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Zweiter Weltkrieg Entschädigung für Kriegsgefangene

Siebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gibt die Union ihren Widerstand gegen Entschädigungen an sowjetische Kriegsgefangene auf. 4000 Überlebende sollen eine symbolische Summe von je 2500 Euro erhalten.

Im Lager Stukenbrock starben Zehntausende Sowjets. Foto: Imago

Siebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Bundesrepublik Deutschland Entschädigungen an überlebende sowjetische Kriegsgefangene zahlen. Eine Stiftung soll dafür mit zehn Millionen Euro ausgestattet werden. Das beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages am Mittwoch.

Entsprechende Anträge der Linken- und der Grünen-Bundestagsfraktionen waren lange am Widerstand der Union gescheitert. Nach einer Anhörung im Haushaltsausschuss am vergangenen Montag entschlossen sich die Haushälter der CDU/CSU-Fraktion nun aber doch, den Weg für eine Entschädigung freizumachen. Entscheidend dafür waren offenbar die Stellungnahmen der Sachverständigen, die sich ausnahmslos für Entschädigungen ausgesprochen hatten. Nach Schätzungen leben noch etwa 4000 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene, die nun eine symbolische Entschädigung von je 2500 Euro erhalten werden.

Die Sachverständigen kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass sich das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener deutlich von dem anderer Gefangener der Wehrmacht unterschied. Von etwa 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen kamen zwischen 1941 und 1945 3,3 Millionen in deutscher Lagerhaft um. Die Todesrate lag bei 57,5 Prozent. Demgegenüber betrug die Sterberate britischer und amerikanischer Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft 3,5 Prozent.

Korte spricht von "kleiner Sensation"

Aus den bereits an die Nachfolgestaaten der Sowjetunion gezahlten Reparationen wurden Kriegsgefangene bislang nicht entschädigt. Auch bei einseitigen Wiedergutmachungsleistungen der Bundesrepublik Deutschland wurden sie bisher nicht berücksichtigt.

Zuletzt hatte Bundespräsident Joachim Gauck den Beitrag der sowjetischen Soldaten zur Befreiung Deutschlands von der NS-Diktatur gewürdigt.

Der Bundestagsabgeordnete der Linken, Jan Korte, nannte den Beschluss der Regierungskoalition am Mittwoch „eine kleine Sensation“. Bis zuletzt habe die Union konsequent jeglichen Versuch blockiert, eine der größten Opfergruppen der NS-Vernichtungspolitik zu entschädigen. Offenbar sei diese Position angesichts der einhelligen Auffassung aller Sachverständigen und nach der deutlichen Positionierung des Bundespräsidenten nicht länger haltbar gewesen, sagte Korte jetzt.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck erklärte: „Das ist heute ein wichtiger Schritt.“ Die Anerkennung des NS-Unrechtes sei „ein starkes Signal der historischen Verantwortung und der Völkerfreundschaft gegenüber den Völkern Russlands, Weißrusslands und der Ukraine.“

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