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Darmstadt Gamedays Spielend lernen

Bei den Darmstädter Gamedays dreht sich alles um ernste Computerspiele. Sie sollen Menschen zum Lernen oder zu mehr Sport motivieren. Am Samstag, 5. April, ist Publikumstag.

Rallye-Teilnehmer können sich am Samstag im Karo 5 in Darmstadt anmelden. Foto: Katrin Binner / TU Darmstadt

Bei den Darmstädter Gamedays dreht sich alles um ernste Computerspiele. Sie sollen Menschen zum Lernen oder zu mehr Sport motivieren. Am Samstag, 5. April, ist Publikumstag.

Die Welt der Computerspiele ist groß: Von märchenhaften Abenteuerwelten über knallharte Ego-Shooter bis hin zum kniffligen Ratespiel kann man dort alles vorfinden. Zunehmend verlässt aber diese virtuelle Welt derzeit das heimische Wohnzimmer und macht sich in unserem Alltag breit. „Serious Games“ – also ernste Spiele – schicken sich beispielsweise an, Menschen zum Lernen oder zu mehr Sport zu motivieren.

Bei den Gamedays an der Technischen Universität (TU) Darmstadt dreht sich diese Woche alles ums Serious Gaming. Auf eine mehrere Tage andauernde internationale Fachkonferenz folgt am Samstag, 5. April, ein Publikumstag mit Workshops und einer Spiele-Rallye mit über 14 Stationen in Darmstadts Innenstadt und auf dem Universitätsgelände.

„Serious Games verbinden spielerische Ansätze mit anderen Konzepten wie zum Beispiel Pädagogik“, erläutert Stefan Göbel, Leiter der Gamedays und der Serious Games-Forschung am Multimedia Communications Lab der TU – einer Einrichtung des Fachbereichs Elektro- und Informationstechnik.

Für Bürgerbeteiligung geeignet

In einem besonders anschaulichen Spiel wird man sich am Samstag beispielsweise durch das virtuelle Darmstadt bewegen können. Nur wenn man dabei mathematische Aufgaben richtig löst, kommt man weiter. In einem der Workshops wird Eltern und Grundschullehrern gezeigt, wie man Lernspiele selbst mit Inhalten füllt.

Doch auch für gesellschaftliche Prozesse wie etwa Bürgerbeteiligung seien Serious Games bestens geeignet, so Göbel. Schließlich seien Spiele per se interaktiv. Konkret plane man in Darmstadt derzeit etwa, die Konversion alter Militärflächen zu Wohngebieten spielerisch zu begleiten. So sollen Jugendliche ihre Vorschläge für einen Skatepark selbst entwerfen, ins Internet stellen und dort darüber diskutieren.

„Bevor sich die Fachleute damit befassen, können so die Bürger bereits eigene Vorschläge erarbeiten“, so Göbel – und sie haben auch noch Spaß dabei. Auch im Tourismus oder im Gesundheitsbereich finden Serious Games bereits Anwendung.

Laut Göbel ist es derzeit ein Trend, bereits existierende Grafikprogramme von Computerspielen für andere Visualisierungszwecke zu nutzen. So kommt es beispielsweise dazu, dass das Gebäude-Modell eines Architekturbüros mittels der Software des Frankfurter Spiele-Entwicklers Crytek erstellt wurde. In Original diente das Programm noch dazu, ein mit Urwäldern überwuchertes New York der Zukunft darzustellen, in dem man mit Waffengewalt ums Überleben kämpft. Nun zeigt es in 3-D die Strukturen einer Hausfassade.

Eigenständige Forschungsdisziplin

Seit einigen Jahren existiert an der TU eine eigene Forschungsgruppe für Serious Games. Besonderer Wert wird dort auf die Vernetzung verschiedener Fachbereiche gelegt. „In der Gruppe finden sich nicht nur Informatiker und Mathematiker, sondern auch Bewegungswissenschaftler, Pädagogen oder Bauingenieure“, berichtet Heike Krebs vom Forum interdisziplinäre Forschung der TU. „Wir haben das angestoßen, jetzt muss das Kind laufen lernen“, sagt sie. Es laufe allerdings „schon ziemlich gut“. So werden in einem aktuellen Forschungsprojekt die Möglichkeiten und Grenzen von Serious Games in der Bioinformatik ausgelotet.

In seinem Grußwort für die Gamedays beruft sich Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) auf den Wissenschaftler Albert Einstein: „Das Spiel“, so ist dort zu lesen, sei „die höchste Form der Forschung“. Die Bedeutung der ernsten Spiele sei jedoch noch nicht bei allen Wissenschaftlern angekommen, bedauert Stefan Göbel.

Er hofft nun, dass die hochkarätig besetzte internationale Konferenz einen Beitrag dazu leistet, dass das Thema in der wissenschaftlichen Gemeinschaft auch „als eigenständige Forschungsdisziplin anerkannt wird“. In Darmstadt ist das bereits der Fall.

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