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Darmstadt Jedes Rad ein Unikat

Zwei Darmstädter TU-Absolventen entwickeln ein Fahrrad aus Bambusrohr.

22.08.2016 19:16
Auf Bambus-Rahmen sind die beiden Darmstädter Milan Henckes (links) und Lorenz Becker unterwegs. Foto: Andreas Kelm

Die beiden TU-Absolventen Lorenz Becker und Milan Henckes bezeichnen sich selbst als Fahrradenthusiasten. Zusammen mit Henckes Vater Christian haben die beiden eine Firma gegründet. Das Produkt: ein ganz besonderes Fahrrad.

Wenn Lorenz Becker und Milan Henckes auf ihren Rädern durch die Stadt fahren, ziehen sie die Blicke auf sich. Denn ihre Fahrräder sind außergewöhnlich: Die Rahmen sind nicht aus Stahl oder Aluminium, sondern aus Bambus gefertigt. Seit Mai verkaufen Becker und Henckes ihre „Stark Bamboo Bikes“ im Internet.

Die Idee für das kleine Unternehmen hatten die beiden TU-Absolventen im vergangenen Herbst – dank Milan Henckes‘ Vater Christian. Der Agraringenieur ist Entwicklungshelfer und arbeitet seit zwei Jahren in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. Dort ist der 55-Jährige in einem Laden auf die Bambusräder von „Mekong+“ aufmerksam geworden. In dem Projekt der Nichtregierungsorganisation werden unter anderem Fahrräder hergestellt – aus dem in Vietnam allgegenwärtigen Rohstoff Bambus. Der Rahmen wird in Handarbeit aus dem Holz gebaut, anschließend werden Räder, Lenker und restliche Teile montiert.

45 Fahrradrahmen waren Anfang des Jahres auf einem Containerschiff unterwegs Richtung Deutschland. „Wir wollten daraus unser eigenes Rad bauen“, sagt Milan Henckes. An die Tücken, die ein solcher Import mit sich bringt, hatten die beiden Gründer vorher nicht gedacht. „Die Rahmen sind ein Naturprodukt, weshalb der gesamte Container vor der Ausfuhr mit einem speziellen Gas behandelt werden musste“, berichtet der 25-jährige Milan Henckes.

„Außerdem musste jede Menge Papierkram erledigt werden – und wenn man das noch nie gemacht hat, ist das schon ziemlich kompliziert.“ Im Februar kam die Fracht in Darmstadt an – und wurde bei Lorenz Beckers Bruder im Martinsviertel eingelagert. Dort befindet sich auch die Werkstatt der Firma.

Wird ein Rad bestellt, montieren die beiden Wirtschaftsingenieure die restlichen Teile, die sie von einem europäischen Großhändler beziehen, selbst. Das Fahrrad gibt es in drei Ausführungen. Das Herz des Fahrrads, der Bambusrahmen, ist identisch. „Das sind echte Einzelstücke“, schwärmt der 27-jährige Becker, „denn jedes Rohr ist anders“.

Bisher sind rund 15 Räder verkauft worden, hinzu kommen einzelne Rahmen, die an Bastler gingen. Das Grundmodell kostet ab 890 Euro, die Modelle Urban und Track sind etwas teurer. „Unser Rad ist eben etwas für Individualisten“, meint der gebürtige Wiesbadener.

Milan Henckes ergänzt: „Ohne jetzt unambitioniert klingen zu wollen: Wirtschaftliche Ziele oder einen Fünf-Jahres-Plan haben wir nicht.“ Wichtig sei ihnen „der Spaß am Projekt.“ (eda)

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