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AfD Hessen mit neuem Vorstand Durchmarsch der Lucke-Gegner

Die AfD Hessen hat einen neuen Vorstand. Keiner der Gewählten zählt zum Parteiflügel des AfD-Bundessprechers Bernd Lucke.

30.05.2015 12:19
Albrecht Glaser (l) nimmt beim Landesparteitag der AfD Hessen die Glückwünsche entgegen, nachdem er mit den meisten Stimmen in den dreiköpfigen neuen Landesvorstand gewählt wurde. Foto: dpa

Die Gegner von AfD-Bundessprecher Bernd Lucke haben bei Vorstandswahlen der Alternative für Deutschland (AfD) in Hessen einen Durchmarsch hingelegt. Zwei Wochen vor einem entscheidenden Bundesparteitag der zerrissenen Partei erhielten sie Unterstützung vom brandenburgischen Parteichef Alexander Gauland. «Wir brauchen den liberalen Flügel, aber ohne Bernd Lucke», sagte der Bundesvize am Samstag in Hofheim am Taunus. Die eurokritische Partei stehe kurz vor dem Abgrund, eine Spaltung drohe. «Ich bin völlig gegen den «Weckruf»», erklärte Gauland unter Applaus der Mehrheit der 350 Delegierten.

Mit dem «Weckruf» versucht Lucke, den liberalen Flügel der Partei zu organisieren und seine Gegenspielerin Frauke Petry zurückzudrängen. Sie zählt wie Gauland zum nationalkonservativen Flügel der AfD. Der Machtkampf soll am 13. Juni bei einem Bundesparteitag in Kassel entschieden werden.

Luckes Unterstützer in Hessen erlitten ihre erste Niederlage, als der Parteitag knapp mit 170 zu 169 Stimmen beschloss, bei drei gleichberechtigten Vorstandssprechern zu bleiben. Einige «Weckruf»-Unterzeichner verließen unter Protest den Parteitag, auf den Korridoren der Stadthalle gab es erregte Diskussionen. «Ich will nicht nach rechts», sagte ein Mitglied aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg. Die Erfahrungen mit einem dreiköpfigen Vorstand seien schlecht, damit könne er sich nicht weiter identifizieren. Die Lucke-Anhänger hatten gehofft, ihren Vertreter Hadi Riedel als einzigen Sprecher durchzusetzen.

Münch kehrt zurück

Bei der Vorstandswahl erzielte der frühere Frankfurter CDU-Kämmerer Albrecht Glaser mit 214 Stimmen das beste Ergebnis. Der Bad Homburger Rechtsanwalt Peter Münch kehrte mit 193 Stimmen in den Vorstand zurück, nachdem ihn das Schiedsgericht der Partei erst im März dieses Amtes enthoben hatte. Grund waren angeblich inkorrekte Angaben über seine Mitgliedschaft bei den Republikanern. Münch hatte nach eigener Darstellung zwar seine Mitgliedschaft ordnungsgemäß angegeben, sich aber beim Datum des Austritt vor mehr als 20 Jahren geirrt. Dritter Sprecher wurde mit 192 Stimmen Rolf Kahnt, AfD-Kreisvorsitzender der Bergstraße.

Kahnt nannte in seiner Bewerbung Luckes Verhalten parteispalterisch. Münch sagte: «Ich bin ein klarer Gegner des «Weckrufs».» Auch die Landesvizes Thomas Orth, Reinhard Stamwitz und Bärbel van Dijk wurden wegen kritischer Äußerungen gegen Lucke ins Amt gewählt. Die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch forderte Lucke zum Rückzug aus: «Wenn man eine neue Partei begründet, kann man die alte nicht führen.»

Für die erst 2013 gegründete AfD in Hessen war es ungeachtet ihrer Wahlerfolge bereits die fünfte Vorstandswahl. Zuletzt war der Vorstand am 18. April in Gießen an Personalquerelen gescheitert. «Wir Hessen waren in der Vergangenheit nicht nur Weltmeister beim Einfahren von Wahlergebnissen, sondern auch beim Verschleiß von Vorständen», sagte der Kreisvorsitzende von Main-Taunus, Harald Oestreich, zur Begrüßung. Er erbat von den Delegierten die Weisheit, die richtigen Leute zu wählen, «und die Gelassenheit, sie auch zwei Jahre im Amt zu lassen».

Bei der Landtagswahl im September 2013 hatte die AfD in Hessen auf Anhieb 4,1 Prozent der Stimmen gewonnen, bei der Europawahl 2014 kam sie auf 9,1 Prozent. Parallel zum Landesparteitag hielt die AfD-Jugendorganisation Junge Alternative in Karben in der Wetterau einen Bundeskongress ab, an dem auch Petry und Gauland teilnahmen. dpa

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