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20 Jahre Ikonenmuseum Die Wahrheit über Dr. Jörgen Schmidt-Voigt

Der in Frankfurt geborene Mediziner, der es als Herzspezialist zu Weltruf brachte, war ein Tausendsassa, ein Arzt und Musiker und Sammler. Ihm ist die Existenz des Ikonenmuseums zu verdanken.

20.04.2010 00:04
Täuschend echt: der Beuys à la Schmidt-Voigt. Foto: Ikonenmuseum Frankfurt

Zu den vielen wunderbaren, aber weitgehend vergessenen Geschichten über Jörgen Schmidt-Voigt zählt jene, in der er der Stadt Frankfurt einen selbstgemachten Beuys andrehen wollte als Köder für seine Ikonensammlung. Schnell gebastelt hatte er dieses Werk, ein altes Brett genommen, ein paar rostige Nägel eingeschlagen, drumherum mit Kautschuk-Hundehäufchen garniert, die er im Scherzartikelladen gekauft hatte. Der einstige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann, Kämmerer Ernst Gerhardt und Oberbürgermeister Wolfram Brück waren Feuer und Flamme. Die Ikonensammlung sollte es umsonst obendrauf geben.

Sie wären beinahe drauf reingefallen. Es war Schmidt-Voigt, der sie aufklären musste, er hatte sich einen Spaß erlaubt, weil die Stadt nur Tage zuvor den echten Beuys "Blitzgewitter mit Hirsch" für viel Geld erstanden hatte.

Aus dem Jahr 1988 stammt die Anekdote, heute gehört sie zum Gründungsmythos des Ikonenmuseums, das in dieser Woche sein 20-jähriges Bestehen feiert. Das Haus an der Brückenstraße begeht dieses Ereignis mit einer großen Feier, der auch die drei angeschmierten Herren beiwohnen werden - und mit einer gründlichen Aufbereitung der Biografie des großen Stifters. Es hatte ja am Ende doch geklappt mit den Ikonen, auch ohne Beuys.

Jörgen Schmidt-Voigt, in Frankfurt geborener Mediziner, der es als Herzspezialist zu Weltruf brachte, war ein Tausendsassa, ein Arzt und Musiker und Sammler - "und Witzbold obendrein", wie Snejanka Bauer vom Museum sagt. Rehabilitiert werden musste er trotzdem ein wenig, auch das leistet ein von Bauer herausgegebenes Buch zum Jubiläum. Schmidt-Voigt war während der NS-Zeit der "Gebietsfeldscher" von Hessen-Nassau, eine Art höherer Sanitäter also, "aber er war absolut antinationalsozialistisch eingestellt", sagt Bauer.

Gemeinsam mit dem pensionierten Mediziner Hans Böckler und dem ehemaligen Studienleiter des Lessing-Gymnasiums, Manfred Capellmann, hat sie Archive durchsucht und Dokumente zusammengetragen, um das Leben des 2004 verstorbenen Stifters nachzuzeichnen. Und um die Geschichte seiner Sammelleidenschaft zu erzählen, die es in sich hat wie die Beuys-Anekdote.

"Wir wollen ihn nicht in den Himmel loben", sagt Bauer. "Aber bis jetzt gab es über ihn nicht einmal ein Faltblatt", ergänzt Capellmann. Und eine kleine Ikone könne man ihm schon malen. Wladimir Putins Mutter würde das auch so sehen. Aber das ist nun wieder eine ganz andere Geschichte. (big)

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