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Darmstadt Abtauchen in eine andere Welt

Interreligiöses Tauchprojekt ist Attraktion beim Jugendkirchentag.

22.06.2014 17:40
Unter Wasser müssen Fragen beantwortet werden. Foto: Guido Schiek

Tauchen mit religiösen Fragen zu verbinden, ist eine abwegige Idee – zunächst. Aber wer den Organisatoren des bundesweit einzigartigen Projekts beim Jugendtag der evangelischen Kirche zuhört, erkennt die tiefere Verbindung. Lukas Winterholler kommt gerade erst aus dem Wasser. Seine kurzen Haare sind noch nass, der Abdruck der Taucherbrille um seine Augen noch deutlich sichtbar. Und doch denkt er nach seinem ersten Tauchgang direkt an den nächsten. „Irgendwann“, sagt er begeistert, „möchte ich im Urlaub mal Riff-Tauchen machen. Das hier war eine tolle Erfahrung.“

Wie Winterhöller geht es vielen, die am Freitag und Samstag aus dem Tauch-Truck, der auf dem Darmstädter Karolinenplatz steht, steigen: Das erste Mal getaucht, und direkt dem Sport verfallen. Alex Kurz und Lisa See freut das. Sie stehen unten, neben einer Glasscheibe des umfunktionierten Trucks. Hinter ihnen, im auf der Ladefläche montierten Becken, schwimmen gerade vier Taucher – in 24 000 Liter Wasser.

Kurz und See arbeiten für die evangelische Jugend in Rüsselsheim und betreuen das Projekt Tauch-Truck gemeinsam mit dem Bund muslimischer Pfadfinder. Offiziell haben sie es „Eintauchen in eine andere Welt“ genannt, und das hat mehrere Gründe. Zum einen“, erklärt Kurz, „haben die Jugendlichen unter Wasser eine Aufgabe.“ Jeder bekommt einen Bogen mit je acht Fragen. Das Thema: Christentum und Islam. „Die Fragen können sie beantworten, wenn sie unter den 100 Kärtchen das Passende mit der richtigen Antwort finden“, sagt Kurz.

So sollen die jugendlichen Taucher etwas über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Weltreligionen erfahren. Auf die Idee kamen vor einigen Jahren Jugendliche der evangelischen Gemeinde in Rüsselsheim. „Es gab den Wunsch nach einer interreligiösen Fragestellung mit erlebnisorientiertem Ansatz“, referiert Kurz. „Wir wollen auch zeigen, dass Zusammenarbeit möglich ist und Spaß macht“, ergänzt See.

Vergleich der Religionen

Bei deutschen Kirchentagen zählt der Tauch-Truck mittlerweile regelmäßig zu den Attraktionen. Auch, weil die meisten Jugendlichen noch keine Taucherfahrung haben, wie Kurz erzählt. „Die Jugendlichen tauchen hier wirklich in eine andere Welt ein“, sagt Kurz, „sie lernen, sich unter Wasser zu bewegen und zu kommunizieren.“

Damit das gelingt, unterstützen zwei Tauchvereine das Projekt: die Seeteufel Nauheim und der BTC Bingen. Jeder Taucher wird von einem eigenen Tauchlehrer betreut. „Es ist ja eine gute Möglichkeit, gerade auch für die Jugendlichen, sich spielerisch mit dem Christentum und dem Islam zu beschäftigen“, findet Lukas Winterholler. „Und ich als Jugendleiter habe auch noch etwas Neues erfahren.“

Auch Bianca, die mit ihrer Mainzer Gemeinde auf dem Jugendkirchentag ist, gefällt der Ansatz. „Ich glaube an Gott“, sagt die Fünfzehnjährige. „Da ist es gut, auch mal zu vergleichen und nicht nur aus Spaß tauchen zu gehen.“ Der steht am Ende aber doch im Vordergrund. „Ich fand es viel zu kurz und würde gerne wieder“, schwärmt Bianca. „Das war richtig cool.“

Mit Sauerstoffflasche und Taucherbrille abzutauchen, sei zwar zuerst ungewohnt – aber am Ende eine ganz besondere Erfahrung. (eda)

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