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Darmstadt Im Zentrum für Datensicherheit

Hessens Ministerpräsident und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka eröffnen am Freitag ein Forschungszentrum für IT-Sicherheit in Darmstadt. Wissenschaftler suchen Wege, wie digitale Daten und Netzwerke vor Angriffen geschützt werden können.

17.11.2015 17:36
Die Sicherheit im Internet soll ein neues Fachkompetenzzentrum verbessern. Foto: Guido Schiek

Hohe politische Prominenz hat sich angekündigt: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka kommen am Freitag zur Eröffnung eines Forschungszentrums für IT-Sicherheit nach Darmstadt.

Der Bundestag war im Sommer Ziel eines digitalen Angriffs. Unbekannte hackten sich ins Computernetz der Volksvertretung. Der Mailverkehr der Parlamentarier wohl auch sicherheitspolitische Details waren „für Monate ein offenes Buch für die Angreifer“, fasst der „Chaos Computer Club“ die Auswirkungen zusammen. Als mögliche Urheber gelten russische Geheimdienste. Die Ermittlungen dauern an.

„Sicherheit in der Informationstechnologie ist ein Zukunftsthema, das darüber entscheidet, ob eine Industrienation Erfolg hat oder scheitert“: So fasste Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein schon vor der Attacke auf den Bundestag die Bedeutung des Forschungsgebiets zusammen. Anlass war die Eröffnung des Neubaus für das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT).

Neubau am Kantplatz

Das siebenstöckige Haus an der Rheinstraße ist seither baulicher Ausdruck der Rolle Darmstadts als deutsche Hauptstadt der Forschung zur IT-Sicherheit – neuerdings wird bevorzugt von Cybersicherheit gesprochen. 2017 gibt es eine Ergänzung: Die TU Darmstadt will für ihre in der Sicherheitsforschung tätigen Informatiker am Kantplatz einen Neubau errichten.

Auch Wissenschaftler der Hochschule Darmstadt (HDA) und des Fraunhofer-Instituts für Grafische Datenverarbeitung (IGD) forschen zur Cybersicherheit. Unterschiedlichen Aspekten des Themas widmen sich die Institute „Cased“ und „EC-Spride“ (mehr auf dieser Seite). Alles in allem befassen sich in Darmstadt mehr als 400 Forscher aus 47 Ländern mit dem Fachgebiet, „das einen Nährwert für die Bevölkerung darstellt“, so Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei einem Besuch in Darmstadt.

Um die Übersichtlichkeit und Sichtbarkeit zu verbessern, sollen die Aktivitäten nun besser vernetzt und unter einem gemeinsamen Dach zusammengefasst werden. Das neue Kompetenzzentrum für Cybersicherheitsforschung wird am Freitag feierlich eröffnet.
„Wir nehmen das, was wir schon haben, und transferieren es in das neue Zentrum“: So beschreibt Michael Waidner die anstehende Umstrukturierung. Der SIT-Leiter wird künftig zugleich Sprecher des Zentrums sein. „Cased“ und „EC-Spride“, beide mit zeitlich befristeter Förderung finanziert und bislang in gemieteten Räumen an der Mornewegstraße ansässig, gehen in der neuen Einrichtung auf. Ein eigenes Gebäude wird sie allerdings nicht beziehen. „Es gibt dann eine gemeinsame Strategie und gemeinsame Projekte“, erklärt Waidner.

Auch der Forschungsschwerpunkt wird neu justiert. „Das Thema heißt Security At Large also die Anwendung auf große Systeme in der realen Welt. Im Vordergrund stehen nicht mehr Detaillösungen – keine einzelnen Protokolle, sondern IT-Systeme sollen sicher gemacht werden.“

Das Bundesforschungsministerium, erläutert der SIT-Leiter, habe dem neuen Kompetenzzentrum zwei sogenannte Leuchtturmprojekte vorgegeben. Zum einen geht es um die Infrastruktur des Internets: Dessen Funktionsfähigkeit beruht auf unterschiedlichen sogenannten Protokollen, die über die Jahre zum heutigen Netzwerk zusammenwuchsen. „Diese ganzen Systeme sind recht leicht angreifbar“, sagt Waidner. „Ziel ist der graduelle Übergang zu einem sicheren Internet.“ Leuchtturm Nummer zwei ist die Absicherung von Internet-Anwendungen, die in der verbreiteten Sprache Javascript programmiert wurden.

Das Land Hessen fördert das neue Zentrum mit zwei Millionen Euro im Jahr, nachdem die „Loewe“-Förderung für „Cased“ Mitte 2016 ausgelaufen ist. Der Bund verdoppelt seine bisherige Finanzierung für „EC-Spride“ und überweist künftig vier Millionen Euro jährlich. Beide Zusagen gelten zunächst für vier Jahre. „Wir hoffen, dass es auf Dauer angelegt ist“, sagt der Zentrumssprecher. (bad)

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