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Zentrum für politische Schönheit „Flüchtlinge fressen“ geht weiter

Hebt die Bundesregierung das Beförderungsverbot für syrische Flüchtlinge nicht auf, will sich eine syrische Künstlerin öffentlich den Tigern zum Fraß vorwerfen.

20.06.2016 15:05
"Zentrum für politische Schönheit": Ein Tiger-Käfig vor dem Gorki-Theater in Berlin. Foto: dpa

Mit ihrer umstrittenen Aktion "Flüchtlinge Fressen" sorgt die Künstlerinitiative "Zentrum für politische Schönheit" in Berlin weiter für Schlagzeilen. Am Montag erklärte die aus Syrien geflohene Künstlerin May Skaf in einer emotionalen Rede im Berliner Maxim Gorki Theater, sie wolle sich in der kommenden Woche öffentlich vier Tigern zum Fraß vorwerfen lassen, sollten Bundesregierung und Bundestag das Beförderungsverbot für Flüchtlinge nicht aufheben. Nach dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs seien die Ticketschalter in Flughäfen außerhalb der EU für Flüchtlinge "zur unüberwindlichen Mauer" geworden.

Vor dem Berliner Maxim Gorki Theater steht seit Donnerstag ein einer römischen Arena nachempfundenes Gehege mit vier libyschen Tigern. Neben der syrischen Schauspielerin hätten sich weitere sechs Flüchtlinge bereiterklärt, an der Aktion "Flüchtlinge Fressen" teilzunehmen, hieß es. Das Bundesinnenministerium hatte die Aktion am Freitag als zynisch bezeichnet. Die Inszenierung werde auf dem Rücken der Schutzbedürftigen ausgetragen.

Schauspielerin May Skaf forderte die Annullierung der entsprechenden EU-Richtlinie (2001/51/EG), die Fluggesellschaften mit enormen Strafen belegt, wenn sie Passagiere befördern, die kein Visum besitzen. Dieser Paragraf habe Tausende Flüchtlinge zur tödlichen Überfahrt von der türkischen oder libyschen Küste nach Europa gezwungen. "Für uns bedeutet das Mittelmeer jetzt nur noch Tod", rief Skaf mit zitternder Stimme auf Arabisch. "Nicht Poseidon entscheidet über das Schicksal von Menschen wie mir, sondern Sie. Alle", lautete es in der Übersetzung.

Für den 28. Juni hat das Zentrum für Politische Schönheit den Angaben zufolge einen Flug aus der Türkei gebucht, bei dem 100 Flüchtlinge sicher nach Deutschland gebracht werden sollen. Die Personendaten der Passagiere lägen der Bundesregierung und den zuständigen Behörden vor, teilte die Initiative mit. "Die Bundesregierung wird am Mittwoch ihre Entscheidung verkünden müssen, ob die ersten 100 Flüchtlinge an Bord des Flugzeugs am 28.6 überleben dürfen oder durch Schlepper sterben sollen." Komme ein Nein oder gar keine Reaktion, kündigte das Zentrum für politische Schönheit drastische Maßnahmen an: Am selben Tag werde sich eine Gruppe Flüchtlinge "Europa zum Fraß vorwerfen" und sich freiwillig in aller Öffentlichkeit fressen lassen. In der Vergangenheit hatte die Künstlerinitiative wiederholt mit umstrittenen Aktion, wie etwa dem vorübergehenden Diebstahl von Gedenkkreuzen für Berliner Mauertote, für Aufmerksamkeit gesorgt. (epd)

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