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Alfred-Grosser-Gastprofessur Vom Status der Bürgergesellschaft

Die Polytechnische Gesellschaft stiftet der Goethe-Uni eine Professur, die nach Alfred Grosser benannt ist. Von Matthias Arning

15.05.2009 00:05
MATTHIAS ARNING
Begegnungen der Bürger. Foto: Arnold/FR

Die Ermunterung der Anderen, das ist so ein Prinzip, an dem sich Alfred Grosser stets orientiert. Früher, während seiner regelmäßigen Vorlesungen als Hochschullehrer in Paris, da sei er immer fünf Minuten früher im Hörsaal gewesen. Um die Studenten zu ermutigen, das Gespräch mit ihm zu suchen, ihnen die Hemmung zu nehmen, den Mann mit einem großen Namen, einem im ganzen Europa bekannten Namen, einfach anzusprechen. Denn was, fragt Grosser bewusst rhetorisch, was wäre die Universität ohne die ständige Diskussion mit den Studenten? Nichts, gar nichts, das sollten sich heutige Hochschullehrer, die mitunter nicht gut mit ihren Studenten umgingen, einfach merken.

Zur Ermunterung der Anderen gehört das Verständnis für diese Anderen. Im Grunde beschreibt Grosser damit am Donnerstag in der Goethe-Universität nur das Programm, das er sich während einer Vorlesungswoche vom 23. November vornehmen will, um auszuloten, wie es um die Bürgergesellschaft bestellt ist.

Grossers Programm gehört zu dem Projekt, das die Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften an der Universität am Donnerstag vorstellten. Es heißt: Alfred-Grosser-Gastprofessur, eine Stiftungsprofessur, die die Polytechniker mit 45 000 Euro finanzieren. Und mit überaus großen Erwartungen verbinden: Der Bürgergesellschaftsforschung werde sich der Lehrstuhl annehmen, um dieses Vorhaben "so verständlich wie möglich zu machen", kündigt Roland Kaehlbrandt an, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung. Es gehe dabei auch um die Frage, wie man Halt schaffen könne, wie sich der Zusammenhalt in der Bürgergesellschaft wie in der städtischen Gemeinschaft fördern lasse. "Wir wollen die Bürgergesellschaft genau untersuchen", verspricht Kaehlbrandt. Denn diese Stadt der Bürger müsse sich ihrer Tradition bewusst sein, um sich aktuelle Anknüpfungspunkte vorzunehmen. "Das ist auch eine standort-politisch wichtige Frage", sagt der Vorstandschef. Mit dieser Professur, die als Idee vor zwei Jahren in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft geboren worden sei, werde das an der Zukunft der Bürgerstadt orientierte Programm seiner Stiftung "intellektuell abgerundet". Dafür sei der Namensgeber, ein gebürtiger Frankfurter, der vor den Nationalsozialisten fliehen musste, genau der richtige Mann: Grosser, betont Kaehlbrandt, sei ein Citoyen und gebe "den freien Bürgern seine Stimme". Er habe Generationen beeindruckt und mitgerissen, wenn es um Europa gegangen sei.

Einmischung zwingend

Für einen wie Grosser, befindet auch Uta Ruppert, Professorin am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, sei es stets auch um die Einmischung der Bürger und ihre Teilhabe gegangen. Sein Name stehe "programmatisch für ein Verständnis von Zivil- und Bürgergesellschaft als Sphäre jenseits des Staates, in der im demokratischen Sinne die Entfaltung guter gesellschaftlicher Ordnung vorangebracht wird."

Was das konkret heißt, macht Grosser selbst mit einer kleiner Erzählung aus dem Bundeskanzleramt deutlich. Damals, im Dezember 2006, habe Angela Merkel "eine Runde zur Zivilgesellschaft" eingeladen, um deren Potenziale auszuloten, um zu erfahren, wie es denn eigentlich um so etwas wie den Gemeinsinn bestellt sei. Zwei Stunden lang habe die Regierungschefin den Protagonisten der Bürgergesellschaft zugehört, was ihn selbst ausgesprochen beeindruckt habe.

Ein Beispiel dafür, dass Demokratie Vertrauen brauche, sich auf eine solche Ressource verlassen müsse. Das zeige sich doch deutlich in der Europapolitik, die darunter leide, dass den Bürger niemand dieses Europa wirklich erkläre und es den Politikern an Format mangele. Jacques Delors, sagte Grosser, der sei der letzte große Präsident in Europa gewesen.

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