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AfD-Veranstaltung Ulfkotte in der Defensive

Der Rechtspopulist Udo Ulfkotte bestreitet die Vorwürfe der Körperverletzung und der Nötigung bei einer AfD-Veranstaltung in Dietzenbach. Dort waren auch NPD-Mitglieder anwesend.

Körperverletzung oder nicht? Redner Ulfkotte rangelt am Freitag mit dem 15-jährigen Juso-Mitglied. Foto: Privat

Der Rechtspopulist Udo Ulfkotte hat sich am Montag auf Facebook von den Vorwürfen distanziert, am Freitagabend bei einer Veranstaltung der AfD in Dietzenbach einen 15-jährigen Jungsozialisten (Juso) angegriffen und diesem in der Folge im Internet gedroht zu haben. Zugleich schloss Ulfkotte eine weitere Zusammenarbeit mit der AfD aus, da die Partei offensichtlich nicht in der Lage sei, „die Sicherheit von Teilnehmern“ seiner Veranstaltungen zu gewährleisten.

Der 15-Jährige hatte Anzeige gegen Ulfkotte wegen Körperverletzung erstattet, woraufhin dieser auf Facebook geschrieben hatte: „Einfach geil, wenn er mich angezeigt hat, dann habe ich seine Adresse.“ In seiner Stellungnahme ruderte Ulfkotte nun zurück. Er habe sich lediglich darauf gefreut, im Laufe eines Strafverfahrens an die Adresse des 15-Jährigen zu kommen, um den „Störer“ von künftigen Veranstaltungen ausschließen zu können. Zum Vorwurf der Körperverletzung schrieb Ulfkotte: „Mein Körperkontakt mit ihm dauerte weniger als eine Sekunde.“

Der 15-Jährige fiel zu Boden

Zu der Rangelei war es gekommen, nachdem rund 60 Jusos und Antirassisten versucht hatten, Ulfkottes Vortrag zu den Themen Einwanderung, Islamisierung und Rolle der Medien mit lauten Zwischenrufen vor und im Dietzenbacher Bürgerhaus zu stören. Nach Ulfkottes Darstellung habe er den Juso an der Schulter gefasst und ihn zum Verlassen des Saales aufgefordert – der Junge habe sich aber „sofort fallen gelassen“. Wie der Dietzenbacher SPD-Abgeordnete Filippos Kourtoglou sagt, sei der 15-Jährige auf jeden Fall verletzt worden. „Er wurde auf den Boden geschmissen und an den Haaren gezogen“, so Kourtoglou. Nun überlege sich der Junge, ob er noch eine zweite Anzeige wegen Nötigung stelle.

Die AfD distanzierte sich zunächst nicht von dem Vorfall, bei dem auch die NDP-Funktionäre Stefan Jagsch und Daniel Lachmann zugegen waren. Auf der Homepage der AfD Offenbach-Land ist von einem „erfolgreichen Bürgerstammtisch mit Bestsellerautor Dr. Udo Ulfkotte“ die Rede, bei dem es der Partei gelungen sei, „linksradikale Angriffe“ abzuwehren“. Dass dies offensichtlich sogar Ulfkotte anders sieht, zeigt nun seine Erklärung, in Zukunft nicht mehr auf Veranstaltungen der AfD reden zu wollen.

Arno Groß, der Neu-Isenburger AfD-Kandidat für die Landtagswahl 2013, erklärte, er sei zu der Lesung zu spät gekommen und kenne deshalb die Ereignisse nur vom Hörensagen. Ihm sei erzählt worden, die Jusos und Aktivisten hätten gegen die Scheiben getreten und gespuckt. „Das waren keine kleinen Kinder, sondern schon Leute, vor denen man sich in Acht nehmen muss“, sagt er. Die NPD-Funktionäre Jagsch und Lachmann kenne er nicht. Überhaupt habe er nicht gewusst, dass NPD-Mitglieder im Saal waren, weil er zu dieser Partei keinerlei Verbindungen habe. Mit seiner Absage von geplanten AfD-Veranstaltungen sei Ulfkotte nun wohl ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen. „Es ist eigentlich nichts Schlimmes passiert. Man darf das alles nicht so dramatisieren“, meint Groß. Hätte man gleich die Polizei mit dazu genommen, wäre wohl gar nichts vorgefallen.

Aus dem Kreisverband Frankfurt kommen deutlichere Worte. „Wir haben keine Veranstaltungen mit Herrn Ulfkotte geplant und ich kenne auch keinen, der das begrüßen würde“, sagte Sprecher Ralf Dedermann.

Ulfkotte schreibt in seiner Stellungnahme, ihm seien die NPD-Funktionäre nicht aufgefallen. Jagsch und Lachmann standen neben Ulfkotte, als dieser den 15-Jährigen bedrängte. Laut dem Aktivisten Jonas Seiler, der das Geschehen aus der Nähe beobachtete, hätten die NPD-Funktionäre „Ulfkotte den Rücken frei gehalten“. Jagsch habe zudem versucht, eine Kamera abzudecken. Lachmann schrieb später auf Facebook, Ulfkotte sei „ein toller Redner“ und seine Zuhörer „sympathische Patrioten“.

Wieder einmal Dietzenbach

Der Dietzenbacher Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) ärgert sich, dass seine Stadt wieder einmal in ein schlechtes Licht gerückt wird. Vor einigen Wochen hatte es dort schon Wirbel um ein konspiratives Treffen von hessischen Salafisten gegeben. Das Theaterbistro im Bürgerhaus sei vom AfD-Vorstandsmitglied Matthias Winter bereits am 20. Januar für eine Vortragsveranstaltung mit 80 Personen gebucht worden. „Der Name des Gastredners und das Thema des Vortrags waren dabei nicht Gegenstand des Mietvertrages.“ Der Zwischenfall am Freitag sei wohl „nichts Heikles“ gewesen, „sonst hätte man mich früher verständigt“, so Rogg.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Ulrike Alex hat den mutmaßlichen Angriff und die Drohungen Ulfkottes verurteilt. Auch weil „führende hessische NPD-Mitglieder vor Ort waren“ sei die „via Facebook gemachte Drohung sehr ernst zu nehmen“. Alex forderte die Behörden dazu auf, mit den Daten des 15-Jährigen sorgfältig umzugehen, um ihn zu schützen.

Christoph Hampe, Fraktionsvorsitzender des Kreisverbands der Piratenpartei, begrüßt, dass Aktivisten die Veranstaltung gestört haben. „Wir rufen alle demokratieliebenden Menschen dazu auf, sich im Wiederholungsfall daran zu beteiligen.“ Hampe fordert den AfD-Kreisvorsitzenden Robert Rankl auf, sich zu den Vorfällen zu äußern. Einem Aktivisten sei von Rankl mit Blick auf die Hautfarbe der Zugang verweigert worden, schreibt Hampe, und zitiert die Worte des Kreisvorsitzenden: „Sie sind ganz bestimmt kein AfD-Mitglied.“

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