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Aktion des Künstlers Walter Grimbs Ein bißchen durchgeknallt

Der Pädagoge Walter Grimbs ist an einen Ort zurückgekehrt, an dem er sich lange aufgehalten hat. Dort´bezieht er sich mit seiner satirischen Landnahme auch auf die Aktionskunst Beuys´. Von Anne Lemhöfer

War mal ein Grüner und rettete Frösche. Jetzt ist er feuerwehrrot provokant: Walter Grimbs. Foto: Andreas Arnold

Walter Grimbs hat mal im 16. Stock der Dörpfeldstraße 8 gewohnt. Zehn Jahre lang hat er im Haus der Begegnung gegenüber ehrenamtlich Senioren betreut. Mittlerweile ist der 57-jährige Aktionskünsler in Zwickau zu Hause, der Heimat seiner Frau. Das alles ist wichtig zu wissen, um zu verstehen, was Grimbs am Dienstagmittag auf dem Parkplatz vor dem Sozialzentrum des Frankfurter Verbands macht.

Grimbs redet in einem Duktus, der gemeinhin "wie ein Wasserfall" genannt wird, als er ein Quadrat aus rotweißem Klebeband auf den Asphalt pappt und ein D hineinmalt: "Das kann man auch mit Kreide machen, ich hab´ das schon mit Kreide gemacht, dieser Raum gehört jetzt Deutschland, also Berlin, und wer ihn betritt, muss einen Obolus zahlen, Berlin braucht Geld, Abwrackprämie, Bankenkrise, ich werde dem Schäuble seine Probleme erleichtern und natürlich etwas für mich abzweigen"

Walter Grimbs, der Künstler und Pädagoge, ist an einen Ort zurückgekehrt, an dem er sich lange aufgehalten hat, schreitet jetzt mit dem Stab eines Landvermessers einen Weg entlang, den er "bestimmt 10.000 Mal gegangen" ist. Mit seiner satirischen Landnahme bezieht sich Grimbs auf die Aktionskunst Joseph Beuys´, erklärt dem verdutzten Publikum aus Gästen des Seniorenzentrums, Kioskbesuchern und Journalisten sein Tun mit dem erweiterten Kunstbegriff Marcel Duchamps und posiert für die Fotografen. Er ergreift den Hörer eines Uralt-Telefons, das er in sein Quadrat mit dem D gestellt hat, "um Joseph Beuys anzurufen". Der geht nicht ans Telefon, besonders lange "klingeln" lässt es Walter Grimbs aber auch nicht.

Weiter im Text: "Öffentlichen Kunstraum" wolle er kreieren, dafür habe er sich auf Wanderschaft durchs Land begeben, "auf den Sachsentag werde ich eingeladen und in Neukölln haben mir Tausende zugesehen". Was genau will Walter Grimbs auf dem Parkplatz einer Seniorenbegegnungsstätte hinter der U5-Trasse in Eckenheim? Was will einer, der sonst zum Beispiel mit einer mobilen Kloschüssel durch die Lande tingelt, an diesem eher publikumsarmen Ort? "Ist hier was Besonderes?", fragt eine alte Frau mit Rollator und zögert, durch Walter Grimbs Quadrat zu laufen.

Er beziehe sich ein bisschen auch auf die Wiedervereinigung, auf den Umgang der Politik mit öffentlichem Raum, sagt der Künstler in dem feuerwehrroten Frack mit der grasgrünen Krawatte und dem schwarzem Hut. Walter Grimbs sagt, dass er mal ein Grüner gewesen sei. "Früher habe ich Frösche gerettet." In seinem Leben habe es auch eine Phase gegeben, in der er wenig gemacht habe. "Ich habe mich mit mir selbst auseinandergesetzt, so sind wir Künstler." Als er all diese Sachen erzählt, während er das Grüppchen über den Parkplatz geleitet und dabei auf eine Art Milchkanne hämmert, lacht Walter Grimbs immer wieder wie hysterisch und zeigt all seine Zähne. Kunst soll irritieren, und das jedenfalls tut sie an diesem Mittag an diesem Ort, der zu dieser Uhrzeit in der Regel nahezu ausgestorben ist.

In Frankfurt hat Walter Grimbs vor vielen Jahren Kunst und Mathematik studiert. In Raunheim wuchs er auf, sein dortiges Atelier hat Grimbs mittlerweile aufgegeben. Die Irritation zur Mittagszeit endet 50 Meter weiter am Julie-Roger-Haus des Frankfurter Verbands. Wieder ein Quadrat, wieder eine Landnahme. Nach 20 Minuten ist alles vorbei.

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