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Darmstadt Die Mauer muss weichen

Umfangreiche Bauarbeiten an der Dieburger Straße in Darmstadt: Wo früher noch die Straßenbahn zum Oberwaldhaus rollte, will die Stadt nun mehr Platz schaffen - auch für Radfahrer.

12.05.2014 20:27
Die Natursteinmauer grenzt die Dieburger Straße vom Park der Villa Flotow ab.

"Mauer, Mauer, du entschwandest“ – so könnte man, in Abwandlung der bekanntesten Flotow-Arie, auf dem Darmstädter Heiligkreuzberg singen. Denn die lange Bruchsteinwand, die dort auf so charakteristische Weise den östlichen Stadteingang begleitet, wird in den nächsten Tagen abgerissen. Damit verliert Darmstadt erneut einen unverwechselbaren Ort im Stadtbild.

Die Mauer grenzt seit mehr als anderthalb Jahrhunderten den südlich der Dieburger Straße gelegenen Park der Villa Flotow von der Chaussee ab. Sie beginnt hinter dem Haus Klotz und vis-à-vis der Tanzschule Bäulke mit einem deutlichen Vorsprung und führt dann übermannshoch, aus schweren Sandsteinbrocken geschichtet, bis zum Georg-Christoph-Lichtenberg-Haus.

Viele Bäume werden gefällt

Auf einer Länge von 120 Metern verengt sich die Dieburger Straße zu einer vergleichsweise schmalen Passage – durch die früher noch die Straßenbahn zum Oberwaldhaus rollte. Dort will die Stadt nun mehr Platz schaffen. Die Dieburger Straße soll auf eine Breite von neun Meter erweitert werden, sodass Autofahrer ungehindert Gas geben können und auch Fahrradfahrer noch einen Streifen für sich finden.

Der unmittelbare Anlass zum Abbruch ist jedoch nicht der Wunsch, den Verkehr zu beschleunigen. Vielmehr muss der 1919 erbaute Mischwasserkanal, der unter der Fahrbahn liegt, erneuert werden – so, wie es bereits zwischen Odenwaldbahn und Schumannstraße geschehen ist.
Der neue Kanal erstreckt sich 300 Meter lang von der Schumannstraße bis zu den Hirschköpfen. Bei der Planung des eine Million Euro teuren Projekts stellte sich heraus, dass die Tiefbauarbeiten „erheblichen Einfluss auf die Gründung der Mauer haben werden“, wie es in der Magistratsvorlage heißt. Auf Deutsch: Wenn die Bagger loslegen, droht die alte Mauer einzustürzen.

Schon jetzt, so heißt es, werde das historische Gemäuer auf seine Standsicherheit überprüft. Das könne man sich sparen, wenn die Mauer weg ist. Allerdings steht die Mauer – so wie der gesamte Park der Villa und diese selbst – unter Denkmalschutz. So kam es zu einem Kompromiss: Die Mauer wird abgetragen und später, nach Verbreiterung der Chaussee, um einige Meter in den Park zurückverlegt, wieder aufgebaut. Der Denkmalschutz ist einverstanden.

Aber um wie viele Meter? Hinter der Mauer ist jetzt ein 15 Meter tiefer Geländestreifen durch einen langen, mit Planen verhängten Gitterzaun vom Park Flotow abgetrennt worden. Markierungen etwa sieben Meter südlich der alten Mauer deuten an, wo die neue verlaufen soll. Zahlreiche Bäume wurden bereits vor einiger Zeit gefällt; noch stehen einige mehrere hundert Jahre alte Eichen, Kiefern, Platanen. Die Stadt will insgesamt „28 bis 33 Bäume“ beseitigen.

Den Abriss der historischen Mauer, das Fällen der Bäume und den Aufbau einer neuen Mauer an anderer Stelle lässt sich die Stadt 320 000 Euro kosten. Die Entscheidung für diese Maßnahme fiel dem Darmstädter Magistrat umso leichter, als die Stadt kein Gelände erwerben muss: Der Teil des Parks, der nun der Straße zum Opfer fällt, gehört ihr bereits. (ers)

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