Lade Inhalte...

Adoption Mann scheitert mit Adoptionsantrag

Das Oberlandesgericht Frankfurt lehnt eine Erwachsenen-Adoption ab. Beantragt hatte sie ein Geschäftsmann, der einen 36 Jahre alten Mann aus dem Kosovo als Sohn annehmen und ihn als Nachfolger in seinem Betrieb aufbauen will. Es läuft noch eine Petition im Hessischen Landtag.

Das Amtsgericht Frankfurt hat eine Prostituierte frei gesprochen. Foto: ddp

Christoph Gails Hoffnungen auf Weihnachten als richtige Familie haben sich zerschlagen. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat seinen Antrag auf Erwachsenen-Adoption von Musa Limani abgelehnt. Der Geschäftsmann aus Dillenburg wollte den 36-jährigen Mann, der aus dem Kosovo stammt, auch rechtlich als seinen Sohn annehmen und als Nachfolger in seinem Betrieb aufbauen.

In der mündlichen Verhandlung Ende Oktober konnte der 55-Jährige die Richterin offenbar nicht davon überzeugen, dass tatsächlich eine echte Vater-Sohn-Beziehung entstanden ist. Die Qualität der Beziehung ist entscheidend für eine Erwachsenen-Adoption. Allein Erbschaftsfragen oder ausländerrechtliche Belange sind kein ausreichender Grund, dass Gerichte der Adoption eines Erwachsenen zustimmen. Dass Musa Limani schon seit rund zwei Jahren im Haus von Christoph Gail in Dillenburg lebt, reichte dem Gericht als Indiz offenbar ebenso wenig aus, wie die Einschätzung des Notars, der den Adoptionsantrag protokolliert hatte und für den die Vater-Sohn-Beziehung glaubhaft war.

Musa Limani kam vor fünf Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland. Sein leiblicher Vater hatte bereits sei den 80er Jahren in Deutschland gearbeitet und war vor zwölf Jahren gestorben. Vor fünf Jahren hatte Limani eine Deutsche geheiratet und damit eine Aufenthaltsgenehmigung zwecks Familienzusammenführung erhalten. Doch die Ehe hielt nur zweieinhalb Jahre. Erst nach drei Jahren hätte Limani eine eigenständige Aufenthaltsberechtigung erhalten. Als die Ehe scheitere, lernte Musa Limani seinen künftigen Wunsch-Vater kennen, die beiden freundeten sich an. Christoph Gail hat keine eigenen Kinder, lebt in einer stabilen homosexuellen Partnerschaft und brauchte dringend Hilfe in seiner Firma, einer Golfmanufaktur, die europaweit Schilder, Möbel und Zubehör für Golfplätze verkauft.

Bis Januar keine Abschiebung

Er führte den 36-Jährigen als seinen Nachfolger bei den Kunden ein, hatte ihn Ende November im Handelsregister Wetzlar sogar als Führungskraft mit Einzelprokura eintragen lassen. „Ich brauche ihn dringend“, sagt Gail, der fest mit der Adoption gerechnet hatte, „ich weiß nicht mehr, was ich noch machen soll.“

Der gelernte Heizung- und Klimabauer hatte 2010 einen schweren Unfall mit Schädelbruch und ist seitdem auf einem Ohr fast taub. Gail will alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, damit Musa Limani bei ihm bleiben kann. So steht derzeit noch eine Entscheidung in einem Hauptverfahren aus, in dem Limani gegen den Lahn-Dill-Kreis wegen Androhung der Abschiebung und Ablehnung der Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis klagt. Außerdem läuft noch eine Petition im Hessischen Landtag.

Bis darüber entschieden ist, kann Musa Limani wohl noch in Deutschland bleiben, obwohl seine Duldung zunächst nur bis vergangenen Montag galt.

Reinhard Strack-Schmalor, Verwaltungsdirektor beim Lahn-Dill-Kreis, will sich nicht zu dem Fall äußern. Da seine Behörde derzeit mit der Anwältin verhandle, sei Stillschweigen vereinbart worden. Nur so viel kann er versichern: „Solange noch Petitionsverfahren anhängig sind, wird niemand abgeschoben“, sagt er. Und mit einer Entscheidung des Landtags sei frühestens im Januar zu rechnen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum