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Darmstadt „Mangelnde Abgrenzung zum Islamismus“

Nach der Religiösen Naturschutzwoche gibt es Kritik an den teilnehmenden muslimischen Organisationen.

Sie haben Nistkästen mit dem Nabu gebaut, einen Baum vor einer Moschee gepflanzt und die Bedeutung des Wassers im Judentum erörtert: Gerade ist in Darmstadt die vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Religiöse Naturschutzwoche des Abrahamischen Forums in Deutschland zu Ende gegangen. Jetzt gibt es Kritik an den beteiligten muslimischen Organisationen. Der Verfasser eines offenen Briefes, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, wirft den Organisatoren „mangelnde Abgrenzung gegenüber islamistisch-fundamentalistischem Gedankengut mit Verbindungen zu terroristischen Gemeinschaften“ vor. Es stelle sich „grundsätzliche die Frage, mit wem Sie sich im Zusammenhang von Umweltprojekten zusammentun“. Genannt wird etwa die muslimische Umweltschutzorganisation Nour-Energy. Vergangenes Jahr wurde ihr vom Darmstädter Energieversorger Entega ein Umweltpreis aberkannt, weil der Verein laut Recherchen des Senders HR-Info Verbindungen zur militanten Muslimbruderschaft haben soll. Nour-Energy streitet dies ab, erteilt weiteren Medienanfragen aber eine Absage auf der Homepage. Die Al-Rahma-Moschee in der Rheinstraße, die in Zusammenarbeit mit dem Bilal-Zentrum während der Naturschutzwoche ein Projekt vorstellte, das Moscheen grüner und nachhaltiger machen soll, wurde nach Aussagen des hessischen Verfassungsschutzes von 2015 zumindest damals als „islamistisch beeinflusst und damit als verfassungsfeindlich eingestuft“. Die Matthäusgemeinde kooperierte im Rahmen der Woche mit dem Verein Islamische Informations- & Serviceleistungen (IIS) aus Frankfurt. Auch ihm haftet laut Medienberichten und Blogeinträgen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz an.

Konfrontiert mit den Vorwürfen, zeigt sich der Geschäftsführer des Abrahamischen Forums, Jürgen Micksch, entspannt. „Mit solchen Gruppierungen habe ich schon immer zusammengearbeitet“, sagt der Theologe und Initiator verschiedener interreligiöser Initiativen. Er sei in einem Arbeitskreis aktiv, der sich dafür einsetze, dass Organisationen aus der Beobachtung durch den Verfassungsschutz herausgenommen werden. Bei der islamischen Gemeinschaft Millî Görüs sei dies teilweise gelungen. Auch in diesen Organisationen gebe es Veränderung, und problematische Leute finde man auch in christlichen Kirchen. Problematisch sei, dass durch solche „Gerüchte, die ständig ausgebreitet werden“, der Eindruck entstehe, 90 Prozent der Muslime seien Islamisten. „Für das Miteinander ist das katastrophal.“

Auch beim Mitveranstalter, dem Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche, geht man von „haltlosen“ Vorwürfen aus. „Was uns leitet, ist hoch ehrenhaft und verantwortungsvoll“, sagt Umweltpfarrer Hubert Meisinger der FR.

Vergangenes Jahr, bei der ersten Naturschutzwoche in Darmstadt mit denselben Beteiligten, habe es keine negativen Reaktionen gegeben, sagt Andreas Schwöbel, Pfarrer der evangelischen Matthäusgemeinde. Persönliche Erfahrungen seien wichtig. Den Imam der IIS etwa habe er als sehr offenen Menschen erlebt, der sich für die unterschiedlichsten Themen engagiere.

Inwiefern die Islamismusvorwürfe zutreffen, ist derzeit offen. Eine entsprechende Anfrage der FR beim Landesamt für Verfassungsschutz konnte bis Redaktionsschluss nicht beantwortet werden. Eine Debatte hat der Briefschreiber auf jeden Fall ausgelöst. Die Organisatoren überlegen laut Pfarrer Schwöbel derzeit, wie man die Öffentlichkeit besser über muslimische Organisationen informieren kann, um die Integration zu fördern.

Die Religiöse Naturschutzwoche fand dieses Jahr bundesweit mit insgesamt 50 Veranstaltungen in Osnabrück, Bremen, Köln und Darmstadt statt.

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