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AfD-Jugend AfD-Mann mit rechtsextremen Kontakten

Recherchen der FR haben ergeben, dass Patrick Andreas Bauer, Vorstandsmitglied der AfD-Jugend, Kontakte zu der neurechten „Identitären Bewegung“ hatte.

Die "Identitären" beteiligen sich an vielen rassistischen Demonstrationen. Auf diesem Foto gingen sie, gemeinsam mit Nazis und Pegida-Aktivisten, in Wetzlar auf die Straße. Foto: peter-juelich.com

Es war keine leichter Parteitag für die Junge Alternative Hessen. Eigentlich hatte sich der Parteinachwuchs der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) am vergangenen Samstag in der Gießener Stadthalle treffen wollen. Doch nachdem Gerüchte die Runde gemacht hatten, dass das Treffen für einen Schulterschluss der Parteijugend mit Rechtsextremisten genutzt werden solle, hatten linke Gruppen zu Gegenprotesten aufgerufen. Die Junge Alternative musste an einen unbekannten Ort ausweichen. Ein neuer Vorstand wurde gewählt. Dessen personelle Zusammensetzung könnte den Gerüchten um eine Zusammenarbeit der Jungen Alternative mit rechtsextremen Gruppen neuen Vorschub leisten.

Dem neuen Vorstand gehört mit Patrick Andreas Bauer aus Bad Soden auch ein Mitglied an, das nach Recherchen der Frankfurter Rundschau noch in jüngerer Vergangenheit in Kontakt zur rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) Hessen stand. Die sich selbst als Jugendbewegung bezeichnende Gruppierung wird seit Ende vergangenen Jahres vom hessischen Verfassungsschutz beobachtet. Er begründete die Beobachtung mit „hinreichenden Anhaltspunkten“ dafür, dass die Gruppierung verfassungsfeindliche Ziele verfolge. Zuvor war die im Jahr 2012 in Deutschland ins Leben gerufene „Bewegung“, die der sogenannten Neuen Rechten zuzuordnen ist, bereits mindestens zwei Jahre in Hessen aktiv gewesen.

Nach Kenntnisstand der FR hat Patrick Andreas Bauer, der nicht nur der Jungen Alternative angehört, sondern seit der Kommunalwahl im März auch für die AfD im Kreistag des Main-Taunus-Kreises und im Bad Sodener Stadtparlament sitzt, mindestens an einem sogenannten Stammtisch der Identitären in Frankfurt im Juli 2015 teilgenommen. Bei dem Treffen, das von einem Reporter der FR beobachtet worden war, sollten die organisatorischen Grundlagen für eine Ortsgruppe Rhein-Main der IB diskutiert werden.

Verabredet hatten sich die Aktivisten über eine Whats-App-Gruppe, in der Bauer ebenfalls aktiv war. Die Kommunikation in dieser Gruppe liegt der FR in Auszügen vor. Unter anderem veröffentlichte er dort Fotos von Ortsschildern aus dem Main-Taunus-Kreis, die mit Stickern der Identitären Bewegung versehen wurden. „Irgendwelche Nazis haben im Taunus-Kreis die Schilder entweiht“, schrieb Bauer an die anderen Gruppenmitglieder – versehen mit einem ironisch grinsenden Smiley. Ob Bauer selbst die Aufkleber anbrachte, ist unklar.

Es ist nicht der einzige Kontakt des 21-Jährigen ins rechtsextreme Milieu. Bereits im April 2015 trat er als Redner auf einer Veranstaltung der „Bürger für Deutschland“ auf, dem von Heidi Mund gegründeten Pegida-Ableger in Frankfurt. Weitere Redner an diesem Tag waren unter anderem der rechte Blogger Michael Mannheimer und Esther Seitz vom „Widerstand Ost-West“.

Die Satzung der Jungen Alternative schließt eigentlich die Aufnahme von Mitgliedern aus, die einer Organisation angehören, die als verfassungsfeindlich eingestuft wird. Dennoch sieht der neugewählte Vorsitzende der Jungen Alternative Hessen, Jan Nolte, in Bauers Betätigung bei den Identitären kein Problem.

Zwar habe der Vorstand erst durch die FR-Anfrage von Bauers früheren Aktivitäten erfahren. Doch sein Kontakt zur Identitären Bewegung liege zeitlich vor deren Einstufung als verfassungsfeindlich, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme Noltes. Bauer sei nie Mitglied der Gruppierung gewesen und habe keinen Kontakt mehr zu ihr. Inzwischen distanziere er sich von den Identitären. „Zudem kann Herr Bauer als demokratischer Patriot bezeichnet werden, der fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht“, so Nolte weiter. Bauer selbst stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Bauers Nachrichten in der Whats-App-Gruppe der IB legen nahe, dass er den Kontakt abbrach, nachdem die Identität des Regionalleiters der Identitären durch Berichte der FR bekannt wurde. Der IB warf Bauer zudem Kontakte zur NPD vor.

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