Lade Inhalte...

AfD-Veranstaltung in Dietzenbach „Das ist doch reine Hetze“

Alexander Gauland, stellvertretender Bundesvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) hat am Freitag vor Mitgliedern des Kreisverbandes Offenbach-Land gesprochen. Gegen die Veranstaltung gab es Protest, vor dem Bürgerhaus, aber auch im Saal selbst.

11.10.2015 18:34
Lisa Bergmann
Security-Mitarbeiter drängen bei der Dietzenbacher AfD-Veranstaltung einen linken Aktivisten aus dem Saal im Bürgerhaus. Foto: peter-juelich.com

Die Polizei hatte den Platz vor dem Bürgerhaus in Dietzenbach weiträumig abgesperrt. Eine Security-Firma führte am Eingang Personenkontrollen durch und durchsuchte Handtaschen. Trotzdem, ein paar Protestler schafften es in den Saal hinein, wo Alexander Gauland, stellvertretender Bundesvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD), am Freitag vor Mitgliedern des Kreisverbandes Offenbach-Land sprach. Erst in der anschließenden Diskussionsrunde machten sie sich bemerkbar.

Nach eineinhalb Stunden, in denen neben Gauland auch andere Sprecher vehement gegen die Zuwanderung von Asylsuchenden argumentiert haben, hat Stefanie W. eine Frage: „Wenn Deutschland sich abschottet, was soll dann mit den Asylsuchenden passieren? Sollen sie in ihrer Not und ihrem Elend alleingelassen werden?“ Mit einer ernstzunehmenden Antwort habe sie nicht wirklich gerechnet, sagt sie hinterher. Mit der aggressiven Reaktion des Publikums wohl auch nicht. W. wird ausgebuht, vom Moderator wird ihr das Wort abgeschnitten. „Geh doch erst mal arbeiten, verdien’ dein eigenes Geld“, grölen die AfD-Anhänger.

Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik

Stefanie W. gehört zu den Jungsozialisten (Jusos), die an diesem Abend hier sind, um gegen die AfD zu protestieren. „Wir wollen gerade hier in Dietzenbach rechte Parolen verhindern“, sagt Kevin Massoth, ebenfalls Mitglied der Jusos, der den Protest mit organisiert hat. „Dietzenbach ist vielfältig, hier leben viele Kulturen friedlich miteinander, das soll so bleiben“, sagt er. Zwei andere Protestler haben es ebenfalls an den Kontrollen vorbei geschafft, „Nazis raus“ rufen sie in den Saal.

Die Proteste draußen vor dem Saal bleiben weitgehend friedlich. Etwa 60 Personen sind gekommen, um gegen die AfD zu demonstrieren. Alexander Gauland bleibt davon offenbar weitestgehend unberührt. Auf W.s Frage reagiert er mit einer Gegenfrage: „Was ist denn Ihre Alternative, was würden Sie mit den Asylsuchenden tun?“

Geht es nach der AfD, sollen auf jeden Fall nicht noch mehr von ihnen ins Land kommen. Insbesondere an der Asylpolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel übt Gauland immer wieder massive Kritik. Nur wenige Stunden vor seinem Vortrag in Dietzenbach hatte er gemeinsam mit der Vorsitzenden der AfD, Frauke Petry, bekannt gegeben, Strafanzeige gegen Merkel gestellt zu haben, wegen „Schleuserkriminalität“.

Dass Merkel im September Tausende Flüchtlinge, die über Ungarn und Österreich gekommen waren, über die deutsche Grenze gelassen hatte, sei ein krimineller Akt gewesen. „Natürlich hat die Strafanzeige auch einen gewissen symbolischen Charakter“, sagt Gauland am Abend, „aber ich hoffe trotzdem, dass die Staatsanwaltschaft sich etwas einfallen lässt. Sie ist schließlich Recht und Gesetz verpflichtet.“

AfD-Wähler aus Überzeugung

Dem Publikum in Dietzenbach ist die Strafanzeige einen donnernden Applaus wert, genau wie sämtliche Spitzen gegen die Bundesregierung mit Zustimmung quittiert werden. Das eigentliche Thema von Gaulands Vortrag ging angesichts der Diskussion über die Asylsuchenden etwas unter. Dennoch warb Gauland unter dem Titel „Verwerfungen der Außenpolitik“ eine halbe Stunde lang um Verständnis für Putins Politik, insbesondere für die Annexion der Krim. „Die Russen fordern, auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden.“ Natürlich sei die Annexion ein Völkerrechtsbruch gewesen, bei der Eurorettung sei aber ebenso Völkerrecht gebrochen worden: „Merkel hat den Maastricht-Vertrag in die Toilette geworfen.“

Deutliche Worte angesichts der Flüchtlingskrise findet auch der Sprecher der hessischen AfD, Rolf Kahnt. „Es geht um unsere nackte Existenz“, sagt er, man stehe vor einem „Supergau“. Er fordert den sofortigen Rücktritt Merkels und der gesamten Bundesregierung. Sie seien „links-grüne Ideologen, die uns für dumm verkaufen wollen“. Neuwahlen seien absolut notwendig. „Das ist doch die reine Hetze“, kommentiert eine Besucherin solche Aussagen. „Ich bin politisch neutral und aus ehrlichem Interesse hergekommen“, sagt sie. Ihr Vater sei AfD-Wähler, ihm würde sie nun einen Wechsel der politischen Ausrichtung ans Herz legen.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum