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Darmstadt Das katapultierte Opossum

Bei der „Langen Nacht“ am Karolinenplatz gibt es Wissenschaft und Show. Die Veranstaltung bot insgesamt eine große Bandbreite für Erkenntnis, Zerstreuung oder Unterhaltung.

31.08.2014 19:08
Studenten zeigen ihre selbstgebauten Segler. Foto: Claus Völker

Es ist 19 Uhr, rund hundert Leute stehen weit verstreut auf dem großen Karolinenplatz. Nacht ist es zudem auch nicht. Noch nicht. Aber zur Eröffnung der Langen Nacht durch Oberbürgermeister Jochen Partsch und Hans Jürgen Prömel, Präsident der TU Darmstadt, hält der Darmstädter Himmel immerhin dicht.

Jochen Partsch spricht vom „idealen Platz“ für Kunst, Wissenschaft und Show, weil rund um diesen herum so viele Häuser für Kunst, Kultur und Wissenschaft versammelt seien. Hans Jürgen Prömel lobt den Karolinenplatz ebenfalls. Plädiert allerdings dafür, „Wissenschaft nicht nur aufs Ortsschild zu schreiben, sondern über wissenschaftliche Leistungen künftig viel stärker Werbung für die Stadt zu machen“.

Die Lange Nacht bot insgesamt eine große Bandbreite für Erkenntnis, Zerstreuung oder Unterhaltung. Die Galerie Netuschil begeisterte mit einer „Anrufung der Musen“ um 19.30 Uhr und legte zwei Stunden später mit Rezitationen zur Kunst nach, vorgetragen vom Schauspieler Aart Veder und Claus Netuschil selbst.

Werben mit Wissenschaft

Wer mochte, konnte sich durch den ungestalteten Schlossgraben führen lassen oder durch das Schlossmuseum oder durch den Neubau der Universitäts- und Landesbibliothek, im Institut für Neue Technische Form buhlten 550 Glas- und Keramikvasen um die Aufmerksamkeit des Publikums, ab 22 Uhr tat dies ein „Song-Slam“ auf dem Karolinenplatz.

Als Magnet erster Güte stellte sich der zweimal – 20.30 und 21.30 Uhr – gebotene Science-Slam heraus, der das Foyer des Darmstadtiums gut verfüllte, und zwar weit über die Sitzplätze hinaus. Die von Science-Slam-Erfinder Alex Dreppec moderierte Kurzversion der Konkurrenz verdeutlichte das Konzept dahinter ideal: Johannes Schildgen aus Kaiserslautern sowie Aljoscha Kreß und Sascha Vogel aus Frankfurt servierten Witz auf der Basis der Realität und deren möglicher wissenschaftlicher Erklärung.

Kreß zeigte mit seinem Vortrag „Stechmücken fängt man mit Limburger Käse“, wo die eigentlichen Gefahren für die Menschheit liegen. Tödliche Haiangriffe pro Jahr? Rund zehn. Tote bei Flugzeugabstürzen pro Jahr: im Schnitt 600. Tote durch Terroranschläge weltweit pro Jahr: rund 20 000. Tote durch Malaria, also durch diese kleinen Mücken, sprich die weibliche Anopheles: rund 1,25 Millionen pro Jahr.

Herausragende Kurzfilm-Dauerschleife

Sascha Vogel, Physiker, untersuchte unter der Überschrift „Gebrochene Translationsinvarianz physikalischer Theorien“ die Frage, inwieweit ein katapultiertes Opossum beim Auftreffen auf einen Baum einen bleibenden Eindruck in der Baumrinde hinterlassen kann.

Im Audimax lief derweil eine herausragende Kurzfilm-Dauerschleife. Mit im Tableau der Veranstalter war auch die Akaflieg, die Akademische Fliegergruppe. Sie hatte ihre Werkstatthallen geöffnet. „Da war ich noch nie drin“, entfuhr es einem Besucher spontan. Studenten aus allen Fachrichtungen entwickeln, bauen und fliegen seit 1920 jene Segler, die sie dann auch selbst fliegen, etwa vom Flugfeld Heppenheim. Student Florian Ehmann, drittes Semester Physik, erklärte in der Halle die D 43. Stolze 18 Meter Spannweite, der Codierung nach das 43. Fluggerät aus der Darmstädter Werkstatt.

Auch im Staatsarchiv ist Licht. Musik schallt heraus. „Und was läuft da drin?“, fragt ein Passant. „Eine Hochzeit“, klärt der andere. Auch eine lange Nacht, aber eben eine ganz andere. (phg)

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