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Darmstadt Mit Rosalinde Rosen und Gräber entdecken

Marika Meißner führt mit Humor über die Parkanlage Rosenhöhe auf den Spuren des Großherzogs Ludwig II.

Führung über die Rosenhöhe
?Gärtnerin Rosalinde? führt die Besucher zum Rosendom. Foto: Frank Sommer

Als „niesende Igel“ würde mancher Darmstädter den König der Tiere verspottet – zumindest die Exemplare, die auf den Säulen am Eingang zur Parkanlage Rosenhöhe stehen. Schon beim Beginn der Führung weiß Gästeführerin Marika Meißner die Lacher auf ihrer Seite, als „Gärtnerin Rosalinde“ führt sie vom besagten Löwentor aus über die Rosenhöhe.

Fast 25 Besucher sind es am Sonntag, die mit ihr auf Entdeckungstour gehen. Im Gegensatz zu den Touren über die Mathildenhöhe, durch Bessungen oder quer durch die Innenstadt gibt es hier auch für manchen Darmstädter noch Unbekanntes zu entdecken oder dazuzulernen. Und so wissen die Besucher am Ende auch, dass Rosen entgegen der allgemeinen Annahme keine Dornen, sondern Stacheln haben. „Dornen werden aus dem Kern heraus gebildet“, sagt Meißner, „bei Rosen sind es daher Stacheln“. Deshalb müsste das bekannte Grimmsche Märchen botanisch korrekt eigentlich „Stachelröschen“ heißen, wie sie schmunzelnd hinzufügt.

Unter Wilhelmine von Baden, der Frau des Großherzogs Ludwig II. ist aus dem ehemaligen Weinberg im Osten der Stadt ein Landschaftspark geworden. Seine heutige Form erhielt der Park unter Großherzog Ernst Ludwig ab der Jahrhundertwende. „Der Großherzog baute nicht nur den Rosengarten, sondern ließ hier im Landschaftspark auch Mausoleen und Grabstätten für die Familie errichten“, sagt Meißner.

Und hat als „Rosalinde“ natürlich auch allerlei Klatsch über die großherzogliche Familie für die Besucher parat. Etwa dass sich hartnäckig das Gerücht halte, Ernst Ludwigs Tochter aus erster Ehe, Elisabeth, sei 1903 vergiftet worden – ein Giftanschlag auf einer Jagd, der eigentlich dem russischen Zaren, der in Darmstadt bei seinen Verwandten zu Besuch war, gegolten hätte. „Belegen lässt sich das aber nicht“, sagt Meißner.

Als „Gärtnerin“ weist Meißner auf die botanischen Besonderheiten des Parks hin, etwa die großen amerikanischen Mammutbäume oder den Tulpenbaum mit seinen ungewöhnlichen Blüten. Auch bei den Brennnesseln im Park wird Halt gemacht. „Das ist kein Unkraut, sondern ein nützliches Gewächs, besondern für Rosengärten“, sagt sie. Allerdings sei der Geruch der für Rosen so wichtigen Brennnesseljauche gewöhnungsbedürftig, räumt sie ein.

Dann geht es zum Rosarium, einem terrassenförmig angelegten Rosenpark mit dem Rosendom. Die Rosenkuppel müsse noch nachwachsen, erst 2009 wurde die Kuppel mit Spenden des Rotary-Clubs erneuert. „Außerdem gibt es viele ehrenamtliche Helfer vom Förderverein Rosenhöhe, die hier jäten und sich um die Pflanzen kümmern“, sagt Meißner.

Neben verschiedenen Rosensorten gibt es auch Tiere wie Libellen oder Frösche an den Seerosenteichen zu entdecken. „Ich lerne bei jeder Führung selbst immer wieder etwas dazu“, sagt Meißner und lacht. Zum Abschluss geht es in den Kräutergarten. „Leider haben einige Besucher nur Augen für die Rosen“, sagt sie. Den Winterschachtelhalm etwa, der üppig wuchert, wenn er nicht in einem Topf gepflanzt wird. Oder Mutterkraut, ein Verhütungsmittel von „anno dazumal“. „Schauen Sie nicht nur auf die Rosen, es gibt auf der Rosenhöhe mehr zu entdecken, rät Meißner den Besuchern.

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