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Annington Wütende Mieter

Beim Treffen mit Annington-Sprecher Rolf Kleine wird harsche Kritik geäußert: Marode Fenster und Schimmel, die Liste der Kritikpunkte ist lang. Beschwerden beim Callcenter stoßen auf taube Ohren, so die Erfahrung vieler Betroffener.

31.10.2012 15:31
Hinter hübschen Fassaden verstecken sich mitunter kaputte Heizungen und schimmlige Wände. Foto: claus völker

Sie wohnen hinter maroden Fenstern, durch die es reinzieht, mit jahrzehntealten Leitungen und Boilern, die immer wieder kaputt gehen, Aufzügen, die notorisch ausfallen, Schimmel, der nicht wegzubekommen ist. Putz bröckelt von Fassaden, wiederholt fällt die Heizung aus, ein Hausmeister lässt sich nie blicken.

Die Liste der Kritikpunkte ist lang, die Mieter der Deutschen Annington am Montagabend im Europasaal im ersten Stock der Bahngalerie im Darmstädter Hauptbahnhof frustriert vorlegten. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries hatte eingeladen, um mit Rolf Kleine, seit Februar Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Immobilienunternehmens, über Mängel und Ärgernisse zu sprechen.

Rund 80 Personen drängten sich in dem Raum und machten ihrem teils jahrelang angestauten Ärger Luft. Zum Beispiel angesichts der Tatsache, dass die Annington zwar mittlerweile eingestanden hat, 2009 und 2010 fehlerhafte Nebenkostenabrechnungen verschickt zu haben, aber viele immer noch auf die Korrektur warten. „Das kann doch nicht sein“, rief ein älterer Herr. „Die offenen Abrechnungen werden sukzessive abgearbeitet, das dauert halt einen Moment“, blieb Kleine vage. „Ich warte aber schon fast zwei Jahre!“, gab der Mieter zurück.

Der Sprecher des mit 217?000 Wohnungen größten Vermieters Deutschlands mühte sich, die Annington bei aller Kritik in ein positives Licht zu rücken. So würden nach den negativen Erfahrungen mit externen Dienstleistern ab Januar auch in Darmstadt wieder eigene Hausmeister als Ansprechpartner eingesetzt. Und die Callcenter, wo mittlerweile 80 Prozent der Anrufe bearbeitet würden, seien auch besser geworden. Da mussten alle mal kräftig lachen. „Man hängt nach wie vor in der Warteschleife“, klagte ein Herr. Und selbst wenn man durchdringe zu einem Mitarbeiter, tue sich außer Zusicherungen nichts. „Das ist die Strategie der Annington“, fasste ein Mann ernüchtert zusammen: „Nie auf Reklamationen reagieren.“

Kleine warb um Verständnis: „Können Sie sich vorstellen, wie viele Anrufe wir am Tag bekommen?“ Doch dieses Argument überzeugte nicht. „Wenn sich ein Unternehmen so groß aufstellt, bedarf es bestimmter Randbedingungen“, konterte eine Frau. „Und dazu gehört genügend Personal.“

Auch mit den jüngsten 6,5 Millionen Euro Investitionen in den Darmstädter Wohnungsbestand sowie weiteren 1,5 Millionen in den kommenden zwei Jahren konnte Kleine nicht überzeugen. „Sie sanieren am absoluten Minimum, um steuerliche Vorteile zu erhalten“, befand ein Mann.

Werterhaltend oder gar wertsteigernd sei das nicht. „Was Sie hier wie eine Monstranz vortragen, zahlen doch alles die Mieter.“

Welches Argument Kleine auch anführte, die Mieter hielten dagegen. Das brachte Gastgeberin Zypries auf, die Rednern sogar mehrfach den Mund verbat. „Man muss doch mal zur Kenntnis nehmen, dass dieses Unternehmen sich offensichtlich bemüht“, sagte sie. „Das ist ein Riesen-Apparat, der braucht halt ein bisschen, bis er umschwenkt.“

Schließlich ließ Zypries Zettel austeilen, auf die die Mieter ihre Probleme schreiben durften. Deren Fälle sollten dann bevorzugt in wenigen Tagen behandelt werden. Ein Angebot, das nicht jeder gerne annahm: „Das ist doch keine Art“, echauffierte sich ein Mieter. „Und dafür sollen wir dann den Mund halten.“

Und am Misstrauen der Mieter konnte auch das nichts ändern. „Was passiert, wenn Sie sich nicht melden?“, fragte eine junge Frau bei dem Annington-Mann nach. „Ich melde mich“, sagte der. „Versprechungen sind schön“, warf ein skeptischer Zuschauer ein und schlug vor, sich in ein paar Monaten wieder zu treffen und zu schauen, was sich wirklich verbessert hat. Zypries und Kleine sagten zu, dass das im Mai geschehen soll. (aw.)

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