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Zwickauer Zelle Spur der Zwickauer Terrorgruppe führt an den Rhein

Aus dem Umfeld der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) werden weitere, verstörende Details bekannt. Dabei geht es um das Brettspiel "Pogromly", Rechtsrock-Bands und mögliche Verbindungen nach Ludwigshafen. Die Ermittler befürchten zudem Beate Zschäpe nur für Brandstiftung anklagen zu können.

17.12.2011 22:38
Von Felix Helbig/dapd
Die Spur des Neonazi-Trios zieht sich immer weiter quer durch Deutschland. Foto: dpa

Nach Informationen der Berliner Zeitung ist der bekannte Ludwigshafener Neonazi Malte R. ins Visier der Ermittler gerückt. Er soll eine maßgebliche Rolle bei der dortigen Nazi-Gruppe Lunara einnehmen und Schießübungen im Ausland organisiert haben. Lunara bewerten die Behörden anscheinend als terroristische Vereinigung.

Laut Dokumenten, die der BLZ vorliegen, gilt Malte R. den Behörden zudem als verdächtig, den Brand in einem Ludwigshafener Wohnhaus gelegt zu haben, bei dem am 3. Februar 2008 neun türkischstämmige Bewohner ums Leben gekommen waren. Das Feuer in dem ausschließlich von Migranten bewohnten Haus hatte damals auch deshalb international Aufsehen erregt, weil die Behörden eine Brandstiftung mit ausländerfeindlichem Hintergrund relativ schnell ausgeschlossen hatten. Die Ursache des Feuers ist bis heute ungeklärt. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, hatte in der vergangenen Woche erklärt, den Fall neu untersuchen lassen zu wollen.

Rechtsrock Musikszene im Visier

Malte R. gilt als wichtige Figur der militanten rechten Szene in Süddeutschland. Die Ermittler zählen ihn anscheinend wie den Thüringer Neonazi Thomas G. zur internationalen Nazi-Organisation Hammerskin Nations (HSN). Auch G., der den gleichen Decknamen wie die mutmaßliche Terroristin Beate Zschäpe als Passwort in Internetforen benutzt haben soll, ist inzwischen in den Fokus der Ermittlungen geraten.

Unter Beobachtern der rechten Szene in Süddeutschland gilt Malte R. als Kopf der deutschen HSN-Division. Bei ihm soll auch der niedersächsische Sänger Daniel G. mit seiner Rechtsrock-Band Gigi und die braunen Stadtmusikanten aufgetreten sein, für den sich die Behörden wegen seines Liedes „Döner-Killer“ interessieren, weil es die Mordserie der Zwickauer Terror-Zelle thematisierte, lange bevor der rassistische Hintergrund der Taten von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Bönhardt bekannt wurde.

Antisemitisches Brettspiel "Pogromly"

Der Ludwigshafener R. soll zudem Kontakte zum Neonazi Ralf Kapke, der die untergetauchten Rechtsterroristen durch den Verkauf des antisemitischen Brettspiels Pogromly unterstützt haben soll, sowie zum inzwischen inhaftierten Ralf Wohlleben unterhalten haben. Wohlleben hatte nach Angaben des Innenministeriums in Mainz die Internetseiten des Aktionsbüros Rhein-Neckar gestaltet. Malte R. gilt bei den Behörden als wichtiges Mitglied des Aktionsbüros, das eine „Informations- und Koordinierungsstelle“ von Kameradschaften im Dreiländereck Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist, so das Ministerium.

Verbindungen von Rheinland-Pfalz zur Mordserie des NSU hatte das Ministerium bislang verneint. Malte R. war in der Vergangenheit eher regional als Ladenbetreiber und Musikproduzent der rechten Szene aufgefallen. Allerdings sollen ihn Bilder von Nazi-Aufmärschen schon vor Jahren an der Seite von Ralf Wohlleben zeigen.

Zschäpe kaum wegen Mordes anklagbar

Das Bundesinnenministerium geht einem Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“ davon aus, dass die wegen Verdachts auf Rechtsterrorismus inhaftierte Beate Zschäpe nicht wegen Mordes, Beihilfe zum Mord oder Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt werden kann. Letztlich lasse sich nur der Vorwurf der Brandstiftung in ihrer eigenen Wohnung erhärten.
Zwar sei Zschäpe jahrelang mit ihren Gesinnungsgenossen und mutmaßlichen Haupttätern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos im Untergrund tätig. Sie schweige jedoch beharrlich und werde dies nach Einschätzung des Ministeriums auch weiterhin tun. Damit könne Zschäpe eine Mitwisserschaft oder Beteiligung an den zehn Morden der Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ nicht nachgewiesen werden.

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