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Aggressive Esel in Flörsheim Keine Zukunft für wilde Esel

Das Experiment mit Kulanen im Biotop Kiesgrubenlandschaft in Flörsheim ist gescheitert, auch weil die Esel sich aggressiv zeigen.

Regionalpark
Floersheim. 21.07.2010. Naturschutzgebiet Weilbacher Kiesgruben. Artenschutzprojekt Kulane Esel. Foto: Renate Hoyer

Immer wieder Ärger mit den Problem-Eseln. Am liebsten wäre die Gesellschaft zur Rekultivierung der Weilbacher Kiesgruben (GRKW) die vor acht Jahren freudig aufgenommenen Kulan-Hengste lieber früher als später wieder los. Aus Schweden und aus dem Rostocker Zoo sind die asiatischen Wildesel in den Main-Taunus-Kreis gekommen, ein polnischer Zoo in Krakau fungierte damals als Koordinator des Erhaltungszuchtprojekts, der Kontakt zur GRKW wurde über den stellvertretenden Nürnberger Zoodirektor Helmut Mägdefrau hergestellt. Die Esel wurden sozusagen als tierische Landschaftspfleger eingestellt, bei guter Entwicklung sollten sie auch als Deckhengste für das Europäische Zuchtprogramm eingesetzt werden. Kulane gelten als vom Aussterben bedroht.

Übergangsweise, so habe es seinerzeit immer geheißen, sollten die Kulane sich auf einem Teilstück des rund 50 Hektar großen Geländes austoben dürfen, sagt der heutige GRKW-Geschäftsführer Mathias Bausback. Gute Jahre als „Junggesellengruppe“ verbringen, weil geschlechtsreife Kulan-Hengste nicht in Gefangenschaft zusammen gehalten werden könnten. Für die Zucht aber seien die Weilbacher Tiere nicht geeignet, da Krankheiten nicht zuverlässig ausgeschlossen werden könnten, sagt der Kulan-Experte aus Nürnberg heute. Bei einem kürzlich verstorbenen Kulan wurden etwa Streptokokken entdeckt.

Die erhofften Abnehmer für die Tiere gibt es wohl auch aus diesem Grund nicht. „Die Zusage, die Tiere wieder abzunehmen, wurde durch die Partner nicht eingehalten“, heißt es in einem Positionspapier der GRKW-Geschäftsführung, welches der Aufsichtsrat am Donnerstag „zur Kenntnis genommen hat“. Sie wieder zurück nach Schweden zu bringen, woher die ersten beiden Kulane 2010 kamen, wird als eine Maßnahme im Punkt „Folgende Schritte“ des Papiers erwogen.

Esel sind aggressiv

Andere mögliche Schritte sind von drastischer Art. Gescheitert sei das Projekt in mehrerer Hinsicht, so Bausback. Die Tiere hätten etwa die „gewünschte Beweidungsleistung“ nicht erbracht. Schwerwiegender aber sei die wachsende Aggressivität der nun geschlechtsreifen Hengste, eine Folge der verpassten Verteilung der Tiere auf Zoos oder zurück in freie Wildbahn, bevor sie fortpflanzungsfähig waren. Das wäre nötig gewesen, um Zusammenstöße zu vermeiden, wie sie sich in den vergangenen Jahren häuften, bei Kämpfen untereinander und gegenüber anderen Tieren, auch Zäune seien bereits zerstört worden. Chemisch kastriert sind die Kulane bereits, im nächsten Schritt steht die permanente Kastration auf dem Programm. In der Natur regeln Rivalenkämpfe die Auslese der Tiere, die eine Haremsstruktur pflegen.

Die Schonfrist für die wilden Esel gilt laut dem Projektpapier, so lange die Tiere keine Gefahr für die Bevölkerung darstellten. „Wenn das Wohl der Bevölkerung und das Tierwohl gefährdet sind, müssen wir handeln“, hatte Bauback vergangene Woche der FR gesagt. Einschläferung werde dabei als letzter möglicher Schritt nicht ausgeschlossen. „Aber Töten war nie der Plan, das dürfen wir gar nicht“, so Bausback. Ein positiver Streptokokkenbefund würde die Ausgangslage aus tierschutzrechtlicher Sicht ändern.

Noch drei der anfangs sechs Kulan-Hengste treiben sich in den ehemaligen Kiesgruben hinter Zäunen herum. Zeigen tun sie sich den Besuchern nur selten. Wer hier „Zum Wilden Esel“ geht, meint meist das Besucher-Restaurant auf dem Gelände.

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