Lade Inhalte...

Darmstadt „Das ist kein Fahrradparkhaus mehr“

Im Streit um das Fahrradparkhaus kritisiert Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Entscheidung der Deutschen Bahn, dauerhaft allen Fahrgästen den Durchgang zu gestatten.

Darmstadt
Einer hält die Wacht: An manchenTagen sitzt der Hund von Martin Rau am rund um die Uhr geöffneten Eingang zur Fahrradstation. Foto: Jens Joachim

Der seit mehreren Monaten schwelende Konflikt um das Fahrradparkhaus am Darmstädter Hauptbahnhof beschäftigt nun auch die Landespolitik. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat kürzlich eine von Karin Müller, der verkehrspolitischen Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, gestellte Kleine Anfrage beantwortet. So schreibt der Minister, dass das Fahrradparkhaus ursprünglich „exklusiv zur Nutzung für Radfahrende zur Verfügung“ gestanden habe. Durch die von der Deutschen Bahn vorgenommene dauerhafte Öffnung auch für Fußgänger im Februar sei dieser Zustand aufgehoben worden. Nach Beobachtung der Stadt sollen laut Al-Wazir seit der Öffnung des Parkhauses auch die Diebstahl- und Vandalismusschäden „deutlich zugenommen“ haben.

Nach Auskunft von Martin Rau, der zusammen mit seinem Kollegen Stefan Bader montags bis freitags zwölf Stunden lang für die Stadt das Fahrradparkhaus via Videokameras bewacht, sind in den vergangenen Monaten schon acht teure Mountainbikes im Parkhaus gestohlen worden. Früher versperrten zwei Schranken den Zugang, die nur mit einem „Parkausweis“ geöffnet werden konnte. Weil die Schranken nun aber dauerhaft geöffnet sind, kann jeder das Parkhaus betreten, um über den sogenannten Fürstensteg zu den Bahnsteigen zu gelangen.

Die Bahn behauptet allerdings auf Anfrage der FR in einer Mitteilung, es habe sich „nie um ein geschlossenes Fahrradparkhaus gehandelt“, weil „schon immer“ jeder den Fürstensteg habe nutzen können, um zu den Bahnsteigen zu gelangen. Auch sei eine Bewachung „nie angeboten“ worden.

Minister Al-Wazir moniert in seiner Antwort auf die Anfrage der Landtagsabgeordneten Müller hingegen, dass „mit der Einrichtung des geschlossenen Fahrradparkhauses erreichte hohe Maß an sozialer Sicherheit“ durch die nun geltende freizügigere Öffnungsregelung der Deutschen Bahn „erheblich reduziert“ worden sei. Dadurch sei der Standard in Bezug auf das sichere und komfortable Abstellen der Fahrräder, wie dies zuvor 15 Jahre lang vorhanden gewesen sei, „nicht mehr gewährleistet“. Das Fahrradparkhaus sei nun „kein Fahrradparkhaus im herkömmlichen Sinne, sondern nur noch eine überdachte Fahrradabstell-möglichkeit“, die für die bereits vorher bestehende Zahl von Stellplätzen auch weiterhin 24 Stunden am Tag zugänglich sei.

Diverse Vorschläge vorgelegt

Die Landesregierung will sich nach den Worten des Ministers dafür einsetzen, den Fortbestand des Fahrradparkhauses in Darmstadt „dauerhaft zu sichern“. Er schlägt vor, tagsüber an Werktagen den Reisenden den Durchgang zu ermöglichen und in weniger frequentierten Zeiten und insbesondere nachts einen Durchgang zu unterbinden.

Die Bahn hat nach Angaben eines Sprechers der Stadt inzwischen vorgeschlagen, eine leer stehende Ladenzeile zu einem abschließbaren Abstellraum mit einer Zugangskontrolle umzugestalten. Wo derzeit die Pförtnerloge sei, könnte eine kleine Fahrradwerkstatt eingerichtet werden, wo auch etwa der Fahrradclub ADFC die Registrierung von Fahrrädern anbieten könne. Zudem könnte nach den Vorstellungen der Bahn ein Großteil der Abstellkapazität auf dem Fürstensteg mit Doppelstockparkplätzen für Fahrräder ausgestattet werden und im hinteren Teil des Stegs könnten Sonderabstellflächen etwa für Nutzer mit Fahrradanhängern geschaffen werden. Zudem sollen eine Anzeigetafel für die Abfahrt von Bahnen und Bussen installiert, die Wände neu gestrichen und die Wegeführung mit entsprechenden Markierungen neu gestaltet werden.

Laut Al-Wazir hat sein Ministerium die Bahn und die Stadt schon „darum gebeten, gemeinschaftlich eine Lösungsmöglichkeit zu entwickeln“ und auch auf diverse finanzielle Fördermöglichkeiten hingewiesen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum