Lade Inhalte...

Zentralafrikanische Republik Schlachtfeld für alle

Die Zentralafrikanische Republik droht auseinanderzubrechen

Mit der Zentralafrikanischen Republik droht erneut ein afrikanischer Staat ins Chaos zu stürzen. Die Gewalttätigkeiten in der in der Mitte des Kontinents gelegenen Nation hätten ein bislang „beispielloses Ausmaß“ angenommen, meldet die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“: Im Nordwesten des rund fünf Millionen Einwohner zählenden Landes befänden sich mehrere Zigtausend Menschen auf der Flucht. Die Hilfsorganisation sehe sich mit Opfern „entsetzlicher Gewalttaten“ konfrontiert, darunter viele Frauen und Kinder; auch von Entführungen, Folterungen und Vergewaltigungen wird berichtet. Flüchtlinge hätten „wenig bis gar keinen Zugang zu Unterkünften, sauberem Wasser, Nahrung oder Sanitäreinrichtungen“, heißt es. Ganze Dörfer seien niedergebrannt, eine Malariaepidemie bahne sich an.

Frankreichs Präsident François Hollande hatte schon vergangenen Woche vorm Nationalrat wegen der Zentralafrikanischen Republik Alarm geschlagen: „Dort hat das Chaos Fuß gefasst. Und wieder einmal sind Zivilisten die Opfer.“ Vor den UN in New York bezeichnete Außenminister Laurent Fabius die Republik als „ein staatsloses Gebiet“, in dem sich „Afrikas gefürchtetste Milizen“ tummelten – darunter die ugandische Lord’s Resistance Armee, die sudanesischen Dschandschawid sowie möglicherweise auch islamistische Kämpfer aus Mali, Nigeria und Libyen. „Wir haben nicht das Recht“, so Fabius, „diesen scheiternden Staat sich selbst zu überlassen.“

Seit ihrer Unabhängigkeit von Frankreich vor 53 Jahren wird die Zentralafrikanische Republik von politischen Unruhen heimgesucht, unter anderem wurde das Land von dem größenwahnsinnigen Kaiser Bokassa regiert. Der jüngste Coup ereignete sich im März dieses Jahres, als die Rebellentruppe Séléka den ebenfalls per Putsch an die Macht gekommenen Präsidenten François Bozizé verjagte, dem sie Korruption und Verstöße gegen ein wenige Monaten zuvor in Gabuns Hauptstadt Libreville geschlossenes Friedensabkommen vorwarfen. Nach dem Umsturz, der mehreren Hundert Menschen, darunter auch 14 Soldaten einer südafrikanischen Schutztruppe, das Leben kostete, ließ sich Rebellenchef Michel Djotodia im August zum Präsidenten küren.

Doch das Land kommt nicht zur Ruhe. Anhänger Bozizés organisieren sich in „Selbstverteidigungsgruppen“. Ihnen stehen die immer undisziplinierteren Séléka-Kämpfer gegenüber. Die ehemaligen Rebellen, so das britische Beraterzentrum Oxford Analytica, seien nun die „Haupttäter der Gewalt gegen Zivilisten“.

Um der Lage Herr zu werden, löste Präsident Djotodia im September Séléka per Dekret auf: Das scheint die Rechtlosigkeit nur noch vergrößert zu haben. „Der Zusammenbruch der Ordnung und die Unfähigkeit der Übergangsregierung, Kontrolle über die marodierenden Séléka-Soldaten auszuüben, lässt eine neue Eskalation der Gewalt als wahrscheinlich erscheinen“, warnt Jennifer Welsh, Beraterin des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon.

Da die Séléka-Kämpfer vor allem aus dem muslimisch dominierten Norden des Landes stammen und es sich bei den Anhängern Bozizés mehrheitlich um Christen handelt, hat der Konflikt auch eine religiöse Dimension. Djotodia ist der erste muslimische Präsident des Landes, in der Séléka werden auch Islamisten aus den Nachbarstaaten der Republik vermutet.

Derzeit befindet sich eine 2500 Mann starke afrikanische Schutztruppe vor Ort, die allerdings nichts auszurichten vermag. Zusätzlich sichern rund 400 französische Soldaten sowohl den Flughafen in der Hauptstadt Bangui wie diplomatische Vertretungen und französische Firmen.

Bei einem Besuch in Südafrika kündigte Hollande Anfang dieser Woche eine Verstärkung seiner Truppen an – Südafrika will unterdessen dafür sorgen, dass auch das afrikanische Kontingent vergrößert wird. Obwohl das rohstoffreiche Land mit den beiden Kongos, dem Tschad, Kamerun und den zwei sudanesischen Staaten zum Teil selbst hochgradig labile Nachbarn hat, fürchten Beobachter weniger eine Ausbreitung des Konflikts auf die gesamte Region. „Wahrscheinlicher ist“, so Oxford Analytica, „dass der Staat zusammenbricht und das Gebiet allen möglichen bewaffneten Gruppen Unterschlupf bietet.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen