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Darmstadt Jonglage mit dem Hammer

Die Offene Bühne in Darmstadt zeigt erstmals Musik, Tanz und Artistik von Künstlern mit und ohne Behinderung.

Offene Bühne Darmstadt
Die Mitglieder der Offenen Bühne Darmstadt. Foto: Michael Schick

In der Werkstatt jonglierte er immer mit mehreren Hämmern. Dennis Brückner, 29 Jahre, fiel damit einem Betreuer in der Heydenmühle in Otzberg (Kreis Darmstadt-Dieburg) auf. „Ich fragte mich, gibt es noch mehr Menschen mit Behinderung mit solch verborgenen Talenten?“, erzählt Mitarbeiter Helmut Thomas. „Und wenn ja, wie könnte man ihnen eine Bühne bieten?“ Mit seiner Idee wandte sich Thomas an den Paritätischen Wohlfahrtsverband. Der Dachverband der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen ist schon seit 21 Jahren Träger der Ausstellung „BehindART“, die derzeit noch bis 17. August im Kongresszentrum Darmstadtium zu sehen ist. Hier zeigen Menschen mit und ohne Handicap ihre Bilder.

Jetzt wird diese Form auf die darstellende Kunst ausgeweitet. „Offene Bühne Darmstadt“ heißt das neue Format, das am kommenden Donnerstag seine Premiere in der Klause am Hauptbahnhof feiert. „Es ist eine Fortführung der Begegnungsräume von Menschen mit und ohne Behinderung“, sagt Margit Balß, Leiterin der Darmstädter Regionalgeschäftsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Mitmachen kann jeder, auch spontan könnten sich noch Teilnehmer melden, so die Organisatoren. Mit im Boot sind der Caritasverband, die Behindertenseelsorge des Evangelischen Dekanats Darmstadt und die Stadt Darmstadt. 

Bühne unter freiem Himmel in Biergarten

Geplant ist, dass jeder Künstler zwischen fünf und fünfzehn Minuten auftritt. Schauplatz wird eine Bühne unter freiem Himmel in einem Biergarten sein, den die Initiative „Essbares Darmstadt“ betreibt. Die Veranstaltung ist laut Stadträtin Barbara Akdeniz (Grüne) „der nächste Schritt zur inklusiven Stadt“. Interessant sei, dass es sich um Inklusion handele, ohne dass Inklusion daraufstehe. Laut Balß hat man bei dieser Veranstaltung bewusst darauf verzichtet, Inklusion daraufzuschreiben, um Behinderung nicht in den Vordergrund zu stellen. „Wir sind da schon einen Schritt weiter“, so Balß.

Für viele Künstler wird es das erste Mal sein, dass sie in der Öffentlichkeit auftreten. Zum Beispiel für Arik Paganini: Der 17-Jährige tanzt seit vier Jahren Hip-Hop, auch bei Blau-Gold Casino Darmstadt, wo er der einzige junge Mann und der einzige mit Handicap ist. Bislang zeigte er seine „Freestyle“-Choreographien jedoch nur im vertrauten heimischen Wohnzimmer. Gerade hat er seinen Abschluss auf der Förderschule gemacht und wird im September im Berufsbildungswerk einsteigen. „Auch für uns wird es eine aufregende neue Erfahrung“, sagt Elisabeth Rank-Kuhn vom Caritasverband Darmstadt. „Wir treten sonst nicht öffentlich auf, sondern singen bei unseren eigenen Festen“, so die Kursleiterin des Chors vom Gemeindepsychiatrischen Zentrum in Reinheim. 10 bis 15 Klienten und Mitarbeiter nehmen in wechselnder Besetzung an den Singstunden teil. Neben solchen Newcomern sind aber auch Profis dabei, wie Dennis Brückner, der nicht nur mit Hämmern wirft, sondern auch Bälle, Keulen und das Diabolo beherrscht und bereits an vielen Jonglier-Convents teilnahm.

Bei Erfolg ist eine Fortsetzung geplant. „Vielleicht wird ein Format wie die ‚BehindART‘ daraus“, hofft Ute Laucks, städtische Koordinatorin für inklusive Projekte.

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