22. Februar 201712°C Frankfurt a. M.
Lade Inhalte...

Darmstadt Zum Anschaffen gezwungen

In dem Prozess um Zwangsprostitution sagt eine frühere Prostituierte aus Bulgarien vor dem Darmstädter Landgericht aus. Sie beschreibt, wie sie von den beiden Angeklagten eingeschüchtert und kontrolliert wurde.

19.11.2014 10:37

Im Prozess um Zwangsprostitution hat eine früher auf den Darmstädter Straßenstrich gezwungene Bulgarin beschrieben, wie sie kontrolliert und eingeschüchtert worden ist. Angeklagt sind vor dem Landgericht Darmstadt eine Frau (34) und ein Mann (37) aus Bulgarien.

Der Hauptangeklagte, der zum Prozesstag in der vergangenen Woche nicht erschienen war, kam am Dienstag wieder zur Verhandlung. Der 37-Jährige hatte Unterlagen mitgebracht, die belegen sollten, dass er wegen des Unfalltodes seines Neffen kurzfristig abreisen musste. So konnte der Prozess um Zuhälterei und Menschenhandel auf dem Darmstädter Straßenstrich fortgesetzt werden.

Am Dienstag sagte die aus Bulgarien angereiste Zeugin aus. Sie sagte, von der zweiten Angeklagten, einer 34 Jahre alten Frau, und einem noch flüchtigen Mittäter auf den Straßenstrich in der Bismarckstraße gezwungen worden zu sein. Die Frau ist auch Nebenklägerin. Sie schilderte, dass sie nach Deutschland gekommen war, um als Putzfrau Geld zu verdienen und einen Teil davon nach Bulgarien zu ihrer Familie zu schicken. Einen Tag nach ihrer Ankunft in Deutschland hätten ihr die Angeklagte und der Mittäter erklärt, weil sie nicht richtig sprechen könne, könne sie nicht als Putzfrau arbeiten, sondern als Prostituierte.

„Wollten Sie das?“, fragte die Vorsitzende Richterin. „Nein, aber ich hatte keine andere Wahl“, sagte die Zeugin. So habe sie anschaffen müssen, während sie schwanger war und später das Baby zur Adoption freigeben müssen. Den Freiern habe sie Geschlechtsverkehr ohne Kondom anbieten müssen. Die Angeklagte und der Mittäter hätten die Preise vorgegeben, ihr sämtliche Einnahmen abgenommen und sie regelmäßig grundlos geschlagen.

Mangels Sprachkenntnissen habe sie sich nicht getraut, zu flüchten. „Was wäre passiert, wenn Sie nicht festgenommen worden wären?“, fragte die Richterin. „Es wäre so weitergegangen“, vermutete die Frau. mawi

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Kontakt
  • Wir über uns
  • Impressum