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Zukunft von Karl-Theodor zu Guttenberg Der Mann, der alles könnte

In seinem CSU-Ortsverein ist Karl-Theodor zu Guttenberg weiter extrem beliebt. Während die Fans auf seine Rückkehr hoffen, prophezeien Unternehmensberater dem Ex-Minister eine Karriere in der Wirtschaft. Trotz 100 Strafanzeigen.

09.03.2011 21:17
Olivia Schoeller
Maßvoller Rückhalt: Guttenberg-Fanclub beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Passau. Parteichef Seehofer ließ die Fans des Freiherrn lange auf ein Bekenntnis zu „KT“ warten. Foto: dpa

In seinem CSU-Ortsverein ist Karl-Theodor zu Guttenberg weiter extrem beliebt. Während die Fans auf seine Rückkehr hoffen, prophezeien Unternehmensberater dem Ex-Minister eine Karriere in der Wirtschaft. Trotz 100 Strafanzeigen.

Reinhold Rott sitzt mit gesenkten Schultern am Schreibtisch. Der CSU-Geschäftsführer des Bezirks Oberfranken blickt traurig auf ein Plakat. Es stammt aus dem Wahlkampf 2009 und zeigt einen lächelnden Karl-Theodor zu Guttenberg. Darunter steht die Aufforderung: „Auch die Zweitstimme der CSU, damit Guttenberg Minister bleibt.“

Obwohl Guttenberg seit mehr als einer Woche alle Ämter niedergelegt hat – auch das des CSU-Bezirksvorsitzenden von Oberfranken – hat es Rott bis jetzt nicht übers Herz gebracht, das Bild von seiner Bürotür abzuhängen. Täglich lächelt ihn Guttenberg an. Das ist ein bittersüßes Erlebnis. Bitter, weil es an die Vergangenheit erinnert. Und süß, weil das Plakat für einen oberfränkischen CSU-Mann wie Rott einen Funken Hoffnung in sich birgt.

Ob Guttenberg jemals wieder in die Politik zurückkehrt, mag Rott nicht abschätzen. „Ich weiß nicht, was in zwei, drei Jahren ist“, sagt der Franke. Aber: „Wenn er morgen kandidiert, wird er gewählt“ – zumindest in seinem alten Wahlkreis Kulmbach. Die Menschen hier hätten ein anderes Bild von ihm als jenes, das die Medien gezeichnet hätten. „Sie kennen ihn persönlich“, sagt Oberfranke Rott, „er ist beliebt. Er spricht ihre Sprache.“

Deshalb müsse Guttenberg auch nicht mehr ganz unten beginnen – im CSU-Ortsverein seines Heimatortes Guttenberg. Will er wieder in die Bundespolitik oder ins EU-Parlament, müsste er auch nicht zwangsläufig Bezirkschef von Oberfranken werden. Der Job wäre wichtig, wenn Guttenberg seine Zukunft in der bayerischen Landespolitik sieht. Egal, welches Mandat er anstrebt: Als Kandidat müsste er sich, wie jeder andere, wieder einem Nominierungsprozess unterziehen. Bayerischer Ministerpräsident, Bundesminister oder gar Bundeskanzler – wenn es um die Zukunft des Starpolitikers Guttenberg geht, ist die Fantasie der Oberfranken grenzenlos. Rott bemüht sich zwar, Ruhe zu bewahren. Im Moment schlägt er seinem früheren Chef vor, eine „gute Auszeit zu nehmen und die Aufklärung – also die Prüfung der Doktorarbeit durch die Uni Bayreuth und die strafrechtlichen Ermittlungen – abzuwarten“. Aber für Rott gibt es keine Zweifel: „Der Mann ist eine Ausnahmeerscheinung. Und Hoffnung gibt es immer.“

Nicht weit von Rotts Büro entfernt, bei der Staatsanwaltschaft Hof, sitzen die, die der Hoffnung einen jähen Dämpfer versetzen könnten. Hier sind 100 Strafanzeigen gegen Guttenberg eingegangen, und hier wird gegen ihn wegen des Verdachts auf Urheberrechtsverletzung in seiner Doktorarbeit ermittelt.

Im Falle einer Verurteilung müsste Guttenberg mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen. Guttenberg wäre dann auch vorbestraft. Ob dies in seinem polizeilichen Führungszeugnis erwähnt wird, hängt von der Höhe der Strafe ab, erklärt die Staatsanwaltschaft Hof. Während dieser Zeit kann sich Guttenberg frei bewegen.

Wohin geht KT?

Aber wohin geht er? Zurück ins Schloss? Wohl kaum. Glaubt man den Guttenberg-Biografen Eckart Lohse und Markus Wehner, dann ist es nicht der Traum eines Karl-Theodor zu Guttenberg, „das Leben in der Hauptstadt zu tauschen mit dem in einem düsteren Schloss in der 600-Seelen-Gemeinde“. Berlin, das sei Guttenbergs Bühne.
Überhaupt gehört das Schloss nicht mehr Karl-Theodor, sondern seinem jüngeren Bruder Philipp zu Guttenberg. Der wohne zwar noch nicht dort, aber immerhin sei er Eigentümer.
Geldprobleme dürften Guttenberg nicht plagen, angeblich beläuft sich das Familienvermögen auf mehrere hundert Millionen Euro. Doch kann man sich den 39-jährigen ehrgeizigen Politiker wahrlich nicht im adeligen Ruhestand vorstellen. Nach Meinung von Personalberatern könnte er trotz seines beschädigten Images einen Job in der Wirtschaft finden. Jeder Mensch macht Fehler.
Aber das muss nach Meinung des Personalberaters Sörge Drosten, eines der Geschäftsführer der Firma Kienbaum, nicht nur negative Auswirkungen haben. Im Gegenteil. „An Krisen kann man reifen“, sagt Drosten. Ein mittelständisches Unternehmen könnte Guttenberg für Unternehmensstrategie oder Netzwerkpflege einstellen. Internationale Organisationen oder der gemeinnützigen Bereich seien weitere mögliche Berufsfelder für ihn. Als seine großen Pluspunkte nennt Drosten den Aufbau und die Pflege von sozialen Netzwerken und sehr gute kommunikative Fähigkeiten. „Er bringt die Dinge auf den Punkt, das ist nicht selbstverständlich bei Politikern.“
Unternehmensberater Peter Behncke von Korn/Ferry International kann sich den Ex-Minister im Aufsichtsrat einer Firma vorstellen – aber nicht im operativen Geschäft. Dafür habe er nicht genügend Erfahrung. Sollte Guttenberg für ein Unternehmen arbeiten, müsste er seinen Umgang mit Boulevard-Medien einstellen, rät Behncke: „Keiner will ein Aufsichtsratsmitglied dauernd in Bunte, Gala oder Bild sehen.“ Einen Ausflug in die Wirtschaft sieht Behncke für Guttenberg jedoch nur als kurzfristiges Ziel. „Auf Dauer gehört der Mann in die Politik.“
Es gibt wohl berechtigte Zweifel, ob Guttenberg in der Bundesrepublik bleiben wird. Er sehe sich als „Vagabunden“, der die Welt erkunden will, schreiben Lohse und Werner. Die andere Guttenberg-Biografin Anna von Bayern, eine Freundin der Familie, gibt in ihrem Buch die Richtung vor, in die Guttenberg mit seiner Frau Stephanie und den beiden Kindern reisen könnte: Amerika. Bereits vor Jahren habe er ein Angebot der Harvard Universität schweren Herzens abgelehnt.

In den USA hat schon Cem Özdemir eine Auszeit verbracht. Nach seinem Rücktritt wegen der Flugmeilen-Affäre 2002 arbeitete er ein Jahr beim German Marshall Fund in Washington. Heute ist er Parteichef der Grünen.

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