gruppe etwa 800 Mitglieder, berichtet Jost.

„Die Initiative hat bereits viele gute Anregungen gemacht“, sagt Umweltdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne). Bei den öffentlichen Grünflächen gebe es allerdings noch großen Nachholbedarf. So soll etwa gegenüber auf dem Rasen am Europaplatz demnächst ein Blühstreifen für Insekten entstehen. „Die Artenvielfalt muss in die Amtsstruktur Eingang finden“, sagt die Stadträtin. Wo es grün sei, sei es kühler. Das zeige auch das Mobile Grüne Zimmer, mit dem die Stadt für mehr Bewuchs wirbt und das zuletzt in der Fußgängerzone als kühle Oase diente. Und eine Verbesserung des städtischen Klimas ist dringend nötig: Erst vor zehn Tagen war Darmstadt mit 37,2 Grad heißeste Stadt Deutschlands.

Weiter Informationen unter  darmstadt.de/leben-in-darmstadt/klimaschutz oder  www.essbaresdarmstadt.de

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