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Darmstadt Haft auf Bewährung für Bücherdieb

Das Amtsgericht Korbach verhängt Strafbefehl gegen den Ex-Kommunalpolitiker Torsten Rossmann. Weil er für verhandlungsunfähig erklärt wurde, gab es keine mündliche Verhandlung.

30.06.2015 18:29
Stapelweise wertvolle Bücher fand die Polizei im Haus von Torsten Rossmann. Foto: picture alliance / dpa

Weil er wertvolle Bücher aus der Fürstlich-Waldeckschen Hofbibliothek in Bad Arolsen gestohlen hatte, ist der frühere Ministerialbeamte und SPD-Stadtverordnete Torsten Rossmann im nordhessischen Korbach zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Das Amtsgericht Korbach verhängte die Strafe über einen Strafbefehl und ohne mündliche Verhandlung, wie Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling am Dienstag mitteilte. Der Angeklagte wurde für neun Fälle besonders schweren Diebstahls zu elf Monaten Haft verurteilt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Zusätzlich wurde eine Geldauflage von 5000 Euro verhängt.

Zuvor habe ein medizinischer Sachverständiger die Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten festgestellt, erklärte Verteidiger Hans Georg Kaschel aus Darmstadt am Dienstag. Hinweise auf eine Erkrankung hatten sich bei Gesprächen Rossmanns mit einem psychiatrischen Gutachter ergeben. Rossmann habe den Strafbefehl akzeptiert, das Urteil sei damit rechtskräftig, sagte Kachel. „Ich denke, für seinen Genesungsprozess ist es das Beste, wenn das Verfahren abgeschlossen ist.“

Rossmann war Anfang 2012 auf frischer Tat ertappt worden, als er 53 wertvolle Bücher aus der Fürstlich-Waldeckschen Hofbibliothek im Residenzschloss Bad Arolsen schmuggeln wollte. Bei einer Durchsuchung seines Hauses in Eberstadt fand die Polizei nahezu jeden Winkel mit historischen Werken vollgestellt – insgesamt 23 500 Bände, deren Gesamtwert in die Millionen geht. Einen Großteil davon soll Rossmann aus Bibliotheken gestohlen haben.

Der 48 Jahre alte promovierte Geowissenschaftler stand zu jener Zeit in Diensten des Hessischen Wissenschaftsministeriums. Er wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe vom Dienst suspendiert. Auch sein Stadtverordnetenmandat legte Rossmann nieder.

Auf frischer Tat ertappt worden

Im Sommer 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Kassel Anklage beim Schöffengericht Korbach wegen neun Beutezügen in Bad Arolsen. Dabei habe Rossmann insgesamt 180 Bände von großer naturwissenschaftlicher oder kulturhistorischer Bedeutung mitgehen lassen. Gesamtwert: rund 150 000 Euro. Viele weitere Straftaten waren nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Kassel zu diesem Zeitpunkt bereits verjährt – was bei Diebstahl nach fünf Jahren der Fall ist.

Kaschel hatte sich nach eigenen Angaben bereits seit Längerem dafür eingesetzt, das Verfahren mit einem Strafbefehl ohne Hauptverhandlung zu beenden. Die Staatsanwaltschaft Kassel habe dies jedoch abgelehnt, solange die Verhandlungsunfähigkeit Rossmanns nicht gutachterlich festgestellt sei.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Schöffengericht Anklage erhoben, was darauf hindeutete, dass ein deutlich höheres Strafmaß angestrebt wurde. (bach/dpa)

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