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Circus Zurück in die Manege

Seine Tiger haben den Dompteur Christian Walliser fast getötet. Erstmals tritt er jetzt wieder mit ihnen auf.

14.04.2011 12:34
Gefährliche Schmusekatzen. Christian Walliser tritt wider mit ihnen auf. Foto: roman grösser

Missmutiges Knurren dringt aus dem Tigergehege auf dem Freigelände des Messplatzes. Die schlechte Laune der Raubtiere hält den schmalgliedrigen Mann aber nicht davon ab, sich ihnen zu nähern, sie zu kraulen, ja sogar mit Wasser zu necken. Christian Walliser (30) ist wahrscheinlich der bekannteste Tiger-Dompteur Deutschlands. Seine Biografie wird gerade geschrieben, und eine Einladung ins Dschungel Camp hat er auch schon in der Tasche. Er will sie annehmen, warum auch nicht? Publicity ist die Belohnung für unvorstellbare Leiden.

Drei seiner zehn Tiger haben Walliser während einer Zirkus-Dinner-Show in Hamburg vor anderthalb Jahren fast umgebracht. Als er stolperte und sich am Kopf eines Tieres festhalten wollte, biss es zu. Daraufhin machten sich zwei weitere Raubkatzen über ihn und das Fleisch her, das er bei sich trug, um sie für einen gelungenen Dressurakt zu belohnen.

Bei der Attacke wurden Wallisers Hüfte, seine linke Hand und sein Kopf schwer verletzt. Er lag im künstlichen Koma, zweimal blieb sein Herz stehen, elfmal wurde er operiert. Monatelang bekämpfte er seine Schmerzen mit Tabletten. „Ich lebe wieder“, sagt er heute lapidar. Er hat so viel ertragen müssen, dass er heute vor nichts und niemandem mehr Angst hat.

Vor nichts mehr Angst

Christian Walliser steht mit seinen zehn Tigern jetzt wieder in der Manege des Circus Barelli, der seine diesjährige Saison mit einem Gastspiel in Darmstadt eröffnet. Erstmals seit dem Unfall wird der Dompteur auch mit jenen drei Tigern auftreten, die ihn wohl zerfleischt hätten, wenn sie nicht mit Schaum aus Feuerlöschern und Wasser in ihre Käfige zurückgedrängt worden wären.

Walliser gibt ihnen dafür keine Schuld. „Auch Flaschentiger werden nie zahm“, erklärt er. Er habe – und das sei sein Fehler gewesen – nicht auf die nötige Distanz geachtet. Dass er bisher nicht wieder mit den drei Angreifern, wohl aber mit den anderen Tigern aufgetreten sei, habe nichts mit Vorsicht, sondern mit seiner geschwächten Kondition zu tun. Während der Show braucht er Kraft, etwa beim Verschieben der Postamente. Dabei kann ihm keiner helfen.

Walliser ist Augsburger und war, wie seine Großeltern erzählen, schon als kleiner Knirps von Zirkus-Tigern fasziniert. Er wurde Zootierpfleger in Augsburg, übernahm bei Zirkus Barum seine erste Tigergruppe und machte sich dann mit eigenen Raubkatzen, die er von Zoos und Zirkussen gekauft und zum Teil mit der Flasche großgezogen hatte, selbstständig.

Harry Barelli, Chef des Circus Barelli, des zweitgrößten deutschen Zirkus, kennt Walliser seit langem und nahm ihn und seine Raubtiernummer in sein zweieinhalbstündiges Programm „Die Reise ins Wunderland“ auf.

Zu den Besonderheiten zählt der Zirkuschef das Live-Orchester und das mit 30 Metern „höchste Zirkuszelt der Welt“ mit Platz für 2000 Sitzplätze. Sie sind wie im Stadion auf sechs Meter ansteigend angeordnet. ( pyp)

Der Circus Barelli gastiert von Freitag bis Montag, 15. bis 25. April, auf dem Messplatz. Vorstellungen sind täglich um 15 und 20, Sonn- und Feiertags 15 und 18 Uhr. An Karfreitag, 22. April, ist von 11 bis 13 Uhr Tag der offenen Tür.

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