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Alte Synagoge Gedenkstätte wird nicht fertig

Peinlich: Gäste aus aller Welt hat die Stadt zur Eröffnung der Synagogen-Gedenkstätte auf dem Klinikgelände geladen. Doch die erwartet nun lediglich ein Provisorium. Von Astrid Ludwig

28.10.2008 00:10
ASTRID LUDWIG
Ein Arbeiter vor einer Ansicht der ehemaligen Synagoge. Foto: FR/Arnold

Viele haben es bereits geahnt: Die "Gedenkstätte Liberale Synagoge" auf dem Neubaugelände des Klinikums wird nicht zum 7. November fertig. Eigentlich hatte die Stadt den Erinnerungsort kurz vor dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht und zum 20-jährigen Bestehen der neuen Synagoge eröffnen wollen. Doch daraus wird nichts. Die jüdischen Gäste und ehemaligen Darmstädter, die aus aller Welt zu den Feiern geladen sind, werden bei der Begehung nur eine provisorisch hergerichtete Gedenkstätte vorfinden.

Die Verzögerung begründet Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) im Gespräch mit der FR mit erheblichen Verspätungen beim Klinikbau selbst - vor allem bei den Elektroinstallationen. Die Stadt prüft derzeit, ob sie die verantwortliche Firma in Regress nehmen kann, so Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel.

1,8 Millionen Euro für Gedenkstätte

Im Herbst 2003 waren Bagger bei den Arbeiten zum Klinikanbau auf die Reste der 1938 niedergebrannten Synagoge gestoßen. Nach Umplanungen und zweijährigem Baustopp entsteht an der Bleichstraße nun für 1,8 Millionen Euro die Gedenkstätte - integriert in den Krankenhausbau. Die konzeptionelle und didaktische Gestaltung des Ortes haben 2006 die Künstler Ritula Fränkel und Nicolas Morris übernommen.

Noch ist der Raum Baustelle, wenngleich sich endgültige Formen andeuten. Die Fundamente sind durch ein begehbares Gerüst abgedeckt, die Stege der umlaufenden Galerie montiert. Folien schützen die Zitate, die mit Metallbuchstaben im Boden aus Gussasphalt eingearbeitet sind. Auf der Glasfront zum Klinikgarten hin ist eine großformatige historische Ansicht der Synagoge als transparenter Fotoaufdruck zu sehen. Die Wände sind jedoch noch nackter Sichtbeton.

Die Hörstationen, Bildschirme und Videoleinwände, die die Künstler konzipiert haben, können erst installiert werden, wenn die Elektrik fertig ist. "Vorher kann der Raum auch nicht klimatisiert werden", sagt Klinik-Projektleiter Thomas Braner. Staub und Feuchtigkeit müssten fern gehalten werden, damit die empfindliche Technik-Ausstattung der Gedenkstätte nicht leidet.

Braner bedauert, dass der Eröffnungstermin nicht zu halten ist. Ebenso wie der OB erklärt er die Absage mit massiven Verzögerung beim Klinikbau. Auch könnten Besucher aus Sicherheitsgründen nicht über ein Gelände geführt werden, wo noch gearbeitet werde. "Bei einer so großen Baustelle sind Termine nicht immer steuerbar", sagt Braner. Ursprünglich hatte der Klinikanbau zum Jahresende fertig sein sollen, jetzt dauert es mindestens bis ins Frühjahr 2009.

Kritiker werfen der Stadt vor, sie habe nicht genug Engagement gezeigt. "Mit Druck alleine ließ sich nichts vorantreiben", sagt dagegen OB Hoffmann. Nochmals wolle er "nicht eine Baustelle einweihen. Ich habe aus dem Lehrstück Darmstadtium gelernt". Qualität gehe jetzt vor Schnelligkeit. Mit Moritz Neumann, Vorsitzendem der jüdischen Gemeinde, hat Hoffmann gestern telefoniert, "um sein Bebauern auszudrücken".

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