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Zukunftsperspektive Eine linke Alternative

Antje Vollmer ruft in einem Gastbeitrag die deutsche Linke zur Einigung auf - als Alternative zu Jamaika.

Ebert/Luxemburg
Friedrich Ebert war von 1913 bis zu seinem Tod 1925 Vorsitzender der SPD. Rosa Luxemburg wurde als Gegnerin des 1. Weltkriegs aus der SPD ausgeschlossen. Foto: Imago / Montage: FR

In Russland begann derweil ein neues Kapitel der Weltgeschichte: das bolschewistische Experiment einer Revolution unter Führung einer diktatorischen Avantgarde. Dieses allerdings war unter der direkten Protektion des deutschen Generalstabs auf die Welt gekommen: Die Idee, im Hinterland der russischen Armee eine Revolution anzuzetteln, um die russische Streitmacht dadurch im eigenen Land zu binden, war von den deutschen Generälen Ludendorff und Hindenburg ausgedacht. Sie schickten nicht nur Lenin (eine Art Osama bin Laden) persönlich gut geschützt nach St. Petersburg, sie statteten ihn auch mit einer gigantischen Summe an Goldmark aus, um seinen Erfolg gegen die Menschewiki (eine Art russischer Sozialdemokraten) zu garantieren. Schon damals waren offensichtlich die Geostrategen der politischen Rechten den braven linken Vaterlandsverteidigern weit überlegen.

Kommunismus nahm eine brutale Form an

Mit den diktatorischen Entgleisungen der bolschewistischen „Diktatur des Proletariats“ und erst recht mit der Brutalität der stalinschen Säuberungen und Zwangsarbeitslagern des Gulag-Systems war diesmal von Seiten der Kommunisten jede Brücke abgerissen, die zu einer Überwindung des Schismas der linken Kräfte in Europa hätte führen können. Dabei wäre sie doch im Kampf gegen den aufkommenden Faschismus dringend notwendig gewesen.

Ein letztes Aufbäumen war das weltweite Engagement von linken und bürgerlichen Kräften im spanischen Bürgerkrieg für die Zweite Republik, die gerade eine Alternative zum Sowjetsystem stalinscher Prägung hätte sein können. Nicht wenige linke Aktivisten versuchten für dieses Ziel dem Moskauer Exil mit seinen Schauprozessen zu entkommen. Wieder aber war ein dritter Weg nicht erfolgreich.

Die antibolschewistische, antikommunistische und auch anti-russische Keule wurde ab dann zum festen Bestandteil politischer Kampagnen in allen europäischen Ländern, besonders aber in Deutschland. Schon in der Weimarer Republik hatten die reaktionären Kräfte regelmäßig von der Spaltung der Linken profitiert. Ein erstaunliches Ergebnis bis heute ist: In 100 Jahren deutscher Parlamentsgeschichte standen nur ganze 25 Jahre unter einem SPD-Regierungschef. Besonders in der Bundesrepublik war der Verweis auf die „S-Sowjets“ und die „Zone“ (Adenauer) sicherer Garant für alle konservativen Wahlerfolge seit 1948.

Dabei genügten tumbe Parolen wie: „Der Russe kommt“, „Freiheit statt Sozialismus“, der Verweis auf den „Vaterlandsverräter Frahm“ (Willy Brandt), die „Fünfte Kolonne Moskaus“ oder noch in jüngster Zeit die „Rote Socken“-Kampagne. Aus Angst vor dieser Stigmatisierung und diesem Kontaktgift, schreckte die SPD selbst dann noch davor zurück, die Macht zu ergreifen, als es zusammen mit den Grünen und den Linken längst parlamentarische Mehrheiten im Bundestag und in den Länderparlamenten gab.

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