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Abrissstart des Technischen Rathauses Ende eines Frankfurter Stadtkapitels

Seit Wochen schon ist das Technische Rathaus eingerüstet und ausgehölt, aber zugeschlagen haben die Bagger bislang noch nicht. Am Montag morgen war es nun so weit. Felix Helbig war dabei.

12.04.2010 13:04
Felix Helbig
Die Bagger haben ihren erste Bisse am Technischen Rathaus getan - ein Stück Stadtgeschichte schwindet damit. Foto: FR/Boeckheler

Zugig ist es zwischen Kunsthalle Schirn und Bauzaun. Ein kalter Wind pfeift über die Köpfe, vielleicht zum letzten Mal. Der triste Ort wird getilgt. Bald wird es warm und behaglich sein in Frankfurts wieder aufgebauter Altstadt, wenn das Technische Rathaus erst einmal gefallen ist. An der Schirn-Rotunde stehen erwartungsfrohe Menschen, ein Stand ist aufgebaut, es gibt Apfelsekt und Würstchen, punkt halb zehn kommt die Oberbürgermeisterin vom Römer herübergelaufen. "Guten Morgen", sagt Petra Roth, als sei dies ein ganz normaler Montag.

Der symbolischste aller städtebaulichen Akte war bislang der Spatenstich, klein und fein, einen Anfang markierend. Seit diesem Montag hat er einen gewaltigen großen Bruder: den Baggerbiss. Unter diesem Stichwort hat Michael Guntersdorf, der Geschäftsführer der eigens gegründeten Dom-Römer GmbH, ans Technische Rathaus geladen. Seit Wochen schon ist es eingerüstet und ausgehölt, aber gebissen haben die Bagger noch nicht. Guntersdorf steht in einer Tür im Bauzaun; er leitet den Tross durch das Abrisshaus. Der Bagger wird oben auf dem Dach beißen und nach einer fünf Jahre währenden Debatte ein Ende markieren und einen Anfang zugleich. Das Technische Rathaus fällt und macht Platz für die alte neue Altstadt. Über dem Eingang zum alten Betonkoloss fehlt im Schriftzug "Technisches Rathaus" schon das "che", womöglich walten also noch andere Kräfte als nur Baumaschinen.

OB erschlägt beinahe halbe Frankfurter Fotografenschaft

Petra Roth klettert die Stufen hinauf in den dritten Stock. Ein ganz kleiner Bagger steht dort auf dem Dach, einen Meißel hat er vorne montiert. Er beißt also gar nicht, er klopft. Roth steigt ein, die Maschine röhrt, der Bagger klopft, die Fotografen drängeln. "So, nochmal", ruft Roth, "macht Spaß". Nachdem sie ein wenig symbolisch gebröselt und mit einem fetten Betonbalken beinahe die halbe Frankfurter Fotografenzunft erschlagen hat kraft ihres Baggermeißels, steigt sie wieder aus, lächelt. Man spüre "den Widerstand, den man überwindet", sagt Roth, "die Vibration". Ein Satz, wie in Stein gemeißelt nach fünf Jahren der Debatte um den Wiederaufbau dieser Altstadt.

Vorn am Geländer ist ein Mikrofon aufgestellt, die Oberbürgermeisterin spricht vom Dach hinab zu den Gästen am zugigen Apfelweinsektstand. "Ein bewegender Moment" sei das für die Stadt, sagt Roth, aber auch für sie selbst, die hier 1977 als junge Stadtverordnete die ersten Sitzungen erlebte und durchaus "häufig Bier getrunken" habe im Technischen Rathaus. Schicht um Schicht werde nun abgetragen, das Baumaterial wiederverwendet, man werde schonend abreißen. Keine Kritik wolle sie üben an jenen, die damals das Haus erbauten, "aber heute haben wir eine Generation, die auch zurückschauen mag und das haben wir unterstützt". Zwischen Dom und Römer werde nun "ein altes Herz mit frischem Blut" entstehen.

In die vielen Kameras muss Roth danach vor allem die Frage nach dem Geld beantworten und ob Frankfurt sich das denn alles leisten könne? "Ja", sagt Roth knapp, es gebe ja keine Neuverschuldung und einen ausgeglichen Haushalt. "Kurz gesagt", ergänzt der neben ihr stehende Stadtkämmerer Uwe Becker, "es hat sich gelohnt, dass wir sie damals gewählt haben".

Dann ist er vorüber, der Baggerbiss. Gegenüber an der Schirn hängt ein Transparent, "Ende schön, alles schön", steht darauf. Es gilt aber einer Ausstellung und gar nicht dem Baggerbiss.

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