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AfD Hessen AfD-Hessen „ist nicht gesund“

Zäher Parteitag der AfD in Hessen mit wenig Ergebnissen und einem desillusionierten Sprecher. Im Dezember geht das Ringen um einen neuen Vorstand weiter.

AfD-Parteitag
AfD-Delegierte halten in Gießen ihre Stimmzettel nach oben. Foto: Andreas Arnold (dpa)

"Nein, nein, nein“ ruft eine Frau aus dem Publikum. Albrecht Glaser tritt ans Mikro und plädiert für Vertagung. Und die Delegierten folgen ihrem Sprecher: Der AfD-Hessen gelingt es am Wochenende nicht, einen neuen Vorstand zu wählen. Das Wochenende des dritten Advents, der 16. und 17. Dezember ist jetzt der Termin, an dem das geschehen soll. Ein Weihnachtswochenende also. „Schlecht für Familien“, bedauert eine Frau. Doch die Halle ist reserviert, der Termin die einzige Chance, versichert Versammlungsleiter Helmut Gras (Kassel). Nach einer längeren emotionalen Debatte wird das Ganze dann doch noch vertagt.

Pleiten, Pech, Pannen: Die AfD-Hessen bleibt sich treu. Auch der Landesparteitag am Wochenende strapazierte wieder die Geduld aller Teilnehmer. Allein für die Wahl ihrer Vertreter beim Bundesparteitag Anfang Dezember brauchten die mehr als 200 Delegierten in Gießen den gesamten Samstag bis 22 Uhr. Am Sonntag setzen sie den Vorgang bis in den Nachmittag hinein fort. Unterschied gegenüber dem Samstag: Wenigstens funktionierte nun die elektronische Abstimmung. Für die 51 Sitze gab es mehr als doppelt so viele Bewerber.

Einer der drei Noch-Sprecher Peter Münch hatte der Frankfurter Rundschau noch vor wenigen Tagen gesagt, er könne sich eine Kandidatur für den Landtag vorstellen. Am Sonntag gab er sich desillusioniert. Das Wahlergebnis für die Bundesdelegierten wertete er als Beleg dafür, dass Albrecht Glaser das Zepter alleine in der Hand halten wolle. „Der Landesverband ist nicht gesund“, sagte Münch der Frankfurter Rundschau am Rande des Parteitags, bei dem Glaser Münch offen der Sabotage bezichtigt hatte. „Der Zustand ist noch schlimmer, als in der CDU.“ Die jetzt in den Vorstand drängten seien Leute, die ihr Studium geschmissen oder beruflich erfolglos geblieben seien. „Die sehen die Arbeit als Geschäftsmodell“, sagte der Bad Homburger Rechtsanwalt. „Nach viereinhalb Jahren ist die AfD nicht besser, als die Altparteien.

Zum Auftakt am Samstag hatte Hessens AfD-Sprecher Glaser seine Partei aufgefordert, die internen Streitigkeiten zu beenden. Die Alternative für Deutschland habe nach ihrem Einzug in den Bundestag die Chance, Volkspartei zu werden, „wenn wir es nur wollen und uns selber nicht beschädigen“, sagte Glaser, der im September in den Bundestag gewählt worden war. „Interne Streitereien und Fallenstellereien bringen uns nicht weiter.“ Es sollte ein ehrlicher und offener Umgang miteinander herrschen. „Und das muss der leitende Stil unserer täglichen Parteiarbeit werden.“

Vor dem Bürgerhaus in Gießen-Wieseck demonstrierte Samstagmorgen eine kleine Gruppe von Gewerkschaftern und linken Aktivisten gegen die Ziele der Rechtspopulisten. „Für bunte Vielfalt statt brauner Einfalt“ und „Aufstehen gegen Rassismus“ stand auf den Transparenten. „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“, riefen die Demonstranten am Eingang des Tagungsortes.

Für die Nachfolge der drei amtierenden Parteisprecher Glaser, Münch und Rolf Kahnt lagen zu Beginn der Delegiertenversammlung fünf Bewerbungen für die Sprecherposten vor. Die drei amtierenden Sprecher wollen nicht mehr für die Posten antreten. Zu den Bewerbern zählen Schatzmeister Robert Rankl (Wiesbaden) und Beisitzer Andreas Lichert (Wetterau). Entscheiden werde die AfD-Hessen im Dezember auch, ob sie die Führungsriege künftig auf zwei Sprecher verkleinern soll. Die AfD hat in Hessen rund 2450 Mitglieder. Bei der Bundestagswahl in Hessen bekam sie 11,9 Prozent der Stimmen. In Hessen wird in einem Jahr ein neuer Landtag gewählt. Die AfD-Kandidaten sollen im Frühjahr nominiert werden. (mit dpa)

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