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Zum Tod von Norodom Sihanouk Der Patriarch vom Mekong

Norodom Sihanouk, der frühere König und Vater der Unabhängigkeit Kambodschas, war eine der schillerndsten Herrscher Südostasiens. Am Montag starb er nach langer Krankheit in Peking..

Norodom Sihanouk, der frühere König Kambodschas. Foto: AFP

Zuletzt war es still um Norodom Sihanouk geworden. Doch Kambodschas ehemaliger König soll acht Jahre nach seiner Abdankung immer noch Einfluss auf sein Land gehabt haben. Am Montag starb Sihanouk nach langer Krankheit in einer chinesischen Klinik, zwei Wochen vor seinem 90. Geburtstag.

Der Monarch gehörte zu den schillerndsten und umstrittensten Herrschern Südostasiens. Sein Leben ist untrennbar verwoben mit der tragischen Geschichte Kambodschas zwischen Kolonialherrschaft, Unabhängigkeitskämpfen, Vietnamkrieg und dem Ende des Ost-West-Konfliktes.

Es war das Vichy-Regime, das den 18-Jährigen, an französischen Schulen in Saigon und Paris erzogenen jungen Mann zum König ernannte. Die Franzosen hielten ihn für naiv und einfach zu manipulieren. Aber am Ende des Zweiten Weltkriegs manövrierte der junge König so geschickt zwischen den Siegermächten, dass Kambodscha 1953 unabhängig wurde, ohne dass ein Tropfen Blut floss.

Mit Sihanouk verliert die Welt einen der letzten Zeitzeugen, der Asiens dramatische, oft blutige Entwicklung von armseligen Kolonien zu hochmodernen Motoren der Weltwirtschaft miterlebte. Er war ein Inbegriff des mit allen Wassern gewaschenen Staatsmannes.

Unter Sihanouks Führung blieb Kambodscha bis 1970 weitgehend friedlich, während in der Nachbarschaft blutige Konflikte tobten. Beharrlich versuchte der Prinz, sein Land aus dem Vietnamkrieg herauszuhalten. In der Rückschau verklären viele Kambodschaner diese Periode als eine goldene Zeit. Dieser friedlichen Entwicklung setzten die USA 1970 mit dem Putsch des US-hörigen Offiziers Lon Nol ein Ende. Die USA wollten die nordvietnamesischen Stützpunkte zerstören, die Sihanouk Ho Chi Minh und seinen Mitstreitern zu errichten erlaubt hatte.

14 Kinder und Enkelkinder verloren

Sihanouk floh nach dem Staatsstreich nach Peking und ließ sich überreden, die bis dahin weitgehend bedeutungslosen Roten Khmer unter Führung von Pol Pot zu unterstützen. Die gewannen erst an Einfluss, als die Amerikaner mit dem Flächenbombardement kambodschanischer Dörfer begannen. 1975, nach dem Einzug Pol Pots in Phnom Penh, kehrte Sihanouk zurück, weil ihm der Posten des Regierungschefs anboten wurde. Das war eine Falle. Sihanouk wurde bei seiner Rückkehr unter Hausarrest gestellt. Isoliert überlebte er mit seiner Frau Monique die nächsten vier Jahre in seinem Königspalast, bis die Vietnamesen 1979 einmarschierten. 14 seiner Kinder und Enkel kamen in dieser Zeit um, insgesamt 1,7 Millionen Kambodschaner kostete das Regime der Roten Khmer das Leben.

Auch danach mischte Sihanouk weiter mit. Am Ende handelte er den Abzug der Truppen Hanois mit aus. Als er nach den Pariser Friedensverträgen Anfang der 90er-Jahre erneut zum König gekrönt wurde, schöpften viele Kambodschaner noch einmal Hoffnung. Aber krank und zermürbt zog sich Sihanouk immer öfter nach Peking zurück.

Im Jahr 2004 schließlich dankte er ab, zog endgültig von Phnom Penh nach Peking und hielt sich im Hintergrund.

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