Lade Inhalte...

Darmstadt-Dieburg Geldwäsche in großem Stil

Zehn Personen sind wegen Geldwäsche vor Gericht. Neun Angeklagte wollen ein Geständnis ablegen.

23.01.2017 21:27

Wegen des Verdachts der Geldwäsche müssen sich seit Montag zehn Angeklagte vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Insgesamt sollen sie mit einem ausgeklügelten System fast fünf Millionen Euro aus dem Drogenhandel für einen Auftraggeber nach Deutschland geschmuggelt haben, um die Spur des Geldes zu verwischen.

Neun Angeklagte haben sich am Montag auf Anregung des Gerichts zu einer „verfahrensbeendenden Absprache“ bereiterklärt und wollen ein Geständnis ablegen. Im Gegenzug können die Angeklagten mit geringeren Haft- beziehungsweise Bewährungsstrafen rechnen, als bei einer Höchststrafe auf sie zukommen würde. Die höchste der zehn von der Anklage anvisierten Strafen liegt bei vier Jahren Gefängnis. Nur ein Angeklagter hat sich am Montag vorbehalten, über den Vorschlag noch einmal nachzudenken und seine Entscheidung später mitzuteilen.

Das Geld sei vor allem aus Spanien gekommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dabei habe es sich um Einnahmen aus Drogengeschäften mit Heroin gehandelt. Auftraggeber soll ein Mann gewesen sein, der sich noch auf freiem Fuß befindet und sich nach Informationen der Staatsanwaltschaft zurzeit im Irak aufhält.

Der Anklage zufolge gab es zwei Praktiken, mit denen das Drogengeld gewaschen wurde. Zum einen sollen die Kuriere das Geld an verschiedene Kraftfahrzeughändler und Maschinenhändler verteilt haben. Diese hätten damit Gebrauchtfahrzeuge und Maschinen gekauft, die wiederum in den Irak exportiert worden seien.

Die zweite Praxis basierte aus Sicht der Staatsanwaltschaft auf einem informellen Geldtransfersystem, das Hawala heißt. Bei dieser Praxis, die im frühen Mittelalter im vorderen und mittleren Orient entwickelt wurde, lässt sich Geld über Mittelsmänner und ohne Beteiligung von Banken transferieren. Geldströme können dadurch unentdeckt bleiben. Auch die angeklagten Kuriere sollen dieses System genutzt haben. Sie leben überwiegend im südwestdeutschen Raum. Auf sie wurden die Darmstädter Behörden aufmerksam, nachdem bei zufälligen Kontrollen höhere Geldbeträge bei zwei Männern aus Groß-Zimmern und Dieburg gefunden wurden.

Bei den Ermittlungen kooperierten Strafverfolgungsbehörden verschiedener Länder. So konnten etwa die spanischen Behörden 20 Kilogramm Heroin sicherstellen, wie ein Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft sagte. (dpa)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen