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Abschiebungen nach Afghanistan „Die Angst geht um bei Afghanen“

Flüchtlingsberater und die Linke im hessischen Landtag fordern von der Landesregierung ein Abschiebestopp nach Afghanistan. Ein Abschiebeflug mit 14 Afghanen ist in Kabul eingetroffen.

Demo gegen Abschiebung
Demonstration gegen Abschiebung von Geflüchteten nach Afghanistan. Foto: peter-juelich.com

Flüchtlingsberater, die traumatisierten Menschen helfen, appellieren an die hessische Landesregierung, Geflüchteten aus Afghanistan eine sichere Bleibeperspektive zu bieten. Ein Abschiebeflug nach Afghanistan, der am Frankfurter Flughafen startete, hat am Mittwochmorgen Kabul erreicht. 14 Afghanen aus dem gesamten Bundesgebiet sollen sich darin befunden haben. Die Abschiebungen nach Afghanistan waren am Mittwoch auch Thema im hessischen Landtag.

„Die Angst geht um in der afghanischen Community, denn sie erleben die Abschiebungen als existenzielle Bedrohung und fürchten um ihr eigenes Leben“, heißt es in einem Schreiben des Vereins Fatra aus Frankfurt, das am Dienstag veröffentlicht wurde. Fatra ist die Abkürzung für den „Frankfurter Arbeitskreis Trauma und Exil“. Der Verein, der vor 25 Jahren gegründet wurde, bietet Flüchtlingen und Folteropfern psychosoziale und psychotherapeutische Beratung und Unterstützung an.

Seit vor zwei Jahren Abschiebungen nach Afghanistan aufgenommen worden seien, wendeten sich immer mehr afghanische Geflüchtete wegen gravierender psychischer Symptome an Fatra. Diese Menschen berichteten über massive Grausamkeiten und erschreckende Gewalt, die sie selbst erlebt hätten und die ihnen weiterhin gedroht hätte, wenn sie nicht aus ihrem Land geflohen wären. „Die Angst, dass auch sie abgeschoben werden könnten, reaktiviert die psychischen Traumafolgestörungen“, stellt Fatra fest. Die Folge seien Konzentrationsstörungen, psychosomatische Folgeerscheinungen, ständige quälende Erinnerungen an die erlebte Gewalt, Schlafstörungen, Alpträume und anhaltende Ängste.

„Dies beeinträchtigt auch bisher schon erreichte Integrationsschritte massiv“, heißt es in dem Schreiben, das von der Vereinsvorsitzenden Barbara Wolff, einer Fachärztin, unterzeichnet ist. Lernerfolge in der Schule und im Deutschkurs gingen zurück, „bei manchen führt jeder Schritt in die Öffentlichkeit zu massiven Ängsten“.

Linke im hessischen Landtag fordert Abschiebestopp

Nach den Beobachtungen von Fatra zerbrechen soziale Beziehungen. „Hoffnungen auf ein neues Leben in Frieden werden erschüttert und das zerstört Motivationen, sich zu engagieren“, schreibt die Vereinsvorsitzende weiter. Die schwarz-grüne Landesregierung solle sich daher für einen generellen Abschiebestopp nach Afghanistan einsetzen.  

Bei der Debatte im Landtag am Mittwoch  verurteilte die Linken-Fraktion  die Abschiebungen nach Afghanistan.  Die Fraktionsvorsitzende Janine Wissler forderte in Wiesbaden, Hessen müsse bei Asylanträgen vorhandene Spielräume ausschöpfen und Flüchtlingen einen sicheren Aufenthalt bieten. Niemand solle nach Afghanistan abgeschoben werden. Gerade bei Jugendlichen, die zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen, bestünden weitere Ermessensspielräume. „Im Interesse der Betroffenen und im Sinne einer humanitären Asylpolitik sollten die Möglichkeiten genutzt werden, sagte Wissler.

Abschiebeflug am Frankfurter Flughafen gestartet

Am Dienstagabend war vom Frankfurter Flughafen ein Abschiebeflug mit 14 Afghanen gestartet. Er erreichte Kabul am Mittwochmorgen. Bei den Abgeschobenen soll es sich um verurteilte Straftäter handeln. Gegen die Abschiebung der Afghanen protestierten am Dienstagabend mehrere Initiativen. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl nannte eine Weiterführung von Abschiebungen nach Afghanistan in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung unverantwortlich. Angesichts weiterer großer Anschläge in den vergangenen Wochen in der Hauptstadt Kabul oder mehrerer Entführungen auf Überlandstraßen würden die Risiken für Abgeschobene immer größer. (mit dpa)

 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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