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Darmstadt Absage an Sportpark West

Der Naturschutzbeirat erhebt Einwände gegen die Bebauung des Brachlands zwischen Lincoln-Siedlung und Winkelschneise in Darmstadt, um seltene Tierarten zu schützen.

25.07.2016 18:37
Die Dünen-Fläche zwischen Lincoln-Siedlung und Winkelschneise ist ein schützenswertes Gebiet. Foto: André Hirtz

Hunde-Allee“ nennen die Bewohner der Darmstädter Heimstättensiedlung das 3,5 Hektar große Brachland zwischen Lincoln-Siedlung und Winkelschneise. Auf dem ehemaligen Schießplatz lassen Hundebesitzer gern ihren Vierbeinern freien Lauf. Viele Siedler wird es daher überraschen, dass der Naturschutzbeirat der Stadt dieses nicht gerade ansehnliche Gelände als „eine der naturschutzfachlich hochkarätigsten Offenlandflächen Darmstadts“ bezeichnet und deshalb einer geplanten Bebauung widerspricht.

Damit zerschlägt sich das Vorhaben von Sportdezernent Rafael Reißer, auf dem Brachland ein neues Sportzentrum zu errichten. Es sollte wegen seiner zentralen Lage von den künftigen Bewohnern der Lincoln-Siedlung, vom angrenzenden SKV Rot-Weiß, von SG Eiche und TG Bessungen genutzt werden. Die Vereine waren bereits aufgefordert worden, ihren Bedarf und sich auf ihre Zusammenarbeit im künftigen Sportpark West einzustellen.

Zwar räumt der Naturschutzbeirat ein, dass es für das Gelände einen mehr als 30 Jahre alten rechtskräftigen Bebauungsplan gibt, der Sportplätze bei funktionalem Ausgleich zulasse. Der entspreche aber nicht mehr der „äußerst prekären Lage des Natur- und Artenschutzes unserer heutigen Zeit“.
Der Sandmagerrasen, so der Naturschutzbeirat, sei der Lebensraum für Tierarten wie Sandlaufkäfer, Schmetterlinge, Wildbienen und die vom Aussterben bedrohte italienische Schönschrecke. Fünf der dort anzutreffenden Pflanzenarten stünden in der Roten Liste Hessen, und die Bestände der Sandstroh-Blume zählten zu den größten Hessens. Zudem habe das Gelände eine Naherholungsfunktion. Der Naturschutzbeirat empfiehlt daher, die Fläche gar als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ausweisen zu lassen.

Reißer zeigte sich davon „nicht unbedingt überrascht“. Da es nicht möglich sei, für den Sandmagerrasen eine Ersatzfläche zu schaffen, „sieht es so aus, dass wir da keinen Sportplatz bauen können“. Tatsache sei aber auch, dass die künftigen Bewohner der Lincoln-Siedlung dringend Sportflächen brauchen – und auch der SKV Rot-Weiß, der sich vor Anfragen von fußballbegeisterten Jugendlichen nicht retten könne.

Reißer meint, dass die TG Bessungen und die SG Eiche ihre Flächen besser nutzen könnten und Kooperationen die derzeit einzige Lösung seien. Der Abstimmungsprozess mit den Vereinen läuft schleppend. Es hat bereits vier moderierte Sitzungen gegeben. „Jeder Verein hat so seine Vorstellungen. Manche wollen alles so lassen, wie es ist“, sagt Reißer. Doch unter Berücksichtigung der begrenzten Mittel bringe nur ein Miteinander alle weiter.

Harry Distelmann, Vorsitzender des SKV Rot-Weiß, zeigte Verständnis für die Auffassung des Naturschutzbeirats. Heute sei es wegen der naturrechtlichen Bedingungen nicht mehr so einfach, eine solche Fläche für sportliche Zwecke zu vereinnahmen. „Wir hoffen, dass die Stadt noch eine Lösung findet, aber es wird schwer,“ sagt er. Für die SG Eiche und ihren Vorsitzenden Markus Reitz ist vordringlich, dass der Pachtvertrag mit der Stadt, der zum 31. August 2017 ausläuft, verlängert wird. Ein Umzug der Eiche-Sportanlagen von der Eschollbrücker Straße auf das etwa einen Kilometer entfernte Gelände am ehemaligen Schießplatz oder gar eine Teilung mit Verbleib der Sporthalle am Kronstädter Weg war für den SG-Eiche-Vorstand ohnedies undiskutabel. (pyp)

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