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Ärzte in Hessen Ärzte sperren sich gegen noch mehr Arbeit

Die Gesetzespläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Mindestzahl der Sprechstunden zu erhöhen, stoßen bei Ärzten in Hessen auf Widerstand.

Arztbesuch
Der Bundesgesundheitsminister will Patienten schneller zum Arzttermin verhelfen. Foto: imago/imagebroker

Patienten sollen schneller einen Arzttermin bekommen. Was Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant, stößt auf Widerstand bei der Vertretung der hessischen Kassenärzte: „Wir strafen jetzt die, die schon am Anschlag sind“, sagte Eckhard Starke, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen am Dienstag der Frankfurter Rundschau. „Wir haben definitiv zu wenige Ärzte.“ Darauf liefere Spahn ebenso wenig eine Antwort, wie auf ein grundsätzliches Problem: „Wir haben definitiv eine wachsende Unsicherheit der Menschen, mit leichten Befindungsstörungen umzugehen, verbunden mit einer hohen Anspruchshaltung.“

Am Montag hatte Spahn die Details zu dem im Koalitionsvertrag vereinbarten geplanten Gesetz vorgestellt, das im Frühjahr in Kraft treten soll: Die Mindestzahl der wöchentlichen Sprechstunden sind von 20 auf 25 anzuheben. Bestimmte Fachärzte müssen mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunden abhalten, das heißt ohne Terminvergabe. Die KV des jeweiligen Bundeslands hat dies zu kontrollieren.

Das sei nicht praktikabel, konterte Starke: „Wir können nicht Arztpraxen in der weiten Peripherie überwachen, ob die Praxisinhaber zusätzlich zur 50 bis 60 Stundentätigkeit noch spät abends oder am Wochenende ihren Laden aufmachen.“ Und offene Sprechstunden gebe es bei Hausärzten bereits. Für Fachärzte hingegen seien sie, je nach Richtungen, manchmal einfach nicht praktikabel.

Spahn hat aber noch mehr vor, als die Ärzte zu Mehrarbeit zu verdonnern, wofür sie allerdings auch mehr Geld bekommen. Bis zu 600 Millionen Euro wird das den Beitragszahler kosten. Die von der KV ungeliebten Terminservicestellen müssen künftig auch Kinder- und Hausärzte vermitteln. Sie sind dann über die bundesweit einheitliche Nummer des ärztlichen Bereitschaftdienstes 116 117 erreichbar, der rund um die Uhr besetzt ist. Derzeit vermittelt die Servicestelle zu den üblichen Bürozeiten lediglich Termine bei Fachärzten und das Erstgespräch beim Psychotherapeuten.

Laut KV gehen derzeit durchschnittlich 260 Anrufer pro Tag dort ein. Pro Woche würden 136 Termine für das Erstgespräch beim Psychotherapeuten vermittelt. Weitere Schwerpunkte seien die Neurologie mit 43 und die Radiologie mit 20 Terminen. Auch dafür sieht KV-Vorstandschef Starke weniger einen Bedarf als eine gesellschaftliche Fehlentwicklung. Schuld seien die Patienten mit ihrer „immer weiter steigenden Anspruchshaltung“. So erklärten sich die Klagen von Eltern über angeblichen Kinderarztmangel. Ähnliches sei teilweise bei der hausärztlichen Versorgung und anderen Fachgruppen zu beobachten. Das sei der Grund dafür, dass die Wartezeiten sich verlängern können.

Diesen Zusammenhang ignoriere der Bundesgesundheitsminister, statt ihn durch effektive Steuerung des Patienten anzugehen, kritisiert Starke. „Stattdessen lautet die Antwort von Herrn Spahn: Liebe Ärztinnen und Ärzte, arbeitet doch einfach noch ein bisschen mehr.“

Mehr Infos gibt es im Internet unter  www.kvhessen.de.

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