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Afghanistan / Deutschland Der lange Weg zurück nach Deutschland

Ahmad Shakib Pouya hat Deutschland verlassen, um einer Abschiebung zuvor zukommen. Jetzt arbeitet er an seiner Rückkehr.

Ahmad Shakib Pouya am Eingang der Flüchtlingsberatungsstelle „der Laden“. Foto: christoph boeckheler*

Ahmad Shakib Pouyas Stimme klingt etwas verzerrt. Die Telefonleitung nach Kabul ist störungsanfällig. Doch durch das Knacksen schwingt eine gewisse Erleichterung mit. „Ich freue mich, dass sich etwas tut“, sagt Pouya am Montagmittag, als die FR ihn in seiner Unterkunft in der afghanischen Hauptstadt erreicht. Da ist er gerade aus der Deutschen Botschaft zurückgekehrt – und erstmals seit Wochen guter Dinge. Vielleicht, glaubt er, hat er gerade den ersten Schritt getan, um nach Deutschland zurückkehren zu können.

Erst am vergangenen Freitag war Pouya vom Frankfurter Flughafen aus nach Afghanistan gestartet – auf eigene Faust, aber keinesfalls freiwillig. Pouya wollte einer Abschiebung zuvorkommen und reiste aus: in das Land, das er vor sechs Jahren aus Angst vor den Taliban verlassen musste.

Pouyas Fall hat für Schlagzeilen gesorgt. Der Musiker ist nicht nur für seine islamismuskritischen Lieder bekannt, sondern auch für sein ehrenamtliches Engagement in Musik- und Theaterprojekten, die ihm einen Auftritt beim Bürgerfest des Bundespräsidenten einbrachten. Dennoch bestand die für ihn zuständige zentrale Ausländerbehörde Schwaben auf seiner Ausreise. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte seinen Asylantrag bereits 2012 abgelehnt. Seitdem war Pouya geduldet. Eine Arbeitsstelle bei der Flüchtlingsberatung der IG Metall in Frankfurt konnte er nicht antreten, weil ihm keine Arbeitserlaubnis erteilt worden war. Für Pouyas Verbleib in Deutschland hatten sich auch Prominente eingesetzt. Claus von Wagner, Moderator der Satiresendung „Die Anstalt“, in der Pouya ebenfalls aufgetreten war, veröffentlichte noch am Freitag einen emotionalen Appell an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann – vergeblich.

Eine Unterkunft wie ein Bunker

Pouya allerdings trat den Weg nach Kabul nicht alleine an. Albert Ginthör, Geiger im Orchester des Münchener Gärtnerplatztheaters, begleitete ihn und sitzt nun mit ihm in Kabul. „Unsere Unterkunft sieht aus wie ein Bunker“, berichtet Ginthör; Näheres möchte er nicht preisgeben. „Die Stimmung ist gespenstisch. Man spürt die Bedrohungslage sehr deutlich.“ Wenn bei Pouya und Ginthör jetzt Optimismus zu spüren ist, liegt das daran, dass beide das erste Gespräch in der Botschaft sehr positiv bewerten. Auch das Goethe-Institut in Kabul hat vermittelt. „Wir sammeln alles, was ihm dabei hilft, zügig nach Deutschland zurückzukehren“, betont Ginthör.

Auch das Gärtnerplatztheater bietet Pouya eine Stelle an. Mehrere Auftritte als Musiker sind quasi gebucht. Dazu bräuchte Pouya ein Visum. Ist er erst mal in Deutschland, möchte er seine Frau, die er nach islamischem Ritus geheiratet hat, auch standesamtlich ehelichen. Da sie Deutsche ist, könnte er so dauerhaften Aufenthaltsstatus erlangen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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