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Schlacht von Stalingrad „Wir waren Soldaten, keine Politiker“

Karl-Hans Mayer hat als Wehrmachtssoldat an der Ostfront gekämpft. Ein Zufall rettete ihn vor dem Tod im Kessel von Stalingrad.

Kampf um Stalingrad
Deutsche Wehrmachtsoldaten im Oktober 1942 in Stalingrad. Foto: imago

IV

Erst im Herbst 1955 kehrt Mayer zu seiner Familie in Itzehoe zurück. Kurz zuvor hatte Bundeskanzler Konrad Adenauer bei seinem ersten Besuch nach Kriegsende in Moskau die Freilassung der noch inhaftierten knapp 10 000 deutschen Kriegsgefangenen durchgesetzt. Als Spätheimkehrer erhält Mayer wenig später einen Job bei Volkswagen, wo er sich in den Folgejahren zu einer mittleren Führungskraft im Konzern hocharbeitet.

Der Krieg aber lässt ihn nicht mehr los. Mayer schreibt Bücher. „Trauma Stalingrad“ heißt eines davon, andere tragen Titel wie „Gulag-Geschichten“ und „Stalins Strafjustiz gegen deutsche Soldaten“. Es sind keine Heldenerzählungen über deutsche Landser, aber auch keine kritischen Reflexionen über die Verbrechen der Wehrmacht, den deutschen Vernichtungskrieg und die eigene Mitschuld. Auch heute, fast ein Dreivierteljahrhundert nach Kriegsende, will Mayer darüber nicht diskutieren. „Wir waren Soldaten, keine Politiker“, sagt er nur.

Den ehemaligen Feinden aber reicht er die Hand. Achtmal schon war er in Russland, wo er sich mit Veteranen der Roten Armee traf. Und im „Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa“ setzt er sich dafür ein, dass die Überreste sowjetischer und deutscher Soldaten von den einstigen Schlachtfeldern geborgen und würdig bestattet werden. So war er im April 2016 dabei, als in Alt Tucheband nahe der Oder die Überreste von 18 sowjetischen Soldaten, die im Endkampf um Berlin starben, auf dem Anger des Dorfes geborgen wurden. „Ich saß auf einem Stuhl dabei und sah den jungen Leuten bei ihren Grabungen zu, als der russische Botschafter zu mir trat“, erzählt Mayer. „Er fragte mich, warum ich als ehemaliger Wehrmachtssoldat hier sei, das seien doch meine ehemaligen Gegner. Und ich sagte ihm, für mich seien es junge Menschen gewesen, die einfach nur leben wollten – genauso wie ich.“

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