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Abtreibung Kristina Hänel erhält Ehrenpreis

Die Gießener Ärztin Kristina Hänel erhält den Olympe-de-Gouges-Ehrenpreis.

Olympe des Gouges
Anerkennung für eine „Vorbestrafte“: die Ärztin Kristina Hänel, links Ulli Nissen von den SPD-Frauen. Foto: Rolf Oeser

Wer die Flyer, die die Allgemeinmedizinerin Kristina Hänel auf ihrer Webseite zur Verfügung stellt, auf werbesprachliche Kriterien untersucht, wird enttäuscht. Kein: „Abtreibung ist geil!“ Kein: „Stillst du schon oder lebst du noch?“ Kein: „Hier werden Sie geholfen!“ Statt knackiger Alliterationen und suggestiver Fragen wird darin in sachlich-informativem Ton aufgeklärt. Über die Blutregeltherapie – genauso wie zum Thema Schwangerschaftsabbruch.

Seit vielen Jahren kann jede/r sich auf der Homepage von Kristina Hänel eine Infobroschüre diskret per E-mail zusenden lassen. Darin wird über die Vorgehensweise bei chirurgischem oder medikamentösem Schwangerschaftsabbruch, mögliche Komplikationen und gesetzliche Voraussetzungen aufgeklärt. Das wurde beim Gießener Gericht nach Paragraf 219 a als „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“ eingestuft und brachte der Medizinerin eine Verurteilung und Vorstrafe ein. Für ihr Engagement wurde ihr am vergangenen Sonntag aber auch der 16. Olympe-de-Gouges-Ehrenpreis verliehen.

„Obwohl es sie in eine schwierige persönliche Lage brachte, bietet die Preisträgerin den Service für betroffene Frauen nach wie vor an. Damit hat sie eine breite Debatte um die längst überfällige Abschaffung des Paragrafen angestoßen“, sagt Ulli Nissen (SPD), die den Preis im Namen der sozialdemokratischen Frauen in Frankfurt und Südhessen verleiht. Knapp 100 Gäste, größtenteils Frauen, haben sich dazu im Panoramasaal der Evangelischen Akademie eingefunden.

Geld geht an „Medical Students for Choice“

Der Olympe-de-Gouges-Ehrenpreis ist nach einer Frauenrechtlerin benannt, die während der Französischen Revolution die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ verfasst hat. Ihr Engagement hat sie das Leben gekostet. In jedem Jahr wird eine Person ausgezeichnet, die mit ihrer Tätigkeit anderen Frauen Mut macht und Vorbild ist. Auch die Preisträgerin von 2015, Ortrud Georg-Pathe, ist anwesend. Sie unterstützt Frauen, die mit Kindern im offenen Vollzug leben. Der Preis ist undotiert, aber mit einer Spende verbunden.

Die diesjährige Preisträgerin lässt das Geld den „Medical Students for Choice“ an der Berliner Charité zukommen. „Für ihren jahrzehntelangen Einsatz, ihre Unbeirrbarkeit und Uneigennützigkeit hat sich Kristina Hänel diese Auszeichnung wirklich verdient. Sie ist eine Pionierin und Kämpferin für Frauen in Konfliktsituationen“, sagt Dietlind Grabe-Bolz (SPD), Laudatorin und Oberbürgermeisterin von Gießen.

„Sie hat den Schwangerschaftsabbruch aus der Schmuddelecke geholt. Die Anfeindungen, denen sie ausgesetzt ist, sind ihrer unwürdig.“ Vielfach wird sie als Kindsmörderin und Menschenfeindin beschimpft. Trotz zahlreicher Hetzkampagnen lässt sich die Ärztin nicht einschüchtern und schon gar nicht von ihrem Vorhaben abbringen: das Recht auf Information für Frauen durchsetzen und den Paragraf 219a abschaffen. „In dem Moment, wo ich geehrt werde, bekommen alle betroffenen Frauen ihre Würde zurück“, nimmt sie sichtlich stolz ihre Auszeichnung entgegen. Die gebürtige Kasselerin, heute fünffache Großmutter, lebt auf einem Hof bei Gießen.

Bis vor das Bundesverfassungsgericht will Kristina Händel ziehen. „Ich werde weiter kämpfen. Anders als zur Zeit von Olympe de Gouges gibt es heute keine Guillotine mehr.“ Auch Dietlind Grabe-Bolz bekräftigt sie darin. „Justitia ist schließlich eine Frau, es gibt also noch Hoffnung.“

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