Lade Inhalte...

Darmstadt Abmahnungen für Falschparker

Radfahr- und Fußgängervereine starten eine Aktionswoche im Darmstädter Woogsviertel und verteilen Zettel an Falschparker.

Falschparker-Aktionswoche
Kindern mit dem Laufrad oder Rollstuhlfahrern bleibt nur wenig Platz, wenn Autos verbotswidrig halb auf dem Gehweg stehen. Foto: Rolf Oeser

Der kleine orangefarbene Zettel, der zwischen dem Scheibenwischer und der Windschutzscheibe steckt, irritiert Autofahrerin Anna Meurer. „Aktionswoche gegen Falschparken“ steht in fetten Buchstaben als Überschrift darauf. Ihren Wagen hatte Meurer am Montagvormittag an der Soderstraße abgestellt – halb auf dem Bürgersteig, halb auf der Straße. „Das macht hier doch jeder so. Außerdem ist der Fußweg relativ breit, so dass eine Mutter mit dem Kinderwagen doch noch locker vorbeikommt“, sagt sie.

Vorstandsmitglieder des Vereins Wegerecht und Fuss e.V. sowie der Kreisverbände  Darmstadt-Dieburg des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und des Verkehrsclubs Deutschland haben eine andere Meinung. Sie verteilten am Montag die kleinen Zettel im Woogsviertel, um die Autofahrerinnen und -fahrer freundlich darauf hinzuweisen, dass sie ihr Fahrzeug „verbotswidrig auf einem Geh- oder Radweg geparkt haben“.

David Grünewald und Stefan Voeth vom Verein Wegerecht verstehen die Zettel als „kostenfreie Abmahnungen“. Mit der Aktion wollen die organisierten Radfahrer und Fußgänger die Autofahrer daran erinnern, dass das Parken auf Geh- und Radwegen grundsätzlich verboten ist. Auch für kurze Zeit. Und egal, ob mit zwei oder vier Rädern auf den Wegen gehalten oder geparkt wird.

Geahndet wird das Falschparken allerdings kaum. Am Montagvormittag war im Woogsviertel ein Wagen des Ordnungsamtes unterwegs. „Knöllchen“ verteilten die beiden städtischen Bediensteten allerdings nur, wenn etwa Behindertenparkplätze verbotswidrig zugestellt waren oder wenn Autos an Kreuzungen auf Sperrflächen parkten. Für die verbotswidrig auf den Gehwegen abgestellten Fahrzeuge gab es auch nach entsprechenden Hinweisen keine Verwarnungen.

Erst vor wenigen Wochen hatte der zuständige Ordnungsdezernent, Bürgermeister Rafael Reißer (CDU), bei einer Probefahrt mit Feuerwehrfahrzeugen eingeräumt, dass das verkehrswidrige Parken auf Gehwegen nicht rigoros geahndet werde. Wegen der prekären Parkplatzsituation wolle er Ärger mit den Autofahrern vermeiden.

Die Radfahraktivisten und organisierten  Fußgänger sind allerdings der Auffassung, dass das Falschparken „kein Kavaliersdelikt“ ist. „Es führt zur Gefährdung und Behinderung anderer Menschen. Fuß- und Radwege sind für die entsprechenden Nutzungsgruppen gebaut und bieten diesen Gruppen Schutz und Raum für deren Bedürfnisse“, ist mit mahnendem Unterton auf den Hinweiszetteln zu lesen.

Mit einem genormten großen Zollstock weist Grünewald nach, dass Autofahrern auf den entsprechenden Abschnitten der Soder- und der Beckstraße immer noch genügend Platz zur Verfügung stünde, wenn die Autos ausschließlich auf der Fahrbahn und nicht auch noch auf dem Gehweg geparkt würden.

Auch Martin Huth, der ebenfalls dem Vorstand des Vereins Wegerecht angehört, wies gestern im Beisein seiner beiden Töchter darauf hin, dass insbesondere Kinder, die beispielsweise mit dem Laufrad noch den Fußweg nutzen müssen, oder Menschen mit Gehhilfen oder Rollstuhl nicht ohne weiteres Hindernissen wie falsch geparkten Fahrzeugen ausweichen könnten. Etliche Eltern brächten ihre Kinder auch aus diesem Grund mit dem Auto zur Schule oder in den Kindergarten, gab Huth zu bedenken.

Sylke Petry, die hessische Landessprecherin von Fuss e.V., die auch dem Bundesvorstand dieses deutschen Fachverbands für den Fußverkehr angehört, regte gestern im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau eine Änderung der städtischen Stellplatzsatzung an. So könnten in einigen Wohngebieten etwa nur Parkplätze für schmalere Kleinwagen ausgewiesen werden.

ADFC-Vorstandsmitglied Anneliese von Arnim sagte: „Der ruhende Verkehr in Darmstadt ist inzwischen fast schon die größere Herausforderung als der fließende Verkehr auf den Straßen.“ Langfristig müsse die Stadt eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung einführen, um das kostenfreie Parken weiter einzuschränken.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen