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Zukunftsperspektive Eine linke Alternative

Antje Vollmer ruft in einem Gastbeitrag die deutsche Linke zur Einigung auf - als Alternative zu Jamaika.

Ebert/Luxemburg
Friedrich Ebert war von 1913 bis zu seinem Tod 1925 Vorsitzender der SPD. Rosa Luxemburg wurde als Gegnerin des 1. Weltkriegs aus der SPD ausgeschlossen. Foto: Imago / Montage: FR

Wenn die Sozialdemokraten und die politische Linke in Europa ihre aktuelle Krise und ihre Schwächephase überwinden wollen, müssen sie zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssen ihre Angst vor den permanenten medialen Folterwerkzeugen ihrer politischen Gegner besiegen – und sie müssen endlich ihre eigene ewige Spaltungsgeschichte beenden.

Es ist genau 100 Jahre her, dass die Einheit der politischen Linken in Deutschland und in Europa zerbrach – und zwar so traumatisch, dass dieser Riss bis heute nicht wieder geheilt wurde. Damals, im April 1917, gründete der frühere Fraktions- und Parteivorsitzende der SPD, Hugo Haase, zusammen mit Weggefährten wie Eduard Bernstein, Karl Kautsky, Clara Zetkin, Kurt Eisner, Georg Ledebour, Luise Zietz die Unabhängige Sozialdemokratie (USPD). Ihre zentrale Differenz zur Mehrheitssozialdemokratie bestand in der Ablehnung des Krieges. Sie war überzeugt, dass im Jahre 1914 an der Stellung zum Krieg der mögliche Erfolg einer geeinten europäischen Sozialdemokratie zerbrochen sei, die kurz davor gestanden hatte, zur bestimmenden politischen Kraft des europäischen Kontinents zu werden.

Was war passiert? Bis 1900 war die deutsche Sozialdemokratie das weltweit bewunderte Vorbild einer gut organisierten Arbeiterbewegung. Sie hatte mit Marx und Engels nicht nur die anerkannten Theoretiker hervorgebracht, sie besaß auch die schlagkräftigsten Massenorganisationen, sie organisierte wirkungsvoll Streiks für soziale Reformen und für die Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts. Zusammen mit den französischen Reformsozialisten unter Jean Jaures hatte sie eine unbestrittene oppositionelle Führungsrolle inne und wurde so auch von den Konservativen gefürchtet.

Noch 1912 war auf dem Friedenskongress der Zweiten Sozialistischen Internationale in Basel erklärt worden: Wenn die herrschenden imperialistischen Kräfte einen Krieg vom Zaun zu brechen wagen, werden die vereinigten Organisationen der Arbeiterbewegungen in Europa in den Generalstreik treten und dieses Gemetzel verhindern. Dann stimmte die Reichstagsfraktion der SPD den Kriegskrediten zu, dann wurde unmittelbar vor Kriegsausbruch Jean Jaures ermordet – und aus dieser Niederlage und Katastrophe entstand das einhundertjährige Schisma der Linken. 

Ein dritter Weg einer einheitlichen Linken war versperrt

Die sozialdemokratischen Parteien verstanden sich von da an als Sozialreformer und Sozialarbeiter im nationalen Rahmen; die radikaleren Kräfte verabschiedeten sich von der Hoffnung, auf demokratischem Wege und gewaltfrei die kapitalistische Welt zu verändern.
Aus heutiger Sicht ist es immer noch schwer begreiflich, warum die damalige SPD unfähig war, dieses Schisma zu verhindern. Die USPD war vielleicht die letzte Möglichkeit eines dritten Weges, um die dauerhafte Spaltung der Linken zu verhindern. 1917 zählte sie immerhin 100.000 Mitglieder, 1920 sogar 200.000. Gerade in den Jugend- und Frauenverbänden hatte sie erhebliche Unterstützung. Bei den Antikriegsdemonstrationen mitten im Krieg spielte sie die zentrale Rolle. 

Nach der Novemberrevolution aber geriet die USPD zwischen die Fronten der radikaleren Kräfte der Spartakus-Gruppe um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und die rigorose Ausgrenzungspolitik der nunmehr staatstragenden Mehrheitssozialdemokraten. Der Preis war hoch: Ein dritter Weg einer einheitlichen Linken war für die gesamte Zeit der Weimarer Republik versperrt, die Spaltung aber half dem Aufstieg der reaktionären Bewegungen.

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