Lade Inhalte...

Zukunftsperspektive Eine linke Alternative

Antje Vollmer ruft in einem Gastbeitrag die deutsche Linke zur Einigung auf - als Alternative zu Jamaika.

Ebert/Luxemburg
Friedrich Ebert war von 1913 bis zu seinem Tod 1925 Vorsitzender der SPD. Rosa Luxemburg wurde als Gegnerin des 1. Weltkriegs aus der SPD ausgeschlossen. Foto: Imago / Montage: FR

Dahinter stand regelmäßig die Angst vor medialen Schlammschlachten, die sich seit 1948 regelmäßig antikommunistisch gebärden – die Springer-Presse ist ein Meister dieses Fachs. Aber entscheidender ist die Unfähigkeit der Parteien des linken Spektrums, ihre historische Spaltung auf Zukunft hin endlich zu überwinden. Dabei sind viele Mitglieder der heutigen „Linken“ längst sozialdemokratischer als mancher eigene Genosse (und der SPD-Schreck Oskar Lafontaine ist in Rente). 

Der Zeitpunkt und die Notwendigkeit der Wiedervereinigung der europäischen Linken sind jetzt gekommen. Wenn dieses Ziel nicht angepackt wird, droht nicht nur den Sozialdemokratischen Parteien Europas, sondern auch den neuen linken Bewegungen – wie Syriza in Griechenland, Podemos in Spanien – und übrigens auch den Grünen – ein Dasein als Mauerblümchen der Geschichte. Dafür muss die europäische Linke sich aber erst einmal an Haupt und Gliedern, in der Theorie und in der Praxis, vom Geist der Großen Koalitionen trennen, von ihrer Bereitschaft zur machtpolitischen Kooperation, zum strategischen Mitläufertum und zur mithelfenden Sozialarbeit bei gerade jenem Politik- und Strategie-Konzept, das die letzten 25 Jahre den gesamten Westen in seine tiefste Krise geführt hat.

Das Ergebnis dieser verlorenen Jahre wird allmählich deutlicher und verlangt, dass die verantwortlichen Politstrategen endlich einmal öffentlich Rechenschaft ablegen müssen darüber, wie sie denn mit dem großen Sieg im Kampf der Systeme zwischen Ost und West umgegangen sind . Die Kriege sind nicht weniger geworden, seit die Sowjetunion verschwand. Die Globalisierung hat die Spannungen zwischen arm und reich in den einzelnen Ländern und die zwischen Nord und Süd weltweit verschärft. Die EU ist zwar größer geworden, aber tief gespalten und international kaum handlungsfähig. Das internationale Finanzkapital und die Weltkonzerne lassen sich kaum noch politisch steuern, die Korruption wächst. Die UN hat Gewicht und Gestaltungsmacht verloren. Stellvertreterkriege und ungleiche internationale Ausbeutungsverhältnisse destabilisieren ganze Kontinente, Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit nehmen zu.

Der hundertjährige Riss kann geheilt werden

Wie vor hundert Jahren müssen die Parteien der Linken ihre Daseinsberechtigung zu allererst dadurch beweisen, dass sie aus den Kriegen und Sanktionen endlich aussteigen, selbst aus denen, die angeblich aus Menschenrechtsgründen geführt werden. 

Es gibt keine größere weltweite Fluchtursache und auch keine nachhaltigere Verletzung der Menschenrechte als den Krieg – diese einfache Wahrheit muss am Anfang aller Bemühungen um ein gemeinsames Agieren aller europäischen Linken stehen. Eine Klarheit darüber wird viele Menschen zurückbringen, die sowieso nie die moralisch verbrämte Kriegspropaganda der neokonservativen Ära geglaubt haben.

Der hundertjährige Riss innerhalb der politischen Linken aber kann nur geheilt werden, wenn beide ihren Anteil an diesem Schisma erkennen und überwinden. Mit historischen Abstand müsste es doch heute leichter sein, anzuerkennen, was jeweils an falschen Wegen sowohl von Sozialdemokraten wie von den Kommunisten beschritten wurde. Nur wenn beide die Verlustbilanz der ewigen Spaltung erkennen, gibt es erneut eine Chance für die dritte Möglichkeit. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum