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AfD-naher „Herkules-Kreis“ Geschlossene Gesellschaft mit Höcke

Die neue AfD-nahe Gruppierung „Herkules-Kreis“ tritt in Hessen mit dem AfD-Rechtsausleger Björn Höcke auf. Auch Wolfgang Hübner ist unter den Gästen.

Gegendemonstranten versammeln sich in Ludwigsau-Friedlos. Foto: Danijel Majic

Den „Star des Abends“ bekommt die Presse nur kurz zu Gesicht. Pünktlich um 18.30 Uhr fährt eine schwarze Limousine mit Erfurter Kennzeichen die steile Nachtigallstraße in Ludwigsau-Friedlos hoch, biegt rechts ein und hält wenige Meter vor den Bürgerstuben, einer von zwei Gaststätten im Ort. Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) im thüringischen Landtag und Aushängeschild des rechten Parteiflügels, steigt aus, wechselt das Sakko und eilt in den großen Saal des Restaurants, wo etwa 60 Zuhörer auf ihn warten. „Eine gute Rede“ wolle er halten, ruft er den Pressevertretern zu, „und gute Reden hören“. Dann verschwindet er hinter der Glastür, an der ein mit Filzstift beschriebener Zettel hängt: „Heute geschlossene Gesellschaft“.

Die „geschlossene Gesellschaft“, die sich an diesem Abend in dem gerade einmal 1600 Einwohner zählenden Ortsteil Friedlos trifft, ist der Einladung einer neuen AfD-nahen Gruppierung gefolgt, die sich den Namen „Herkules-Kreis“ gegeben hat – benannt nach dem Wahrzeichen der Stadt Kassel. Sie versteht sich als Forum, das zwar „überwiegend von AfD-Mitgliedern getragen wird“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt, jedoch allen „politisch Interessierten des freiheitlich-konservativen Milieus“ offenstehen soll. Und für die erste Publikumsveranstaltung des Kreises hat man aus Sicht der Organisatoren gleich einen echten Hochkaräter gewinnen können.

„Björn Höcke in Kassel“, wie es in der Überschrift der Einladung heißt, stimmte dann doch nicht ganz. Der Kreis hat sich für einen Veranstaltungsort rund 70 Kilometer südöstlich der nordhessischen Metropole entschieden. Vielleicht weil man in der Großstadt mit mehr als den etwa 60 Gegendemonstranten hätte rechnen müssen, die abgeschirmt von einem kleinem Polizeiaufgebot am anderen Ende der Straße gegen Höckes Auftritt protestieren.

Heiner Hofsommer mischt mit

Wahrscheinlich aber hängt die Wahl des Ortes vor allem mit Heiner Hofsommer zusammen. Der 70-jährige ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete und Mitgründer der AfD in Hessen nimmt für sich in Anspruch, als Erster Höckes politisches Talent erkannt, Deutschlands derzeit populärsten politischen Rechtsausleger entdeckt zu haben. So schilderte er es stolz in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. An diesem Freitagabend ist Hofsommer nicht so gut auf die Presse zu sprechen. Mehrfach fordert er Reporter und Fotografen auf zu gehen. Es handele sich um eine „private Veranstaltung“.

Den Weg zu der „privaten Veranstaltung“ findet derweil fast alles, was in Hessen politisch zwischen dem rechten Rand der CDU und der NPD angesiedelt ist. Der Frankfurter Stadtverordnete Wolfgang Hübner von den Bürgern für Frankfurt (BFF) ist ebenso mit von der Partie wie Axel von Baumbach aus dem nahen Kirchheim. Der Forstassessor war im März für die AfD in den Kreistag Hersfeld-Rotenburg gewählt worden, hatte das Mandat jedoch nicht angetreten, nachdem die FR seine Vergangenheit in der rechtsextremen Reichsbürgerbewegung publik gemacht hatte.

Aus Neuhof bei Fulda reist mit Jens Mierdel ein junger AfD-Kreistagsabgeordneter an, der zumindest in der Vergangenheit bei der vom hessischen Verfassungsschutz beobachteten „Identitären Bewegung“ mitgemischt hat. Auch ein Vertreter der relativ neuen Gruppierung „Bündnis Deutscher Patrioten“, die sich in den sozialen Netzwerken als eine Art Best-of rechter Deutungsmuster präsentiert, jedoch ohne den intellektuellen Anspruch anderer rechter Gruppen, ist vor Ort.

„Wenn wir gesellschaftliche Veränderungen in diesem Land erreichen wollen, können wir nicht nur auf Parteien setzen“, sagt Andreas Lichert, Beisitzer im Landesvorstand der AfD und Mitorganisator der Veranstaltung. Es gehe darum, in den „vorpolitischen Raum“ zu wirken.

Was Lichert beschreibt, ist seit mindestens einem Jahrzehnt das selbst gesteckte Ziel der „Neuen Rechten“ um das „Institut für Staatspolitik“ des rechten Publizisten Götz Kubitschek, zu dem Björn Höcke enge Verbindungen unterhält. Die von Kubitschek mitgegründete Einprozentinitiative, eine gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung gerichtete Vernetzungsplattform, hatte die Veranstaltung in Friedlos ebenfalls beworben. Lichert selbst versuchte in den vergangenen Jahren mit seiner Projektwerkstatt Karben, die als Anlaufpunkt für Autoren und Aktivisten aus dem Umfeld des IfS diente, in den „vorpolitischen Raum“ zu wirken.

Wie weit dieses Wirken reicht, wen es alles einschließt, lassen die Organisatoren wohl absichtlich im Unklaren. Immer wieder verlassen Teilnehmer der Veranstaltung den Saal, um zu rauchen. Bei vielen klemmt die aktuelle Ausgabe des rechtsextremen Monatsmagazins „Zuerst“ unterm Arm. Vor der Bürgerstube schüttelt derweil Nurhan Gözcü von der „Neuen Bürger Liste“ (NBL) in Bad Hersfeld ungläubig den Kopf. „Bei der nächsten Sitzung sitzt er dann wieder neben uns und tut so, als wäre nichts gewesen“, empört sie sich. Sie hat ein Mitglied ihrer Wählervereinigung erkannt, das ebenfalls an dem Treffen der Rechten teilnimmt.

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